Titel: Verbesserte Essigbereitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 11 (S. 420–421)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi05_11

Verbesserte Essigbereitung.

Die HHrn. C. Leuchs und Comp. in Nürnberg zeigen an, daß sie den Verkauf eines Verfahrens Essig zu bereiten, welches von einem Essigfabrikanten ausgeht, der es schon seit mehreren Jahren ausübt, übernommen haben; nach der Angabe des Erfinders ist man nach der neuen Art im Stande, den Essig auf eine viel einfachere, weniger kostspielige und mühevolle Weise als bisher und bei Anwendung einer gleichen Menge Geistes, oder Zuckergehaltes, gegen andere Methoden stärker zu erzeugen; damit soll sich noch die Möglichkeit vereinigen, den Essig ohne Umstände in concentrirtem Zustand herstellen zu können.

Die Schnellessigfabrication bietet bei allen ihren Vorzügen in der Praxis mehrere Mängel dar, nämlich 1) die bedeutende Verflüchtigung von geistigen und Essigtheilen, welche zwar vermindert werden kann, aber in der Regel nicht vermieden wird, daher sich die Nähe einer Essigfabrik dem Vorübergehenden häufig schon durch den Geruch kund gibt (und wie viel Essig geht nicht verloren, wenn die Atmosphäre beständig mit Essigdampf erfüllt ist); 2) die Schwierigkeiten, welche das bald zu schnelle, bald zu langsame Durchlaufen der Flüssigkeit, das Verschleimen der Siebböden und Späne, das Regeln des Luftstroms macht, der, wenn er zu schwach ist, die Säuerung aufhält, wenn er zu stark ist, zu viel geistige oder saure Theile entführt und daher Schwäche des Essigs verursacht; 3) die viele Handarbeit. Alle diese Mängel sollen bei dem neuen Verfahren durchaus beseitigt seyn.

Uebrigens bietet das fragliche Verfahren kein neues Princip dar, sondern beruht auf einem allbekannten, bisher aber noch nicht in der Schärfe angewandten. Die Ertragsberechnung bei diesem Verfahren welches keine andern Geräthe als ein Faß für die essiggebende Flüssigkeit und eines für den fertigen Essig erfordert – stellt sich im Vergleich mit der bisherigen Fabricationsart wie folgt:

  • A. Bei der ältern Art rechnet man, daß 100 Eimer Ansatzflüssigkeit binnen sechs Wochen 80 Eimer fertigen Essig liefern;
  • B. Bei der Schnellessigfabrication gibt ein Apparat von 6 Fuß Höhe täglich 1 1/2 Eimer, in sechs Wochen also 63 Eimer Essig.

Bei der neuen hier vorgeschlagenen Art erhält man mit der bei A angewandten Zahl Fässer in sechs Wochen 120 Eimer Essig, statt 80; also 40 Eimer oder 50 Procent mehr, und wenn man so viele Fässer anwendet, als bei B der Apparat kostet, 150 Eimer Essig, statt 63; also 87 Eimer mehr, erspart die Handarbeit, welche bei |421| der Schnellessigfabrication einen Arbeiter ganz in Anspruch nimmt, und erhält stärkeren Essig, weil die geistigen und sauren Theile nicht durch Luftzug entführt werden.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: