Titel: Ueber Zinkographie (Zinkdruck).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 100/Miszelle 7 (S. 418–419)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj100/mi100mi05_7

Ueber Zinkographie (Zinkdruck).

Durch die in der letzten Zeit bekannt gewordene sogenannte anastatische Druckerei oder die Kunst Kupferstiche, Letterndruck etc. auf verschiedene Metalle, insbesondere Zink zu übertragen (polytechnisches Journal Bd. XCVII S. 231) ist eigentlich nur die Zinkographie wieder ausgerichtet worden.

Sennefelder, der Erfinder der Lithographie, hat darüber Versuche drei Jahre lang fortgesetzt; er ging aber wieder von der Sache ab, weil dabei das Verrücken der aufliegenden Filzplatte und bei lange andauerndem Drucken das Strecken der Zinkplatten, wodurch Buchstaben und Zeichnungen in die Länge gezogen werden, fast unvermeidlich sind. Die Schwärze aus Lampenschwarz und Leinölfirniß, wovon letzterer eine Consistenz haben muß, daß ein Tropfen zwischen den Fingern in einen 1 1/2 Zoll langen Faden sich ziehen läßt, muß mit einer Walze aufgetragen werden, die mit Kalbleder, von welchem die Fleischseite auswendig, überzogen ist.

Das Papier muß beim Ueberdrucken auf der Rückseite mit einem Wasser aus drei Theilen Regenwasser und einem Theile Salzsäure Wohl benetzt und die Zinkplatte erwärmt werden.

Diese Erfahrungen gingen aus Sennefelder's Versuchen vor mehr als 30 Jahren hervor.

Spätere Mittheilungen, welche wir hierüber durch einen Freund von Hrn. Käppelin, einen gebornen Schweizer und Besitzer einer ansehnlichen lithographischen Anstalt in Paris, erhalten haben, sind der Hauptsache nach mit dem Vorhergehenden übereinstimmend.

Nach Käppelin's Aeußerung ist die Zinkographie schon seit vielen Jahren ihrer großen Schwierigkeiten wegen gänzlich aufgegeben worden. Man wendet sie nur beim Ueberdrucke von Gegenständen an, für deren Umfang nicht hinreichend große Steine aufgetrieben werden können. Sie ist eine wahre Vexirarbeit, da das Zink entsetzliche Launen und Empfindlichkeiten hat, welche die Geduld des kaltblütigsten Arbeiters ermüden. Jede Berührung mit dem Finger gibt Flecken, ja selbst die Ausdünstung der Arbeiter soll darauf Einfluß haben.

Die autographische Tinte und Druckerschwärze sind nicht, wie man da und dort meint, von besonderem Belange und müssen nicht besonders zubereitet sehn, sondern die Hauptrücksichten, welche dabei zu nehmen sind, sind:

1) die Zinkplatte muß vollkommen eben und spiegelblank seyn;

2) das gesäuerte Wasser muß von eigenthümlicher Zubereitung und dem Zinke entsprechend seyn, und

3) das zu den Abdrücken dienende Papier muß recht gleichmäßig und Wohl genetzt seyn.

Das gesäuerte Wasser, dessen Zubereitung in den meisten zinkographischen Anstalten als Geheimniß betrachtet wird, soll nach folgender Vorschrift dargestellt werden:

1 Loth Galläpfelpulver wird mit 2 Pfd. Regenwasser bis auf ein Drittheil eingekocht, durchgesiehen und die Flüssigkeit mit einem Quentchen chemischreiner Salpetersäure von einer Stärke = 20° B. und 4 Tropfen Salzsäure vermischt. Nach der Mischung soll das Wasser eine Stärke von 2 1/2° an Baumé's Aräometer zeigen.

Bei dem Gebrauche muß dieses Wasser entweder mit Regenwasser noch verdünnt, oder durch Abdampfen in einer Porzellanschale auf einem warmen Ofen noch concentrirt werden, weil die Natur der Zinkplatten dasselbe bald schwächer bald stärker verlangt, wofür sich keine allgemeine Regel angeben läßt. Der Stärkegrad ist bald ausgemittelt, und man wird durch die Freude des außerordentlichen Gelingens der Abdrücke für die leichte Mühe reichlich entschädigt.

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Auf dieses Wasser legt Käppelin so viel Werth, als Sennefelder auf das Erwärmen der Zinkplatten gelegt hat. (Kunst- und Gewerbeblatt, Febr. 1846.)

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