Titel: Ueber die Darstellung reinen Eisens auf galvanoplastischem Wege.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 3 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi01_3

Ueber die Darstellung reinen Eisens auf galvanoplastischem Wege.

Hr. Walter bemerkte in der Sitzung der Société d'Encouragement (zu Paris) am 4 Februar d. J., daß ihm Hr. Boch-Buschmann zu Siebenbrunnen bei Saarbrücken am 19. und 28. Januar zwei Briefe geschrieben habe, deren Inhalt er der Gesellschaft mittheilen möchte. In seinem ersten Briefe meldet er, daß es nun Hrn. Liett vollkommen gelungen sey, mittelst des galvanoplastischen Verfahrens eine eiserne Platte auf einer kupfernen Matrize hervorzubringen. Hr. Boch hält diese Entdeckung für sehr wichtig, weil man nun nicht mehr auf Stahl zu graviren braucht, was z.B. für geographische Karten ein ungemeiner Vortheil ist.

Hr. Boch, welcher in einem Journal gelesen hatte, daß man sich in Deutschland mit diesem Verfahren beschäftigt, aber den Zweck noch nicht erreicht hat, überschickt eine kleine Platte aus seinem Apparat, um sich das Eigenthumsrecht als erster Erfinder zu sichern, indem er bemerkt, daß diese Platte Fehler hat, in Folge von Quecksilberkügelchen, welche während der Operation darauf fielen. Er zeigt an, daß er mit Hrn. Liett beschäftigt ist sehr große derartige Platten darzustellen, welche vollkommen gelingen und die er der Gesellschaft vorzulegen beabsichtigt.

In seinem zweiten Brief vom 28. Januar bemerkt Hr. Boch, daß es ihm sehr schmeichelhaft gewesen sey, die Ansicht des Hrn. Gay-Lussac über sein Erzeugniß zu vernehmen, woraus er zugleich schließen müsse, daß man bisher noch keine eisernen Platten auf galvanischem Wege hervorgebracht habe. Hr. Boch fügt bei, daß sein präcipitirtes Eisen eine ganz eigentümliche Textur habe; es ist ein krystallisirtes Eisen, welches viel härter als gewöhnliches Eisen ist, eine schätzbare Eigenschaft für die gravirten Platten.

Hr. Walter hatte sich mittelst eines Tropfens Salpetersäure überzeugt, daß die Platte porös ist; und die HHrn. Boch und Liett haben sie durch einen Tropfen Quecksilber probirt. Es scheint, daß sich das Quecksilber mit diesem Eisen amalgamirt; aus demselben Grunde glaubt Hr. Boch, daß es leicht wäre, dasselbe mit Kohlenstoff zu verbinden, um daraus guten Stahl zu machen; es wird ohne Zweifel leicht seyn, die so erhaltenen Eisenplatten zu cementiren und zu härten. Man könnte solches Eisen billig für die elektrischen Telegraphen und die elektromagnetischen Kraftapparate liefern.

Hr. Dumas äußert sich dahin, daß die Mittheilung des Hrn. Boch sehr interessant sey und erklärt, daß er über die Fällung des Eisens auf galvanischem Wege ebenfalls Versuche angestellt habe, deren Resultat er jedoch nicht habe bekanntmachen wollen, aus Furcht den Fälschern das Mittel zu liefern, die Münzstempel nachzumachen. (!) Da nun aber Jedermann nach Art des Hrn. Boch durch galvanische Fällung von Eisen die Matrizen der Münzen copiren und sie hierauf stählen könne, so sey über diese Frage keine Rückhaltung mehr zu beobachten; das Verfahren, welches ihm die genügendsten Resultate gegeben habe, sey die Zersetzung des Eisenchlorürs durch Elektricität.

Hr. Colmond machte den Vorschlag, einen Preis für die Entdeckung eines Verfahrens auszuschreiben, wodurch so erhaltene eiserne Gegenstände wohlfeil und gut und ohne alle Verunstaltung gestählt werden können.

Hr. Silvester äußert sich über die Nothwendigkeit reines Eisen zur Construction elektromagnetischer Apparate darstellen zu können.

Bei dieser Gelegenheit erinnert Hr. Dumas an die Zersetzung des Eisenchlorürs durch Wasserstoff; er betrachtet es als nicht unwahrscheinlich, daß das gegenwärtige Verfahren Stabeisen zu bereiten, wobei man einen Abfall von 20–25 Proc. Metall erleidet, sich mit Vortheil durch das neue Verfahren ersetzen ließe. Das auflösliche Eisenchlorür kann man mit geringen Kosten durch Auflösen von Gußeisen in Salzsäure erhalten, und über die ganze Behandlung verdienen Versuche in großem Maaßstabe angestellt zu worden, um über den Vortheil der Stabeisenfabrication nach diesem Verfahren ins Reine zu kommen. Hr. Dumas erwähnt auch der |76| Versuche, welche Hr. Peligot über diesen Gegenstand angestellt hat.) (Bulletin de la Société d'Encouragement, Febr. 1846, S. 96.)15)

|76|

Die Eisenplatten, welche Dr. R. Böttger aus galvanoplastischem Wege erhielt, besaßen eine solche Sprödigkeit, daß ihm ihre Anwendbarkeit zu technischen Zwecken nicht wahrscheinlich erschien; man vergleiche seine Abhandlung im polytechnischen Journal Bd. LXIX S. 296.

A. d. R.

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