Titel: Galy-Cazalat's Sicherheitsventil.
Autor: Galy-Cazalat, Antoine
Fundstelle: 1847, Band 103, Nr. LXXI. (S. 324–326)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/ar103071

LXXI. Beschreibung eines Sicherheitsventils, welches durch ein directwirkendes Gewicht von eben so vielen Kilogrammen geschlossen erhalten wird als die Spannung des im Kessel befindlichen Dampfs Atmosphären beträgt; von Hrn. Galy-Cazalat.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Nov. 1846. S. 592.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Damit das Sicherheitsventil von Papin so genau und einfach als möglich sey, ist es nothwendig, daß der Wirkung des eingeschlossenen Dampfes ein Gewicht entgegengesetzt wird, welches direct auf die Mitte des Ventils drückt. Da jedoch ein directes Gewicht, wie es für sehr kräftige Maschinen nothwendig wäre, seiner Größe wegen nicht mehr anwendbar war, so reducirten die Maschinenfabrikanten dasselbe dadurch auf ein Zehntel, daß sie dasselbe an dem Ende eines Hebels wirken ließen.

Die bekannten aus der Anwendung eines Hebels hervorgehenden Nachtheile werden bei Locomotiven dadurch noch vergrößert, daß eine Federwage das Gewicht von 69 Kilogr., welches man dem Hebel anhängen müßte, wenn es die Bewegung des Wagens gestatten würde, dieses Gewicht ersetzen muß. Die Complicirtheit des erwähnten Apparates, seine große Ungenauigkeit, welche vorzüglich von der Veränderung der Federkraft durch die Wärme herrührt, und auch davon, daß bei der kleinsten Bewegung des Ventils die Feder schon stärker gespannt ist, veranlaßten mich im Jahre 1834 bei einem Dampfwagen für gewöhnliche Straßen zwei mit einander vereinigte Ventile anzuwenden, auf welche der Dampf in entgegengesetzter Richtung wirkt. Diese Anordnung gestattet die Kesselöffnung durch ein direct wirkendes Gewicht geschlossen zu erhalten, welches so klein seyn kann als man nur immer wünscht wenn man den Unterschied in der Querfläche der beiden vereinigten Ventile darnach einrichtet. Beträgt der Unterschied des Inhalts der |325| beiden Flächen z.B. 1 Quadratcentimeter, und hat der Dampf im Maximum eine Spannung von sieben Atmosphären, so kann das größte Sicherheitsventil durch ein directwirkendes Gewicht von ungefähr 7 Kil. geschlossen erhalten werden, weil der Druck einer Atmosphäre auf den Quadratcentimeter 1,03 Kilogr. ausmacht. Ungeachtet der Genauigkeit und Einfachheit zweier gegenüberliegender Klappen oder Ventile, hat doch die Schwierigkeit, sie beide zugleich gut einzuschleifen, ihre Anwendung bis jetzt nicht allgemein werden lassen. Meinen Sicherheits-Apparat machte ich jedoch dadurch leichter auszuführen, daß ich die Gegenklappen oder das Gegenventil durch eine sehr dünne biegsame Scheibe von Rothkupfer ersetzte.

Fig. 7 stellt den verticalen Durchschnitt und Fig. 8 den Grundriß des Sicherheitsventils vor.

Fig. 9 horizontaler Durchschnitt nach der Linie AB, Fig. 7. Fig. 10 und 11 zwei Ansichten der Klappe allein.

A gußeiserner Aufsatz, der mit seinem Rande über die Kesselöffnung aufgeschraubt wird, auf welche das Ventil zu liegen kommen soll. Auf den Aufsatz ist ein Ring B von Bronze befestigt, welcher bei a, a einen schmalen vorstehenden Rand hat. Auf diesem genau abgeschliffenen Rande ruht das Ventil mit Flügeln C, dessen Stift c unter dem Ansatze d mit einem Gewinde versehen ist, wie dieß aus Fig. 7 und 10 deutlich ersehen werden kann. Eine sehr biegsame Scheibe e, e von Rothkupfer, die in der Mitte durchbohrt ist, wird durch eine Mutter f luftdicht an den Ansatz d angedrückt. Ist das Ventil an seinem Platze, so wird der Umfang der biegsamen Scheibe, welche ihm gegenübersteht, auf g, g, Fig. 9, zwischen den Rand einer gußeisernen Schale h und den horizontalen Ring i, i, der mit A aus einem Stücke ist, festgeschraubt. Der Dampf in dem Kessel, welcher durch die Oeffnungen k, k, Fig. 9, frei zwischen das Ventil und die biegsame Scheibe treten kann, drückt auf beide in entgegengesetzter Richtung mit gleicher Kraft. Ist jedoch die Quadratfläche a, a, welche einen Druck von unten nach oben erhält, um einen Quadratcentimeter größer als die Quadratfläche e, e, welche von oben nach unten gedrückt wird, so wird das System mit einer Kraft gehoben werden, welche dem Drucke des Dampfs auf bloß einen einzigen Quadratcentimeter gleich ist. Oder, ist dieser Druck für eine Atmosphäre gleich 1,03 Kilogr., so reicht es hin, um das Ventil geschlossen zu erhalten, auf seiner Mitte ein directwirkendes Gewicht von n Kilogr. in runder Zahl anzubringen, wenn die Dampfspannung n Atmosphären beträgt.

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Einzelnheiten der Construction. D ist das directe Gewicht, wodurch die verticale Stange E belastet ist. Diese Stange hat oben einen Ring F, in welchen der Hebel oder die Schnur eingehängt wird, wodurch das Gewicht gehoben wird. Unten hat die Stange einen Körner I, welcher in eine Vertiefung mitten auf dem Ventile eintritt. Um das Gewicht vertical über der Mitte des Ventiles zu erhalten, wurden auf den mit dem Kessel vereinigten Aufsatz die Säulen G, G aufgeschraubt, die oben durch ein Querstück verbunden sind. In letzterem befindet sich eine Oeffnung, durch welche die Stange E ohne viele Reibung und ohne vielen Spielraum durchgeht. Die Größe der verticalen Bewegung für das Sicherheitsventil ist endlich durch den Zwischenraum bedungen, welcher zwischen dem Querstück und der aufgeschraubten Mutter m stattfindet.

Die untere Fläche e, e der Kupferscheibe, welche keinen Dampfdruck erleidet, muß eben so mit der äußern Luft in Verbindung stehen, wie die obere Fläche des Ventils C. Deßhalb wurde ein schräges Loch p durch das Ventil C gebohrt, und dieses Loch mündet in den hohlen Ventilstift c, so daß der Raum o, o mit der äußeren Luft in Verbindung ist.

Da man beim Messen der dem Dampfdruck ausgesetzten Flächen sich leicht irren kann, so ist es gut, das Gewicht D genau zu bestimmen, indem man das Sicherheitsventil mit dem offenen Manometer vergleicht.

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