Titel: Ueber die Rolle, welche das Wasser überhaupt durch seinen Gehalt an Salzen in der Oekonomie spielt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 12 (S. 421)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi05_12

Ueber die Rolle, welche das Wasser überhaupt durch seinen Gehalt an Salzen in der Oekonomie spielt.

Eine scheinbar weitabstehende Untersuchung über die Fixirung der erdigen Bestandtheile in den Knochen lieferte Hrn. Boussingault Gelegenheit zu den wichtigsten Andeutungen über die Rolle, welche das Wasser durch seinen Gehalt an Salzen in der Landwirthschaft spielt. Boussingault nahm drei junge Ferkel unmittelbar nach der Geburt, das erste wurde sogleich getödet und der Gehalt an feuerbeständigen Salzen in seinem Skelett bestimmt. Die beiden andern Ferkel, welche bei der Geburt genau dasselbe Gewicht hatten, wurden während acht Monaten mit gewöhnlichem Schweinefutter ernährt, dann das zweite geschlachtet, und wie bei dem ersten der Gehalt seines Skelettes an Asche bestimmt. Das dritte überbleibende wurde endlich während drei Monaten nur mit in Wasser verrührten Kartoffeln gefüttert und dann eben so behandelt wie die beiden andern Die Kartoffeln, die es verzehrte, das Wasser, welches es soff, seine Excremente wurden genau gewogen während dieser Zeit und der Aschegehalt aller dieser Stoffe bestimmt. Aus der Analyse des zweiten Ferkels hatte sich ergeben, daß in den ersten acht Monaten nach der Geburt ein Schwein im Durchschnitt 2,4 Gramme Phosphorsäure und 2,8 Gramme Kalk täglich bedarf, während nach dieser Periode, wo das Skelett sich besonders festigt, täglich nur 1,4 Phosphorsäure und 1,6 Kalk fixirt werden. Allein die von dem dritten Schwein innerhalb der 93 Tage dauernden Kartoffelfütterung verzehrten 544 Kilogr. Kartoffeln enthielten im Ganzen nur 98 Gramme Kalk, während in dem Skelett 150 Gr. Kalk fixirt wurden, und durch die Excremente 116 Gr. Kalk abgegangen waren. Das Schwein hatte demnach in den drei Monaten 266 Gr. Kalk gebraucht und dennoch in seiner Nahrung nur 98 Gr. empfangen. Die fehlenden 168 Gr. Kalk mußte das Wasser liefern; trotz der großen Reinheit des Wassers von Bächelbrunnen (Boussingault's Landgut) konnten durch dessen Kalkgehalt dem Thier 179 Gr. Kalk zugeführt werden, mithin 11 Gr. mehr, als im Skelett gefunden wurden. Diese Thatsachen, so interessant sie an und für sich für die Physiologie sind, indem sie zeigen, daß der Organismus überall, wo er ihn nur finden kann, sich den Stoff zu seinem Gebäude zu verschaffen sucht, liefern Hrn. B. die Anhaltspunkte zu weitern Schlüssen. Er zeigt, daß die Brunnen von Bächelbrunnen jährlich seinem Vieh etwa 1000 Kilogr. Kalk, Magnesia mit Kochsalz zuführen; daß alle diese den Pflanzen so nöthigen Stoffe von dem Vieh, lebendigen Filtrirmaschinen, aufgenommen und dem Dünger zugeführt werden, und so weist er, die Wage in der Hand, nach, welchen Einfluß nothwendig der Salzgehalt verschiedener fließenden Wasser auf die Vegetation haben muß, und wie es dem Oekonomen nicht gleichgültig seyn kann, ob er ein Wasser von dieser oder jener Beschaffenheit auf seine Aecker und Wiesen leitet, am Brunnen von dieser oder jener Zusammensetzung sein Vieh tränkt. (Augsb. Allg. Ztg.)

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