Titel: Liebig, über die Kartoffelfäule.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. CX./Miszelle 7 (S. 416)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098110_7

Liebig, über die Kartoffelfäule.

Prof. Liebig gibt im Glasgow Constitutional folgendes Urtheil über die Kartoffelkrankheit: Gießen, 5. Nov. Meine Untersuchungen an den gesunden und kranken Kartoffeln dieses Jahrs haben mir die bemerkenswerthe Thatsache dargethan, daß sie ein beträchtliches Quantum pflanzenstofflichen Caseïns enthalten, welches sich durch Säuren niederschlagen läßt. Diesen Bestandtheil hatt' ich bei frühern Untersuchungen nicht bemerkt. Durch den Einfluß des Wetters, oder überhaupt aus atmosphärischen Ursachen, scheint sich ein Theil des pflanzlichen Eiweißstoffes, der in der Kartoffel vorhanden ist, in jenes Caseïn verwandelt zu haben. Die große Instabilität dieser leztern Substanz ist wohlbekannt, daher geht die es enthaltende Kartoffel so leicht in Fäulniß über. Daß der Gebrauch solcher Kartoffeln der Gesundheit schädlich sey, davon kann keine Rede seyn, und nirgends in Deutschland ist eine solche Schädlichkeit bemerkt worden. Solanin läßt sich in der kranken Kartoffel nicht entdeken. Einigermaßen nüzlich mag es seyn auf die Thatsache aufmerksam zu machen, daß kranke Kartoffeln sich leicht und mit geringen Kosten längere Zeit aufbewahren und dann verschiedenartig verwenden lassen, indem man sie in etwa ¼ Zoll dike Scheiben schneidet und diese in Wasser eintaucht, das 2 bis 3 Proc. Schwefelsäure enthält. Nach 24 bis 36 Stunden mag man die saure Flüssigkeit abziehen, und was noch davon übrig bleibt, läßt sich durch wiederholtes Eintauchen in frisches Wasser entfernen. Auf diese Art behandelt, troknen die Kartoffeln leicht. Die Stüke, weiß und von geringem Gewicht, lassen sich zu Mehl mahlen und vermischt mit Kornmehl als Brod baken. Kranke Kartoffeln, in Scheiben zerschnitten und einige Zeit mit schwacher Schwefelsäure in Berührung gehalten, so daß sie von derselben durchdrungen werden, lassen sich, wie ich vermuthe, in diesem Zustand in Gruben aufbewahren. Doch sind weitere Experimente erforderlich um dieß zu bestimmen. Gewiß aber ist daß aufgelöste Schwefelsäure dem Fortgang der Fäulniß Einhalt thut.“ (Allg. Ztg.)

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