Titel: Verbesserte Methode positive Talbotype (Kalotype) hervorzubringen; von D. Brewster.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. LXVIII./Miszelle 7 (S. 246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098068_7

Verbesserte Methode positive Talbotype (Kalotype) hervorzubringen; von D. Brewster.

Bei der jezt gebräuchlichen Methode legt man die Vorderseite des negativen Talbotyps direct auf die Seite des Papiers, welche mit einer Auflösung von salpetersaurem Silber oder ammoniakalischem salpetersaurem Silber überstrichen wurde und das positive Bild empfangen soll. Bei starkem Sonnenlicht erhält man das Bild auf diese Art sehr schnell; die Schatten zeigen aber dabei eine Rauhigkeit, weil sich schwarze Fleken bilden, wodurch die Weichheit des Bildes verloren geht und bei Porträten das Gesicht eine unangenehme Härte erhält. Um diesen Fehler zu beseitigen, legte Sir David Brewster zuerst dünne Glastafeln dazwischen, welche bald geschliffene, bald polirte waren; obgleich aber die Zerstreuung des Lichts, welches durch das negative Bild passirte, eine große Weichheit in dem positiven hervorbrachte, so waren doch die Conturen zu undeutlich, obgleich die Talbotype von einiger Entfernung aus sehr gut aussahen. Brewster änderte nun das Verfahren dahin ab, daß er ein Blatt Schreibpapier, ohne Wassermarke und von gleichförmiger Textur dazwischen legte. Das Resultat dieses Versuchs entsprach vollkommen seinen Erwartungen. Die so verursachte Zerstreuung des Lichts überschattete alle scharfen Linien und Punkte und verlieh dem Bild einen hohen Grad von Weichheit. Die Wirkung wurde sogar verbessert, wenn man zwei Bogen reines Papier dazwischen legte, und bei sehr starker Mittagssonne kann man sogar drei Bogen mit Vortheil anwenden.

Eine ähnliche Wirkung läßt sich in geringerem Grad dadurch erzielen, daß man die Hinterseite des negativen Papiers auf das positive legt, wobei also das Licht durch die Dike des negativen Papiers dringen muß und dieses kann mit einem oder mehreren Bögen reinen Papiers verbunden werden. Es versteht sich, daß sich dieses Verfahren nur für Porträts eignet und es bietet den (bisweilen wünschenswerthen) Vortheil dar, die Figur auf eine andere Seite sehen zu machen.

Für diejenigen, welche den oben erwähnten Versuch zum erstenmal sehen, ist die Wirkung fast magisch; wenn das negative Bild entfernt wird, sieht man nur einen leeren Bogen weißen Papiers und die Verwunderung ist sehr groß, wenn man nach dem Aufheben dieses Bogens unter ihm ein vollkommenes Bild entdekt. (Mechanics' Magazine, August 1845, Nr. 1147.)

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