Titel: Entdeckung einer natürlichen, nicht vulcanischen Puzzolane im Departement der Ardennen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 3 (S. 414–415)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi05_3

Entdeckung einer natürlichen, nicht vulcanischen Puzzolane im Departement der Ardennen.

Hr. Sauvage, Bergwerks-Ingenieur, hat zuerst auf das Vorkommen der Lagerung eines Gesteines aufmerksam gemacht, welches im Departement der Ardennen unter dem Namen Gaize oder todtes Gestein bekannt ist. Dasselbe findet sich am Grunde der Kreideformation und bedeckt die Thone des Gault; seine Mächtigkeit beträgt ungefähr 100 Meter im Süden des Departements. Es ist von blaßgrauer, etwas grünlicher Farbe, sehr zerklüftet und kann deßhalb zu Bauwerken, welche dem Wechsel der Witterung ausgesetzt sind, nicht angewandt werden; überdieß ist es sehr weich. Nach Sauvage ist es folgendermaßen zusammengesetzt:

|415|
feiner Quarzsand 17,00
grüner sehr feiner Sand (Chlorit) 12,00
Thon 7,00
gallertartige Kieselerde 56,00
Wasser 8,00
–––––––
100,00.

Die große Menge gallertartiger Kieselerde, welche dieses Gestein enthält, ließ mich annehmen, daß es, in feines Pulver verwandelt, mit fettem Kalk als eine Puzzolane sich vereinigen würde.

Ich konnte diese Annahme an einigen beträchtlichen Stücken bestätigen, welche der Oberingenieur der Ardennen, Lemoyne, mir mittheilte, und in der That verhält sich das Pulver der Gaize wie eine wahre natürliche Puzzolane, welche an manchen Orten um so wichtigere Dienste leisten kann, als man sie zu einem sehr niedrigen Preise erhalten kann. Noch mehr, wenn die Sandlager, welche aus der Verwitterung dieser Gaue entstehen und sich an der ganzen Länge des steilen Abhanges hinziehen, welchen dieß Gestein im Arrondissement de Bouziers bildet, nicht durch Regenwasser einen Theil der gallertartigen Kieselerde verloren haben, so müssen dieselben unmittelbar als Puzzolanen angewandt werden können.

Bei einem sehr entscheidenden Versuche mengte ich 100 Gewichtstheile Gaizepulver mit 20 Gewichtstheilen gebranntem, zuvor gelöschtem Kalk und der entsprechenden Wassermenge zur Consistenz eines guten Mörtels; die Anwendung des Gemenges, welches unmittelbar unter Wasser gebracht wurde, erfolgte während 7 Tagen und die Vereinigung der Mischung war nach 50 Tagen, der gewöhnlichen Zeit, welche alle gebräuchlichen Puzzolanen erfordern, erfolgt.

Die Gaize gibt demnach das erste Beispiel einer natürlichen Puzzolane von nicht vulkanischem Ursprunge. Vicat. (Comptes rendus.)

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