Titel: Brod aus Kürbissen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1846, Band 102/Miszelle 9 (S. 413–414)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj102/mi102mi05_9

Brod aus Kürbissen.

In dem landwirtschaftlichen Beiblatt zu den Nachrichten für die Oberamtsbezirke Calw und Neuenbürg wird von J. L. Ayaße vou Neuhengstett der Anbau der Kürbisse, insbesondere als Nahrungsmittel für den Menschen, warm empfohlen. Es heißt daselbst:

„Einsender hat nach Vorschrift der Frauendorfer Blätter jetzt zum drittenmal aus zwei Drittheilen gewöhnlichem Brodmehl und einem Drittheil Kürbissen ein gutes schmackhaftes Brod gebacken. Dieser Vorschrift gemäß werden die Kürbisse von Schalen, Fasern und Kernen gereinigt, in würflige Stücke geschnitten, mit Wasser und etwas Salz weich gesotten und sodann in ein reines Tuch oder Sieb gebracht, damit alle Flüssigkeit ablaufe, weil sonst hievon das Brod speckig und unschmackhaft |414| werden würde. Die also abgeschnittenen Kürbisstücke werden mit der Hand oder einem sonstigen Werkzeug zu einem Brei zerdrückt, mit der Mehlmasse vermischt und sofort wie beim gewöhnlichen Backen verfahren. Um eine Uebersicht über den Werth der Kürbisse für Vermehrung der Brodmasse zu gewinnen, wurden genau 24 Pfd. Mehl verbacken und 30 Pfd. Brod daraus gewonnen; dagegen gaben weitere 24 Pfd. Mehl von gleicher Qualität mit einem Zusatz von 12 Pfd. gereinigter Kürbisse 40 Pfd. Brod. Da diese 12 Pfd. gereinigter Kürbisstücke von vier Kürbissen mittlerer Größe gewonnen wurden, wobei es mit dem Abfall gar nicht genau genommen worden, weil dieser ein sehr gutes, auf Milchertrag wirkendes Kühfutter abgibt, so liefert ein solcher, etwa 5 Pfd. schwerer Kürbis 2 1/2 Pfd. Brod.“

Wir fügen diesem bei, daß die Benützung der Kürbisse beim Brodbacken in vielen Gegenden, namentlich in der Niederlausitz, längst üblich ist und nützlich befunden wird. Das Brod soll einen angenehmen Geschmack und gutes Aussehen davon erhalten und lange locker bleiben. Ueberhaupt ist keinem Zweifel unterworfen, daß die Kürbisse auch bei uns in vielen Gegenden in größerer Ausdehnung, als derzeit der Fall ist, angebaut werden dürften und daß besonders ihre Verwendung zum Verspeisen für Menschen weit nützlicher ist, als wenn man sie, wie gewöhnlich, nur dem Vieh verfüttert. (Riecke's Wochenblatt, 1846 Nr. 40.)

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