Titel: Kunstdruck ohne Presse des Malers Wenng.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 8 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi01_8

Kunstdruck ohne Presse des Malers Wenng.

Der württembergische Maler Wenng sagt über seine neue Erfindung: „Ein Blatt welches in dieser Art gemacht ist, erscheint für den Kunstkenner ähnlich dem auf Kupfer in Schwarzkunst, etwas von der Aquatinte enthaltend und hie und da von der Kreide im Steindruck das Körnichte besitzend. Betrachtet man es aber näher, so ist wieder von allem diesem nichts Gleiches, vielmehr es übertrifft diese drei oben genannten Arten, nähert sich der Handzeichnung mit schwarzer Kreide. In dieser Kunst kann alle beliebige Größe, vom Miniatur bis zu lebensgroßem Carton, dargestellt oder gedruckt werden. Es bedarf weder Kupfer noch Stein, noch irgendeine andere Art Platte. Es wird unmittelbar aufs Papier gebracht ohne Presse. Jeder Künstler kann, wenn die Methode bekannt ist, durch leichte Anweisung erlernen sein Werk selbst zu vervielfältigen, und hat nicht die geringste Beihülfe anderer nöthig. Je geschickter derselbe ist im Zeichnen und Malen, desto mehr wird der Druck von ihm Charakter und Styl und Eigenthümlichkeit beibehalten. Es bedarf so wenig schwarze Farbe daß das Geschäft im reinlichsten Zimmer, ohne Spuren oder Flecken zurückzulassen, auf jedem Tische mit reinbleibenden Händen verfertigt werden kann. Das ganze Geräthe geht in ein kleines Kistchen. Man kann in einer Stunde aus dem Spiegel sein eigenes Bild oder das einer andern Person etwa halbe Hand groß ein-, zwei- bis sechsmal drucken, je nachdem es minder oder mehr vollendet, oder in dunkelm oder hellem, oder in gar keinem. Grunde begehrt wird. Ein Bildniß in der Höhe von einem Schuh mit der Vollendung des vorzüglichsten Kupferstichs, oder nach demselben, oder nach einem Gemälde, kann in einer bis vier Stunden fertig werden. Jeder Gegenstand, historische Bilder, Landschaften und Porträts, kann mit gleicher Leichtigkeit, nur in verschiedener Zeit gemacht werden. Ein zeichnender Künstler allein kann produciren in dieser Kunst. Ein Nichtzeichner kann damit nichts machen Der Abdruck ist unmittelbar in dem Augenblick nach der Vollendung zum Verkaufe fix und fertig. Die Druckschwärze sitzt fest und läßt nichts ab auf etwa darauf liegendes Papier. Nach jedem Druck kann an den einzelnen Stellen des Gegenstandes geändert werden zum Vortheil für den nächsten. Es können so viel oder so wenig als man will Abdrücke gemacht werden, ohne die Kosten zu vermehren auf Rechnung der wenigen, wie bei Kupfern oder Lithographien der Fall ist. Die Zahl aber wie viel man drucken kann mit immer gleicher Kunstgüte, hat keine Gränzen.“ Hr. Wenng hat von seiner Erfindung im Locale des Kunstvereins zu Stuttgart unter Controle Proben abgelegt, und Blätter die er auf seine neue Art producirte sind bei ihm zu sehen. (Allg. Ztg.)

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