Titel: Untersuchung der französischen künstlichen Diamante.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. XCII./Miszelle 5 (S. 332–333)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098092_5

Untersuchung der französischen künstlichen Diamante.

Die künstliche Nachahmung des Diamants hat neuerdings in Paris wieder bedeutenden Aufschwung genommen, und es werden seit etwa zwei Jahren in den Galanteriehandlungen, ja, wer weiß ob nicht auch mitunter von Juwelieren, künstliche Diamante verkauft, welche die bisherigen Nachahmungen, ja selbst die aus Bergkrystall geschliffenen falschen Diamante, die unter den Benennungen Rheindiamante, böhmische Steine vorkommen, im Farbenspiel bedeutend übertreffen; ja in der That ein solches Feuer besizen, daß sie vom Nichtkenner gar leicht für ächte Steine genommen werden können. Es liegen uns Halsbänder, Broschen, Tuchnadeln und andere Schmuksachen von ausgezeichneter Schönheit vor, und schwerlich möchte ein argloser Beschauer anders, als bei unmittelbarer Vergleichung mit ächten Diamanten einen erheblichen Unterschied bemerken.

Das specifische Gewicht der künstlichen Diamante fand sich = 3.9 bis 4, während das der ächten = 3,5 ist. Die Härte liegt zwischen der des Apatits und Feldspaths, und wird ich am genauesten durch die Zahl 5¼ ausdrüken lassen, wenn die Harte des Apatits = 5, jene des Feldspaths = 6 angenommen wird. Sie kommt mit der des gewöhnlichen weißen Glases fast genau überein.

Eine unter meiner Leitung im Laboratorium der höhern Gewerbeschule zu Hannover angestellte Analyse ergab folgende Bestandtheile:

Kieselerde 41,2
Kali 8,4
Bleioxyd 50,4
–––––
100,0.
|333|

Es ist demnach ein Bleiglas, welches im Bleigehalt zwischen dem Flintglas (mit 33 bis 40 Procent Bleioxyd) und dem Straß (mit 53 Proc. Bleioxyd)62) ungefähr die Mitte hält, sich doch aber mehr dem lezteren nähert. Es stimmt dieses Resultat auch recht gut mit dem specifischen Gewicht, welches beim Flintglas = 3,6, beim Straß = 4,05, bei den künstlichen Diamanten, wie schon erwähnt, = 3,9 ist. Nicht minder der Härtegrad reimt sich vollkommen mit diesem Verhältniß, denn eine Probe Straß, aus der Fabrik von Douault-Wieland, welche mir vorliegt, zeigt eine Härte, welche mit der des Apatits genau übereinkommt (= 5), ist also unbedeutend weicher, als der künstliche Diamant.

Man ersieht aus alle dem, daß die Pariser künstlichen Diamante sich nur durch einen etwas geringeren Bleigehalt, und daher eine etwas größere Härte von dem Straß, der ungefärbten Grundlage der künstlichen Edelsteine, unterscheiden; und wenn sie sich durch ihr Feuer so vortheilhaft vor ähnlichen Glasflüssen auszeichnen, so möchten wir die Ursache davon mehr in der vollkommenen Klarheit und Farblosigkeit des Glases, so wie in der hohen Politur der Oberfläche, als in der besonderen chemischen Zusammensezung suchen. Dr. Heeren. (Mittheilungen des Gewerbevereins für das Königr. Hannover, 1845, Lief. 40.)

|333|

Das Flintglas von Guinand enthält in 100 Theilen 43,5 Bleioxyd, 42,5 bis 44,8 Kieselerde, 11,7 Kali; — in englischem Flintglase wurde gefunden: 33,28 Bleioxyd, 51,93 Kieselerde, 13,77 Kali; — im Straß von Douault-Wieland zu Paris: 55 Bleioxyd, 38,1 Kieselerde, 7,9 Kali. Mithin kommen auf 100 Kieselerde

BleioxydKali
im Guinand'schenFlintglase97,1 bis 102,326,1 bis 27,5
— englischen64,126,5
— Straß139,120,7
künstl. Diamant122,320,4

Im Kaligehalt steht also der künstliche Diamant so gut wie gänzlich dem Straß gleich; der Bleioxydgehalt ist aber bei ersterem etwa um den achten Thlil geringer als beim Straß.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: