Titel: Ueber einen künstlichen Dünger, welcher von den Landwirthen selbst bereitet werden kann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 10 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi03_10

Ueber einen künstlichen Dünger, welcher von den Landwirthen selbst bereitet werden kann.

Von gewöhnlichem Stallmist der Oekonomen sind zum Düngen einer Hektare 60,000 Kilogr. erforderlich; bei dem neuen Verfahren, welches der landwirtschaftlichen Gesellschaft zu London mitgetheilt wurde, reduciren sich diese 60,000 Kilogr., welche nach sechs Monaten noch 60–70 Proc. Wasser enthalten, auf 10,000 Kilogr., und diese reichen sogar hin um mit Ersparniß an Transportkosten fünf Hektaren Land oder Wiesen zu düngen.

Diese fünf Hektaren Land werden per Hektare beiläufig um ein Fünftheil mehr Getreide geben, als wenn sie mit dem gewöhnlichen Mist der Landwirthe gedüngt worden wären.

Aecker und Wiesen, welche zwei Jahre nacheinander mit diesem Dünger gedüngt wurden, brauchen im dritten Jahre um die Hälfte weniger davon als in den beiden ersten Jahren.

Die Bereitung dieses Düngers, welcher sich in Zeit von sechs Monaten in Dungerde verwandelt, kostet beiläufig 6 Pfd. St. per 10,000 Kilogr., also ungefähr 1 Pfd. Sterl. per Hektare oder 2 1/2 Acres.

Erklärung des Verfahrens. Die meisten Oekonomen lassen ihren Stallmist dem Regen ausgesetzt; die wenigsten bedecken ihn mit Erde, wodurch er einigermaßen geschützt wird. Durch das neue Verfahren wird:

1) der Dünger vollkommen gegen Regen geschützt, indem man die ganze Oberfläche des Dunghaufens mit einer Schicht Theer, der mit Kalk verbunden ist, überzieht;

2) man sammelt die Flüssigkeit des Mistes, welche gewöhnlich in den Boden einsickert und verloren geht, indem man die Dunghaufen auf einem geneigten und mit hydraulischem Kalk überzogenem Mauerwerk errichtet)

3) man vermeidet die faulen Ausdünstungen und erhöht den Gehalt des Düngers an Stickstoff, indem man das Innere der Dunghaufen mittelst gußeiserner Röhren, die in dem Haufen angebracht sind, durch eine tragbare Pumpe, die mit hanfenen Röhren verbunden ist, mit verschiedenen dazu geeignete Flüssigkeiten begießt, welche bei der Landwirthschaft in hinreichender Menge gewonnen werden;

4) man beschleunigt die Gährung des Mists und seine Verwandlung in Dungerde, indem man durch die Haufen gußeiserne Röhren legt, welche mittelst Dampf auf 15 bis 18 Grad erhitzt werden, wozu ein Dampfkessel, welcher 2 bis 3 Pfd. Sterl. kostet, hinreicht.

5) Endlich taucht man die Samen vor dem Säen in eine Auflösung von Leim (Gallerte) und Stärkmehl, welche mit viel Salzwasser verdünnt ist, und bestreut sie hierauf mit der nach dem neuen Verfahren erhaltenen Dungerde.

Bemerkungen. – Der Guano aus Afrika oder Peru, welcher bis jetzt als der beste Dünger betrachtet wird, hat im Vergleich mit diesem neuen Dünger mehrere Uebelstände; da er ziemlich viele auflösliche Substanzen enthält, so werden dieselben durch reichlichen Regen dem Boden wieder entzogen; dadurch geht der wirksame Bestandtheil dieses Düngers für die Vegetation verloren, auch zerstreuen sich mehrere seiner Bestandtheile wegen ihrer Flüchtigkeit bei trockener Witterung in der Atmosphäre.

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Dr. Ryan, Professor an der Londoner Universität, überzeugte sich durch eine chemische Analyse, daß der neue Dünger (sogenannte brittische Guano) an fruchtbarmachenden Bestandtheilen fast zweimal so viel enthält, als der Guano aus Afrika oder Peru. (Moniteur industriel, 1846 Nr. 1024.)

Wir verweisen auf Evan's Patent S. 214 in diesem Heft des polytechnisches Journals.

Die Redact.

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