Titel: Ueber die relative nährende Kraft des grünen und dürren Futters.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 14 (S. 423)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi05_14

Ueber die relative nährende Kraft des grünen und dürren Futters.

Man glaubt ziemlich allgemein, daß dieselbe Quantität Klee, oder anderes grünes Viehfutter weit nährender sey im frischen Zustand, als wenn es in Heu umgewandelt wurde; nach Hrn. Boussingault ist dieß ein Irrthum; seine Versuche scheinen zu beweisen, daß das Heu sogar nährender sey als die Quantität grünes Futter, aus welchem es hervorgegangen. Es ist demnach ein unnützer Luxus, Tag für Tag hinauszufahren und frischen Klee zum Futter zu holen, statt in einemmal den Klee abzumähen und nachher als Heu zu verfüttern; das Resultat für das Vieh bleibt dasselbe, und die Zeitersparniß ist der Gewinnst für den Landmann. Boussingault's Versuche hierüber sind, wie immer, mit jener sorfältigen Genauigkeit angestellt, die der Chemiker in seine Experimente bringen muß. Es genügte nicht, einmal für allemal zu bestimmen, wie viel Wasser und flüchtige Stoffe der Klee beim Trocknen verliere; denn es zeigte sich, daß das Heu außerordentlich hygroskopisch sey, und das Verhältniß desselben zum grünen Futter deßhalb sehr wechsle. Die täglich zum Futter bestimmte Quantität Klee wurde aus diesem Grunde gewogen und in zwei gleiche Hälften getheilt; die eine Hälfte ward grün verfüttert, die andere Hälfte getrocknet und als Heu bewahrt. So wurde nun das vorher abgewogene Thier (Rinder) mit gewogenen Mengen grünen Klees während einer gewissen Zeit gefüttert und die entsprechenden Heuquantitäten zurückgelegt. Nach Verlauf der Versuchszeit wurde das Thier von neuem gewogen und bestimmt, ob es durch die Fütterung zu- oder abgenommen habe. Sodann wurde die zweite Versuchsweise in derselben Art mit dem trockenen Heu vorgenommen und ebenfalls nach Beendigung derselben das Gewicht des Thieres bestimmt, das nicht abgenommen, sondern eher sich vermehrt hatte. Die Versuche sind noch nicht zahlreich genug, um diesen Vorzug des trockenen Heues definitiv zu beweisen; jedenfalls aber genügen sie, um darzuthun, daß eine Quantität Futter wenigstens dieselbe nährende Kraft habe, sie mag nun als Heu oder grün verwendet werden. (a. a. O.)

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