Titel: Pfetsch's Verbesserung an den Federn für die Eisenbahnwagen.
Autor: Pfetsch, J. P.
Fundstelle: 1846, Band 100, Nr. L. (S. 251–252)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/ar100050

L. Verbesserung an den Federn für die Eisenbahnwagen; von J. P. Pfetsch, Maschinenmeister bei der badischen Eisenbahn.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Die Federn der Personenwagen auf den Eisenbahnen, wie solche jetzt meistens angewendet werden, haben bekanntlich folgende wesentliche Nachtheile.

Sind die Federn so stark, daß sie einen Wagen, der vollständig besetzt ist, tragen können und doch noch spielen, so fährt man in demselben Wagen, wenn er nur mit wenigen Personen besetzt ist, sehr schlecht, indem alsdann die starken Federn beinahe gar nicht nachgeben. Sind dagegen die Federn so schwach, daß sie spielen, wenn der Wagen auch mit wenigen Personen besetzt ist, so senkt sich der Wagen bei voller Belastung so tief, bis irgend ein Theil desselben auf der Achse aufsitzt, wodurch alles weitere Nachgeben von selbst aufhört und man wieder schlecht fährt.

Diese Nachtheile zu beseitigen, wurden schon verschiedene Formen in Anwendung gebracht; ich glaube jedoch daß noch Verbesserungen zulässig und wünschenswerth seyn dürften und stellte mir deßhalb die Aufgabe, Federn für Eisenbahnwagen zu construiren, welche bei einer geringen Belastung des Wagens ebenso wie bei einer starken entsprechen können.

Diese Aufgabe glaube ich durch lange, an den Enden dünn auslaufende Federn zu lösen, welche aber nicht, wie bisher üblich, an den beiden Enden beständig an einem und demselben Punkt gedrückt werden. Die Drückpunkte an den Enden müssen, wie die Belastung zunimmt, sich von selbst immer mehr gegen die Mitte der Federn verlegen, wodurch letztere stärker werden und mehr tragen können.

In Fig. 25 stellt a, a eine solche Feder dar, und zwar in dem Zustande, wenn der Wagen nicht besetzt ist; sie sitzt in der Mitte bei b auf dem Achsenlager fest, während sie an den äußersten Enden c, c gedrückt wird. d, d sind zwei gerade Stäbe von Schmiedeisen, welche auf der hohen Kante parallel in solcher Entfernung neben einander liegen, daß sie zwischen sich die Frictionsrollen e, e, e aufnehmen können.

Unter diesen Rollen können die zwei kurzen Schienen f, f hin- und hergehen.

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Die Tragschienen d, d werden durch zwei Bügel g, g mit dem Wagengestell in Verbindung gebracht; durch die Schraubenmuttern an den Bügeln g, g kann die Höhe des Wagens regulirt werden.

Wenn nun der Wagen nach und nach belastet wird, so muß sich die Feder etwas biegen, sie wird sich zugleich mehr an die Schienen f, f anlegen und letztere auf den Rollen e, e, e um etwas verschieben.

Durch dieses Biegen der Federn werden die gedrückten Punkte c, c immer mehr von beiden Enden gegen die Mitte verlegt, wodurch die Federn zugleich je nach der Belastung an Tragkraft zunehmen.

Die Feder wird bei voller Belastung zuletzt die Form annehmen, wie sie in Fig. 26 dargestellt ist.

Eine weitere Erklärung der einzelnen Details für die Ausführung ist unnöthig, da diese sich von selbst ergeben.

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