Titel: Johnston's Verbesserungen im Abdampfen der Zukerauflösungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. CXXIII./Miszelle 4 (S. 459)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098123_4

Johnston's Verbesserungen im Abdampfen der Zukerauflösungen.

Syrup, welcher aus vollkommen raffinirtem Zuker bereitet ist, enthält gar keinen Farbstoff; sezt man ihn aber kurze Zeit einer starken Hize aus, so wird er dunkel und krystallisirt nicht mehr; sezt man ihn lange Zeit einer schwachen Hize aus, so erhält man dasselbe Resultat; es ist daher klar, daß der Farbstoff nur aus dem Zuker selbst erzeugt wird. Zukersieder, welche sehr große Vacuum-Pfannen anwenden, fabriciren förmlich solchen Farbstoff, weil sie ihre Zukerauflösungen lange der Einwirkung einer schwachen Hize aussezen. In diesen großen Pfannen bleibt nämlich der Syrup nothwendig länger der Hize ausgesezt, als wenn man ihn in kleinen Pfannen versiedet, welche nicht über fünfzig Pfund Syrup fassen. Mit leztern läßt sich aber dennoch viel ausrichten, wenn man keine Zeit beim Füllen und Ausleeren derselben verliert, d. h. das Vacuum dabei nicht zerstört. Um diese Bedingung beim Entleeren der Siedepfannen zu erfüllen, bringt Johnston am Boden der Vacuumpfanne eine Röhre an, so daß der Syrup in der Pfanne frei in dieselbe treten kann; diese Röhre muß natürlich so lang seyn, daß das Gewicht des in ihr enthaltenen Syrups dem Gewicht der Atmosphäre das Gleichgewicht hält oder es vielmehr übertrifft, so daß wenn ein Sperrhahn am unteren Ende der Röhre geöffnet wird, der Syrup in der Pfanne durch sein eigenes Gewicht aus der Röhre lauft bis die Pfanne entleert ist; die Röhre bleibt aber mit Syrup gerade so gefüllt, wie eine gewöhnliche Barometerröhre voll Queksilber bleibt. Für die meisten Fälle muß die Röhre über 25 Fuß lang seyn. Das specifische Gewicht, welches der Syrup nach dem Versieden hat, bestimmt die Länge der Röhre; je schwerer derselbe ist, desto kürzer kann die Röhre seyn. Dieß ist die wohlfeilste Methode eine Siedepfanne zu entleeren ohne das Vacuum aufzuheben; übrigens läßt sich der Zwek auch durch eine Saugpumpe erreichen, die man an der Pfanne anbringt.

Als Ersazmittel der Vacuum-Siedepfannen schlägt Johnston einen Apparat vor, wobei der Syrup in dünner Schicht über eine durch Dampf erhizte geneigte Ebene hinab stießt. Man benuzt z. B. eine flache Tafel von 25 Fuß Länge und 2 Fuß Breite, die aus zwei über einander befestigten Metallblechen besteht, so daß man sie durch einströmenden Dampf erhizen kann; die Röhren, welche den Dampf in das Innere leiten, müssen articulirt seyn, damit ein Ende der Tafel nach Belieben erhöht werden kann. Ist dieß geschehen, so bildet die Tafel eine geneigte Ebene und wenn deren lange Seiten mit einem erhabenen Rand versehen sind, kann man also den Syrup in dünner Schicht behufs des Abdampfens über dieselbe hinablaufen lassen. Die Dike der Schicht oder die Quantität des Syrups kann durch einen Sperrhahn regulirt werden, welchen man an der Röhre anbringt, durch die der Syrup aus einem Behälter auf das obere Ende der geneigten Ebene gelangt; am unteren Ende dieser Ebene lauft der concentrirte Syrup ununterbrochen in die Kühlgefäße aus. Nach der verschiedenen Neigung, welche man der Ebene gibt, muß der Syrup mehr oder weniger concentrirt werden. (Ein nach diesem Princip von Cody in Straßburg construirter Apparat ist S. 117 in diesem Bande des polytechnischen Journals beschrieben.)

Nun ist es aber klar, daß die dünne Schicht von Flüssigkeit während ihres Hinabfließens über die geneigte Ebene noch viel schneller verdampfen würde, wenn der Druk der Atmosphäre davon abgehalten wäre. Zu diesem Zwek schlägt Johnston vor, die geneigte Ebene mit einem gewölbten Dach aus starkem Metallblech zu versehen, welches dem Druk der Atmosphäre zu widerstehen vermag und zwischen diesem Dach und der Vacuumpumpe der Raffinerie durch Röhren eine Communication herzustellen. Damit aber mit einem solchen Apparat das Abdampfen ohne Unterbrechung beliebig lange fortgesezt werden kann, muß der am unteren Ende der schiefen Ebene angesammelte concentrirte Syrup weggeschafft werden können, ohne daß das Vacuum aufgehoben wird; man muß also daselbst entweder eine Pumpe oder die oben beschriebene lange Röhre anbringen, (Repertory of Patent-Inventions, Sept. 1845, S. 184.)

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