Titel: Einfaches Mittel, um sogenanntes hartes Wasser für manche technische Zwecke anwendbarer zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 9 (S. 246–247)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi03_9

Einfaches Mittel, um sogenanntes hartes Wasser für manche technische Zwecke anwendbarer zu machen.

Für Brauereien, Branntweinbrennereien, Färbereien, Waschanstalten, Bleichereien u.s.w., wo man vielleicht lediglich nur auf Quell- oder Brunnenwasser angewiesen ist, führt der Kalkgehalt dieses Wassers nicht selten die größten Nachtheile mit sich; es dürfte daher erwünscht seyn, ein einfaches und wohlfeiles Mittel kennen zu lernen, wie diesem Uebelstande abzuhelfen sey. Der Engländer Clark hat vor nicht langer Zeit auf ein solches Mittel aufmerksam gemacht und durch Versuche dargethan, daß man hartes Wasser, ohne es vorher längere Zeit zum Kochen zu bringen, vollständig von seinem Kalkgehalt befreien könne.34) Sein Mittel besteht ganz einfach darin, daß man dem harten Wasser gerade so viel gebrannten oder Aetzkalk zusetzt, als der darin gelöste doppeltkohlensaure Kalk Kalkerde enthält. Hat nämlich der Kalkstein oder der rohe kohlensaure Kalk durch Brennen seine Kohlensäure verloren, ist er also, wie man zu sagen pflegt, ätzend gemacht und er wird in diesem Zustande in Wasser gebracht, welches doppeltkohlensauren Kalk oder, was ziemlich dasselbe ist, neutralen kohlensauren Kalk gelöst in freier Kohlensäure enthält, so entzieht dieser hinzugesetzte Aetzkalk dem Wasser die freie Kohlensäure oder denjenigen Antheil der Kohlensäure, welcher den neutralen kohlensauren Kalk in Auslösung erhält, es muß mithin der ganze Kalkgehalt des Wassers, da neutraler kohlensaurer Kalk in Wasser unlöslich ist, als neutrale kohlensaure Kalkerde oder Kreide sich abscheiden. Hat man demnach ein solches mit Aetzkalk behandeltes hartes Wasser einige Zeit, etwa ein paar Stunden, ruhig stehen gelassen, so wird man finden, daß alle ausgeschiedene kohlensaure Kalkerde, wenn sie auch noch so fein und suspendirt erschien, sich zu Boden gesetzt haben wird, und daß man durch bloßes Abgießen oder durch Abziehen mittelst eines einfachen Hebers oder erforderlichenfalls durch Filtration durch eine Sandschicht das Wasser von dem gebildeten Absatze wird trennen können. Nur einige wenige Versuche werden erforderlich seyn, um zu ermitteln, wie viel gebrannter Kalk (der zu diesem Zweck frisch gelöscht, d.h. durch Besprengen mit Wasser in staubtrockenes Kalkhydrat verwandelt seyn muß) bei einer gewissen Quantität harten Wassers hinzuzusetzen seyn müsse, damit alle freie Kohlensäure gebunden werde, denn man darf durchaus nicht mehr Kalk hinzufügen, als eben nöthig ist, indem der reine oder Aetzkalk bekanntlich selbst im kohlensäurefreien Wasser löslich ist. Man erkennt dieß sehr leicht daran, daß solches Wasser, wenn man mit einer Glasröhre Luft, die man ausathmet, einige Zeit lang durch dasselbe hindurchzugehen genöthigt hat, sich trübt. Die aus den Lungen ausgestoßene Luft enthält bekanntlich Kohlensäure, welche, indem sie ausgeathmet und durch den im Wasser ausgelösten kaustischen Kalk hindurchgeleitet wird, sich mit diesem Kalke verbindet und als unauflösliche neutrale kohlensaure Kalkerde sich ausscheidet. Wenn sonach die richtige Menge Kalkhydrat, die in allen |247| Fällen nur äußerst gering seyn wird, dem harten Wasser zugesetzt worden, so darf ein solches Wasser die Farbe weder des gerötheten, noch des blauen Lackmuspapiers im mindesten verändern und beim Einblasen von ausgeathmeter Luft sich nicht trüben. Hienach ist es also ganz leicht, die richtige Menge Kalkhydrat zu treffen, die nöthig ist, um allen kohlensauren Kalk aus dem Wasser zu entfernen. Ein so gereinigtes Wasser eignet sich ganz vortrefflich zum Waschen, zum Brauen u. dergl., keineswegs aber zum Trinken, denn dasselbe schmeckt äußerst fade, weil es nunmehr jede Spur von Kohlensäure, die bekanntlich zum Wohlgeschmack viel beiträgt, verloren hat. (Böttger's polytechnisches Notizblatt.)

|246|

Man vergl. die Patentbeschreibung im polytechn. Journal Bd. LXXXIII S. 193.

A. d. R.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: