Titel: Cundell, über Darstellung der Lichtbilder auf jodirtem Papier.
Autor: Cundell, George S.
Fundstelle: 1846, Band 102, Nr. XLII. (S. 227–229)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj102/ar102042

XLII. Ueber Darstellung der Lichtbilder auf jodirtem Papier; von G. Cundell.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Oct. 1846, S. 248.

Einige Eigenschaften des gallus-salpetersauren Silbers wurden schon von ihrem Entdecker, Fox Talbot, beschrieben, und sind hinreichend bekannt; die Verhältnisse jedoch seiner Bestandtheile und die Mittel wodurch man die Wirkung reguliren kann (welche man nothwendig kennen muß, um es mit Erfolg anzuwenden), wurden meines Wissens noch nicht veröffentlicht.80)

Trägt man eine Auflösung von salpetersaurem Silber auf jodirtes Papier auf, so wird die Oberfläche desselben für die Eindrücke des Lichts außerordentlich empfindlich, und wenn man der Auflösung Gallussäure zugesetzt hat, so wird die Empfindlichkeit auffallend größer.

Derartige Präparate zersetzen sich jedoch freiwillig ziemlich schnell, selbst bei Ausschluß des Lichts; man findet daher bei ihrer Anwendung, wenn man nach einer gewissen Zeit (einer längern oder kürzern, je nach der Stärke der Auflösung), ein Bild auf gewöhnliche Weise entwickeln will, daß die ganze Oberfläche, das Licht mag darauf gewirkt haben oder nicht, dunkel und gefärbt wird; solche Präparate scheinen daher für die Photographie wenig oder gar keinen Werth zu haben.

Durch Zusatz von etwas Essigsäure wird jedoch die freiwillige Zersetzung des Silbersalzes gehemmt; und wenn man die drei Bestandtheile im richtigen Verhältniß verbindet, kann man ein gallus-salpetersaures Silber von beliebiger Beständigkeit oder Empfindlichkeit herstellen. Ohne Zweifel können die Ingredienzien in vielen Verhältnissen mit gutem Erfolg verbunden werden; die von dem Erfinder ursprünglich angegebenen dürften jedoch die zweckmäßigsten seyn. Man darf jedoch nicht |228| vergessen, daß seine Vorschrift gewissen äußeren Bedingungen angepaßt ist, und wo diese verschieben sind, ebenfalls modificirt werden muß. Sie eignet sich nicht gleich gut für jedes Klima oder jede Lufttemperatur; und obgleich sie ganz zweckmäßig ist, um Papier zum unmittelbaren Gebrauch zu erregen, so ist sie es vielleicht weniger, wenn man das Papier aufzubewahren beabsichtigt; deßwegen schlugen so viele Versuche bei ihrer Anwendung fehl.

Ist zu wenig Essigsäure vorhanden, so wird die erwähnte freiwillige Zersetzung mehr oder weniger schnell stattfinden; und wenn das Papier nicht unverzüglich gebraucht wird, so geht der Eindruck bei der allgemeinen Färbung seiner Oberfläche verloren.

Ist hingegen die Essigsäure im Ueberschuß vorhanden, so zersetzt sich das Präparat nicht so leicht; das Papier wird zwar auch weniger empfindlich, es behält aber seine Weiße im erregten Zustand viel besser bei und kann selbst nach vielen Stunden mit Erfolg angewandt werden. Dadurch, daß man dem Präparat mittelst Essigsäure nach den Umständen eine größere oder geringere Beständigkeit verleiht, hat man seine Wirkung so ziemlich in der Gewalt.

Wenn man Talbot's gallus-salpetersaures Silber auf jodirtes Papier aufträgt, beginnt eine Wirkung, welche, wenn sie nicht sehr schnell aufgehalten wird, anstatt bloß die Oberfläche zu erregen, und für die Annahme des Lichteindrucks vorzubereiten, sie schnell verdunkeln und unbrauchbar machen wird. Höchst wahrscheinlich schrieb der Erfinder aus diesem Grund vor, daß man das Papier in Wasser tauchen soll; dadurch wird die Wirkung aufgehalten, indem das Silbersalz verdünnt und vielleicht neun Zehntheile desselben vom Papier entfernt werden. Bei diesem Verfahren bleibt es aber ganz ungewiß, wie weit die zerstörende Wirkung vorschritt und in welchem Grad das gallus-salpetersaure Silber verdünnt oder beseitigt wurde; es ist daher zweckmäßiger, jenes Silbersalz im verdünnten Zustand anzuwenden und das Eintauchen in Wasser ganz zu unterlassen.

Wird das gallus-salpetersaure Silber nur auf die zehnfache Verdünnung gebracht, so ertheilt es einen hohen Grad von Empfindlichkeit, aber in diesem Fall muß das Papier unmittelbar gebraucht werden; das Silbersalz kann auf das Vierzigfache verdünnt werden und wird unter günstigen Umständen noch ein intensives Bild geben; dabei wird das Papier zwar weniger empfindlich, es verändert sich aber nicht mehr so leicht und behält seine nützlichen Eigenschaften viel länger bei.

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Um ein Lichtbild zu entwickeln, sollte das gallus-salpetersaure Silber seine ganze Stärke haben, besonders was das Verhältniß der Gallussäure betrifft, von welcher die Tiefe und Intensität des Bildes hauptsächlich abhängen.

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Man vergl. über diese Art von Photographie polytechn. Journal Bd. LXXXI S. 360, Bd. XCII S. 44 und 367.

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