Titel: Vorschriften hinsichtlich der Errichtung von Anstalten zur Leuchtgasbereitung in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 2 (S. 73–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi01_2

Vorschriften hinsichtlich der Errichtung von Anstalten zur Leuchtgasbereitung in Frankreich.

Eine königlich französische Ordonnanz vom 27. Januar 1846 enthält folgende Vorschriften bezüglich der Gasanstalten:

a) die Lokalitäten zur Destillation, alle an dieselben anstoßenden Gebäude und die Magazine für Steinkohlen müssen aus unverbrennlichen Materialien gebaut und mit solchen gedeckt seyn;

b) am obern Theil des Daches derselben müssen für den Austritt der Dämpfe eine oder mehrere Oeffnungen angebracht werden, worüber sich Röhren oder Kamine befinden, deren Höhe und Querschnitt von den Verwaltungsbehörden zu bestimmen sind;

c) es darf durchaus keine animalische Substanz zur Gasfabrication angewandt werden;

d) die Kohks müssen, wenn sie aus den Retorten genommen werden, gelöscht werden;

e) die Apparate zur Condensation müssen entweder im Freien oder in solchen Gebäuden aufgestellt werden, welche ventilirt sind, es sey denn, daß die Condensation in Röhren vorgenommen wird, welche im Boden eingegraben sind;

f) die Apparate zur Reinigung des Gases müssen in Gebäuden angebracht werden, welche mittelst eines besondern am obersten Theil ihres Dachs angebrachten Kamins ventilirt werden; die Höhe und der Querschnitt dieses Kamins werden für jeden besondern Fall bestimmt.

|74|

Das Gas darf niemals aus den Retorten in den Gasometer geleitet werden, ohne durch die Reinigungsapparate zu streichen;

g) bei den Apparaten zur Verdichtung und Reinigung, so wie im Innern und in der Umgebung der Gebäude, welche Gasometer enthalten, ist jede andere Beleuchtungsart als mittelst Sicherheitslampen verboten;

h) das ammoniakalische Wasser oder der Theer, welche bei der Destillation erzeugt werden, müssen, wenn man sie nicht unmittelbar wegführt, in genau verschlossenen Cisternen aufbewahrt werden, welche nicht über 4 Kubikmeter fassen.

Diese Cisternen müssen aus Steinen oder Ziegeln, die man mit hydraulischem Mörtel verbindet, aufgebaut und überdieß immer mit hydraulischem Cement überzogen werden, auch müssen sie sich unter gedeckten Gebäuden befinden;

i) der Theer, das ammoniakalische Wasser und die Kalkmilch, so wie der feste Kalk, müssen, sobald sie aus den Reinigungsapparaten genommen werden, in luftdicht verschlossene Gefäße oder Behälter geschafft werden;

k) man darf den wässerigen Rückstand nur dann abdampfen und den Theer im Aschenraum und im Ofen verbrennen, wenn sich in Folge davon außerhalb weder Rauch noch Geruch verbreitet;

l) die Anzahl und Capacität der Gasometer jeder Anstalt müssen der Art seyn daß, wenn ein solcher unbrauchbar geworden ist, die andern dem Bedürfniß genügen; jede Anstalt muß wenigstens zwei Gasometer haben;

m) die Wasserbehälter, in welche die Gasometer tauchen, müssen vollkommen dicht seyn; man muß sie aus Steinen oder Ziegeln mittelst hydraulischem Mörtels aufbauen; wenn man sie aus Holz construirt, müssen sie in einer gemauerten Grube angebracht seyn. Wenn die Mauern über den Erdboden hinauf reichen, muß man sie zweimal so dick machen, als ihre Höhe beträgt. Die Wasserbehälter der Gasometer müssen zu ebener Erde mit einem Geländer umgeben werden;

n) die Glocke jedes Gasometers muß durch eine Leitvorrichtung in solcher Lage erhalten werden, daß sie sich durch eine Bewegung niemals von der Senkrechten entfernen kann. Ueberdieß muß sie so angebracht seyn, daß der Druck im Gasometer größer als der äußere Luftdruck ist; der Druck im Gasometer muß durch ein Manometer ersichtlich seyn;

o) solche Gasometer, welche über zehn Kubikmeter fassen, müssen gänzlich isolirt seyn, sowohl von den Gebäuden der Anstalt, als von den benachbarten Wohnungen; man muß sie mit Blitzableitern versehen, deren Stange eine Höhe hat, welche wenigstens dem halben Durchmesser des Gasometers gleichkommt;

p) jedes Gebäude, welches einen Gasometer enthält, muß mittelst Oeffnungen ventilirt werden, welche in seinem obern Theil angebracht sind, so daß sich kein Gas anhäufen kann, wenn solches irgendwo entweichen sollte; auch muß man am Umfang dieser Gebäude mehrere Oeffnungen anbringen, die man mit Sommerläden versieht;

q) jeder Gasometer, welcher sich in einem Gebäude befindet, muß mit einer Röhre versehen seyn, wodurch allenfalls in Ueberschuß vorhandenes Gas über das Dach des Gebäudes geschafft wird; befindet sich der Gasometer im Freien, so kann die Röhre durch vier Oeffnungen von 1 oder 2 Centimeter Durchmesser ersetzt werden, die man 8 oder 10 Centimeter über seinem untern Rand, gleichweit von einander entfernt, anbringt;

r) in Kellern dürfen nur solche Gasometer angebracht werden, welche höchstens 10 Kubikmeter fassen und nicht mit den Retorten in Verbindung stehen. Diese Keller müssen ausschließlich für die Gasometer bestimmt seyn und gehörig ventilirt werden, mittelst zweier Oeffnungen, wovon die eine nahe am Boden des Kellers, die andere im höchsten Theil des Gewölbes angebracht ist; über letzterer Oeffnung muß eine Zugröhre angebracht werden, welche über die Firste des Hauses) hinausreicht;

s) die erste Füllung eines Gasometers darf erst dann vorgenommen werden, wenn es sich bei der Untersuchung desselben in Gegenwart der Sanitätspolizei herausgestellt hat, daß er ganz gut construirt ist;

t) die tragbaren Behälter für comprimirtes Gas müssen aus Kupfer- oder Eisenblech gefertigt werden und sind bei einem doppelt so starken Druck zu probiren, als sie bei dem täglichen Gebrauch auszuhalten haben;

|75|

u) das Gas darf nur in vollkommen reinem Zustande den Consumenten abgeliefert werden. (Bulletin de la Société d'Encouragement, Jan. 1846, S. 26.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: