Titel: Ueber die Vertheilung des Goldes im Bett des Rheins und die Gewinnung des Metalls daraus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 4 (S. 242–244)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi03_4
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Ueber die Vertheilung des Goldes im Bett des Rheins und die Gewinnung des Metalls daraus.

Das Bett des Rheins ist, wenigstens zwischen Basel und Mannheim, mit wenigen Ausnahmen goldhaltig. Ich habe durch eine Reihe von Versuchen genau bestimmt, wie die kleinen Flimmer dieses Metalls sich jeden Tag in den Anschwemmungen vertheilen, welche der Fluß bildet; so daß es a priori möglich ist, sogleich die reichsten goldhaltigen Zonen anzugreifen.

Der Kies, welchen man in der Regel auswaschen kann, ist solcher, welcher sich in einiger Entfernung stromabwärts von einem Ufer oder einer Kiesinsel absetzte, die der Strom angreift und welcher das Product dieses Ausspülens ist. Das Gold ist nur stromaufwärts dieser Bänke, in der Mitte des groben Kieses und auf eine sehr geringe Dicke, welche selten über 15 Centimeter beträgt, concentrirt. Die Flimmer sind immer von Titaneisen begleitet, dessen Menge regelmäßig dem Goldgehalt proportional ist, und in dem Sand von 0,00002 bis 0,0002 variirt.

Außerhalb des gegenwärtigen Flußbetts findet man das Gold noch in den alten Ablagerungen des Flusses, welche eine 4–5 Centimeter breite Zone bilden. Ich fand aber niemals die geringste Spur dieses Metalls in dem feinen Sand, welchen der Rhein täglich bei seinem Steigen oder Anlaufen absetzt.

Beim Verwaschen von Kies, den ich auf Gerathewohl aus dem Bett des Rheins nahm und welchen die Goldwäscher als gehaltlos betrachten, fand ich, daß solcher Kies gewöhnlich einen Gehalt von 8 Billionsteln hat. Diese Ziffer scheint mir auch nach zahlreichen Versuchen für den mittleren Gehalt des Flusses bei Rheinau und Philippsburg angenommen werden zu müssen. Der Sand, welchen man verwascht, hat gewöhnlich einen Gehalt von 13–15 Hundertmillionsteln; sehr selten übersteigt er 7 Zehnmillionstel. Der Rhein concentrirt also durch das zeitweise Umarbeiten seines Kieses das Gold an gewissen Stellen im Verhältniß von 1 zu 70.

Die Flimmer sind immer sehr dünn, denn es gehen davon 17–22 auf einen Milligramm; 1 Kubikmeter enthält 4500–36,000 dieser Flimmer.

Vergleicht man den Goldgehalt des Rheinsandes mit demjenigen des Sandes, welchen man in Sibirien und Chili verwascht, so findet man, daß er den letzteren bedeutend nachsteht. Der Sand in Sibirien liefert fünfmal und derjenige in Chili wenigstens zehnmal mehr Gold, als der ergiebigste Kies des Rheins, so daß sich der durchschnittliche Gehalt des Goldsandes in diesen drei Ländern wie die Zahlen 1, 10, 37 verhalt. In Sibirien betrachtet man einen Sand, welcher 0,000001 Gold enthält, als nicht verwaschbar und doch ist dieser Gehalt 7 1/2 mal so groß als derjenige des Rheinsandes, welchen man verwascht.

Obgleich der Goldgehalt des Rheinbetts Vergleichungsweise sehr gering ist, so ist doch das Gesammtquantum des in diesem Kies vergrabenen Goldes beträchtlich. Nimmt man nämlich wie oben einen Gehalt von 8 Billionsteln an, so enthält ein Kubikmeter gewöhnlichen Kieses, welcher 1800 Kilogr. wiegt, 0,0146 Gramme Gold. Der goldhaltige Streifen zwischen Rheinau und Philippsburg, welcher 4 Kilometer breit, 123 Kilometer lang und 5 Meter tief ist, enthält also 35916 Kilogr. Gold32) welche – das Kilogr. zu 3189 Francs gerechnet – einen Werth von 114 Millionen Francs ergeben. Außerhalb dieser beiden Gränzen ist das Bett des Flusses weniger reich. Berücksichtigt man diesen Umstand so viel als möglich, so ergibt sich als annähernder Gehalt der Rheinebene zwischen Basel und Mannheim ein Gesammtgehalt von 52,000 Kilogr. Gold.

Diese Quantität Gold ist sehr beträchtlich, wenn man sie mit der jährlichen Ausbeute vergleicht, welche nur einen Werth von beiläufig 45,000 Frcs. hat. Uebrigens sind über zwei Drittheile dieses Goldes im Kies zerstreut, welcher mit angebautem |244| Land bedeckt ist und durch die Correction des Flusses wird auch täglich die Ausdehnung der benutzbaren Anschwemmungen mehr beschränkt.

Bei dem gegenwärtigen Verfahren gewinnt ein Wascher durchschnittlich 1 1/2 bis 2 Francs täglich und zufällig 10–15 Francs. Einzelne Operationen bei dieser Methode sind auch noch der Verbesserungen fähig: so geschieht das Verwascheen von Hand, während man einige Schritte vor sich den Rhein als Triebkraft hat, den man mittelst einer Art Ausräummaschine benutzen könnte, um die obere reiche Kiesschicht abzuheben und auf den Waschtisch zu schaffen. C. Daubrée, Bergwerksingenieur und Professor an der Universität zu Straßburg. (Moniteur industriel, 1846, Nr. 1025.)

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Diese Quantität Gold ist folgendermaßen vertheilt:

Departement des Unterrheins13,870 Kilogr.
Großherzogthum Baden17,948 „
Rheinbayern 4,088 „

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