Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
Ueber Kleienbrod.Bei den jetzigen hohen Fruchtpreisen halte ich es für Pflicht, das Publicum auf die Herstellung eines weit billigeren, kräftigeren und schmackhafteren Brodes aufmerksam zu machen, ich meine nämlich das geschrotene Brod, wie man es am Niederrhein, am besten in Westphalen und dem Siegenschen findet, nicht aber den sogenannten Pumpernickel des Münsterlandes, der nur aus zerstoßenen Körnern besteht und deßhalb manchen Zähnen und Mägen nicht zusagen kann. Jenes geschrotene Brod besteht aus reinem Roggen, der fein gemahlen wird sammt den Kleien; man erhält also vom Scheffel Roggen zu 270 Pfund auch 270 Pfd. Mehl und bäckt daraus erfahrungsmäßig 360 Pfd. Brod, das zwei bis drei Wochen lang schmackhaft bleibt und viel nahrhafter und gesünder ist, als mit der Hälfte oder gar Dreiviertel Weißmehl vermischtes gebeuteltes Brod. Nahrhafter erweist es sich für Alle, welche sich stark bewegen oder schwere Handarbeiten verrichten, weil eine gleiche Quantität davon den Appetit auf viel längere Zeit bei derselben Ausdauer der Kräfte beschwichtigt; gesünder für Personen von sitzender oder wenig mobiler Lebensweise, da es einen leichteren Stuhlgang unterhält als Feinbrod. Nach dem Beuteln bleiben gewöhnlich von 270 Pfd. Frucht nur 200 Pfd. Mehl, welche 266 Pfd. Brod geben. Es macht aber doch einen bedeutenden Unterschied, aus dem Scheffel 94 Pfd. mehr und besseres Brod mit gleichen Kosten zu erhalten. Wenn gleich sich mancher Roggen, wie die Bäcker behaupten, nicht ohne Beimischung von Weizenmehl verbacken läßt, so braucht man nur einen geringen Zusatz, etwa 1/4, zu nehmen; guter Roggen kann aber rein verbraucht werden, und da er gewöhnlich wohlfeiler ist als Weizen, so hat man doch auch wohlfeileres Brod. Der Teig zum geschrotenen Brod wird 12–14 Stunden vor dem Backen mit Sauerteig und etwas Salz eingemengt, im übrigen wie das Feinbrod behandelt, nur recht fleißig gewirkt, den Broden eine Größe von 6 bis 8 Pfd. gegeben, dabei der Ofen etwas stärker geheizt und wohl verschlossen, worin das Brod 1 1/2 bis 2 Stunden bleibt. Wenn diese meine wohlgemeinten Vorschläge einen allgemeinen Anklang finden, so würde daraus eine große Ersparniß hervorgehen; aber ich hege keine so kühnen Erwartungen, weil Gewohnheit und Vorurtheil dagegen streiten. Jedoch bin ich im voraus überzeugt, daß sich verständige Hausväter genug finden, welche meinen Rath prüfen und wenigstens Versuche anstellen werden; diese bitte ich, sich vom etwaigen Mißlingen des ersten Versuchs nicht abschrecken zu lassen, sondern mit einiger Ausdauer zu verfahren. Ich weiß es aus Erfahrung, das grobe Brod schmeckt mit jedem Tage besser, und ich würde es gerne noch theurer bezahlen, als jenes, wenn ich es nur stets haben könnte. (Karlsruher Ztg.) |
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