Titel: Ueber die Vorzüge und zweckmäßigste Einrichtung eiserner Stubenöfen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 1 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi01_1

Ueber die Vorzüge und zweckmäßigste Einrichtung eiserner Stubenöfen.

Seit dem sechzehnten Jahrhundert, wo die Eisengießerei anfing sich zu vervollkommnen, findet man die ersten Oefen von Gußeisen, welche sowohl in der äußeren Gestalt als inneren Einrichtung sehr unvollkommen und unzweckmäßig waren. So oft nun auch in späterer Zeit die Mode damit zu wechseln begann, auch die Töpfer und Ofenfabrikanten sich alle erdenkliche Mühe gaben, durch Aufsätze von Thon auf Unteröfen von Gußeisen nicht nur, sondern auch durch ganze thönerne Oefen die von Gußeisen zu verdrängen, oder denselben wenigstens nachtheilig zu werden, so hat man doch diesen Zweck bis jetzt nicht erreicht und wird ihn, bei der allgemein anerkannten Zweckmäßigkeit des Gußeisens zu Zimmeröfen, auch niemals erreichen.

Es ist nun freilich nicht in Abrede zu stellen, daß sowohl die halben als ganzen Oefen von schwach gebranntem Thon eine recht angenehme und nachhaltige Wärme verbreiten, auch in den ersten Jahren des Gebrauchs ersparend an Brennmaterial sind. Allein nach einigen Jahren, wo ein solcher Ofen von Thonmasse in Gebrauch gewesen, wird man sich vollkommen überzeugen, daß derselbe an Zweckmäßigkeit verliert, da nämlich die anfangs poröse Masse durch die beständige Aufnahme der Holzsäure etc. immer dichter wird und eine dicke Kruste sich ansetzt, welche zuletzt die Wärme fast gar nicht mehr, oder doch nur sehr langsam mit unverhältnißmäßig großem Aufwande von Brennmaterial durchläßt; da ferner auch wohl mehrere Fugen sich öffnen durch welche Holzsäure oder Rauch dringt und ein übler Geruch im Zimmer verbreitet wird. Nach und nach wird die Thonmasse so dicht, daß fast aller Wärmestoff nach dem Rauchrohr strömt und durch solches in den Schornstein entweicht. Man kann sich davon leicht bei einem lange gebrauchten Ofen von Thonmasse überzeugen, an welchem das Ableitungs- oder Rauchrohr von Blech völlig rothglühend, dagegen aber der ganze Ofen noch kalt ist. Der Verbrauch des Brennmaterials wird sich dann verdoppeln und der Eigenthümer eines solchen Ofens sieht sich genöthigt den alten Steinklumpen, welchen er früher hat sehr theuer bezahlen müssen, abreißen und als Schutthaufen ohne Werth wegschaffen zu lassen.

Die Oefen von Gußeisen waren in früherer Zeit sehr unförmlich, groß und schwer und erforderten daher gleichfalls viel Brennmaterial. Jetzt ist man auf den Eisenhütten dahin gekommen, durch die Anfertigung der sogenannten Kästchen- oder |73| Circuliröfen dem Publicum nicht allein höchst geschmackvolle, sondern auch schnellheizende und holzersparende Oefen durch dünnen oder leichten Guß sehr billig zu liefern. Es wird solchen nun freilich mit Recht der Vorwurf gemacht, daß sie zwar sehr schnell heizen, dann aber auch bald wieder erkalten. Durch ein regelmäßiges Nachlegen des Brennmaterials kann diesem Uebel allerdings abgeholfen werden. Es lassen sich aber die Circuliröfen von Gußeisen noch viel zweckmäßiger einrichten, wenn man den Unterofen durch Einsatzblätter oder leicht gebrannte dünne Backsteine ausfüttert, dazu den Feuerraum sowohl für Holz, Torf und Steinkohlen mittelst eines Rostes gleich in den Boden des Ofens gelegt oder über der Bodenplatte eingemauert, gehörig vorrichtet.

Bei etwas weiteren und größeren Zügen des Oberofens würde es nur noch zur größeren Zweckmäßigkeit beitragen, sowohl die Querzüge als die aufstehenden Kästchen mit einer Thonmasse oder höchstens 1 Zoll dicken, leicht gebrannten Steinen von Thon auszufüttern, auch die drei aufstehenden Kästchen, durch welche keine Flamme geht, mit Backsteinstücken oder Sand ganz zu füllen, wodurch eine nachhaltige Wärme der Kästen verursacht wird. Das obere und untere Blatt in den langen Zügen würde aber, um die Wärme schnell durchzulassen, von dieser Ausfütterung frei bleiben müssen. Durch die in den Pfannenzügen angebrachten Reinigungslöcher ist ein solcher Ofen, namentlich im Winter, oft zu reinigen. Nach Verlauf von einigen Jahren würde der Ofen umzusetzen und demselben ein neues Futter von poröser Masse zu geben seyn.

Außer schöner Form und geschmackvollen Verzierungen kann diesen Oefen dadurch die höchste Eleganz für das Zimmer noch gegeben werden, daß die drei an der Vorderseite befindlichen durchbrochenen Thüren von Messing angefertigt und stets blank geputzt erhalten werden.

Die große Verbreitung der sogenannten eisernen Kästchen- oder Circuliröfen spricht schon für deren besondere Zweckmäßigkeit. Selbige mm auf die vorbeschriebene Weise verbessert, würden noch sehr dazu beitragen die bisherigen Vorurtheile zu beseitigen. Nach vielen Jahren des Gebrauchs eines solchen Ofens und nachdem wieder neuere und schönere Muster aufkommen, kann solcher mit geringem Verlust wieder verkauft, oder nach gänzlicher Unbrauchbarkeit auf den Eisenhütten oder bei den Eisenhändlern bei dem Ankauf eines neuen ausgetauscht werden. (Mitth. des Gew.-Vereins in Hannover.)

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