Titel: Ueber den Jodgehalt der käuflichen Salpetersäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 7 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi02_7

Ueber den Jodgehalt der käuflichen Salpetersäure.

Bekanntlich kömmt in neuerer Zeit aus Südamerika eine große Masse salpetersaures Natron in den Handel. Dieses Salz zieht Feuchtigkeit aus der Luft an und ist deßhalb zur Bereitung des Schießpulvers untauglich, auch brennt ein daraus bereitetes Pulver viel langsamer ab, als Kalisalpeter haltendes. Dagegen läßt es sich zur Bereitung der Salpetersäure anwenden, und die weiße käufliche Salpetersäure ist aus diesem Salz bereitet. Sein Vorkommen in jenen Gegenden ist höchst interessant. Es findet sich in Tapa-Caca, der südlichsten Provinz Peru's, welche einen Theil der großen Wüste Atacama ausmacht. Obgleich diese von dem stillen Ocean bespült wird, so fällt doch daselbst niemals Regen, und die Hitze ist so außerordentlich groß, daß viele Saumthiere, welche man zum Transport des Salzes an die See benutzt, unter Wegs zu Grunde gehen, und in jenem glühenden Sande zu Skeletten eintrocknen. Die ausgedehnte Ebene, in welcher sich jenes Salz findet, ist ungefähr 3000–3500' über dem Meere erhaben. Ihr Boden besteht aus Thon und Sand, gemischt mit Kochsalz, salpetersaurem Natron und schwefelsaurem Natron, er ist außerdem bedeckt mit Trümmern von Conchylien und entbehrt, der außerordentlichen Dürre wegen, jede Vegetation. Das Hauptvorkommen des Salzes aber ist längs einer niedern, an die Anden sich anlehnenden, aus Kalk und Gyps bestehenden Gebirgskette, in einer Längenerstreckung von beiläufig 150 Stunden. Hier findet sich auf der Oberfläche Flugsand mit Muscheltrümmern gemischt, sodann eine nur wenige Zoll mächtige Lage von Mergel, hierauf eine, einen Fuß mächtige Steinsalzlage, und endlich das salpetersaure Natron in der Mächtigkeit von 2–3', welches seinerseits auf muschelhaltendem und salzigem Mergel ruht. Das rohe Salz enthält ungefähr 20–75 Proc. reines Salz, und wird durch Lösen in Wasser und Umkrystallisiren von den fremden Beimischungen an Ort und Stelle möglichst befreit. Es ist verunreinigt mit schwefelsaurem, salzsaurem und etwas kohlensaurem Natron, auch enthält es Spuren von Jodnatrium. Dieses Jod nun findet sich in der käuflichen Salpetersäure wieder, und man braucht dasselbe nur mit Potasche zu sättigen, hierauf den Salpeter herauskrystallisiren zu lassen, so läßt sich dieses Jod in der Mutterlauge mit Leichtigkeit nachweisen.

Der Handel mit diesem Salz hat in der letzten Zeit bedeutend zugenommen, und wird sich gewiß immer mehr heben wegen dessen Nützlichkeit und Wohlfeilheit. Schon im Jahre 1837 wurden aus dem Hafen Iquique 150,000 Cntr. ausgeführt.

Ueber die Entstehung einer so erstaunlichen Masse jenes salpetersauren Salzes ist man noch im Zweifel. Höchst wahrscheinlich bildete es sich nach dem Austrocknen des Meeres, welches einst unzweifelhaft jenen Boden bedeckte, und welches Austrocknen durch allmähliche Hebung jener ganzen Landesstrecke bewirkt wurde. Die in diesem See lebenden Thiere gingen hiedurch zu Grunde, und ihr Stickstoffgehalt wurde bei Gegenwart der im Wasser gelösten alkalischen Substanzen, des kohlensauren Natrons, Kalks u.s.w. zur Bildung des salpetersauren Salzes verwandt. Dr. L. Posselt in Heidelberg. (Mannheimer Gewerbvereins-Blatt, 1846 Nr. 5.)

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