Titel: Wahrscheinliche Ursachen der Dampfkessel-Explosionen und Mittel sie zu verhüten; von Hrn. Donny.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 4 (S. 75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi01_4

Wahrscheinliche Ursachen der Dampfkessel-Explosionen und Mittel sie zu verhüten; von Hrn. Donny.

Der Verf. hat vor der Société d'Encouragement zu Paris Versuche über die Erscheinungen beim Kochen von Flüssigkeiten wiederholt, woraus er die wahrscheinlichen Ursachen der Dampfkessel-Explosionen ableitet.

Wenn eine von Luft befreite und über ihren Siedepunkt erhitzte Flüssigkeit sich zertheilt, ist die Dampfentwicklung so augenblicklich, daß sie sehr einer Explosion gleicht; eine solche findet auch, jedoch in schwächerem Grade, bei dem sogenannten Stoßen der Flüssigkeiten statt, wenn man dieselben nämlich einige Zeit lang im Kochen erhalten hat. Durch andauerndes Kochen verlieren die Flüssigkeiten den größten Theil der Luft, welche in ihnen aufgelöst war; die Molecular-Anziehung, welche sich dann merklich einstellt, gestattet der Flüssigkeit sich über ihren Siedepunkt zu erhitzen; in Folge hievon erscheinen neue Luftblasen, welche bewirken daß die Flüssigkeit sich durch ein Aufstoßen theilt; hierauf findet eine reichliche Dampfentwicklung statt und folglich eine Temperatur-Erniedrigung, welche für einen Augenblick die Flüssigkeit in Ruhe versetzt Ein directer Versuch hat gezeigt, daß ein dünner Strom atmosphärischer Luft, welcher durch die Flüssigkeiten streicht, diese oft gefährlichen Bewegungen aufhalten kann.

Da die Stöße in den kochenden Flüssigkeiten oft so stark sind, daß der Apparat zerbricht, so kam der Verf. auf die Vermuthung, daß die plötzliche Aufhebung der Cohäsion einer stark erhitzten flüssigen Masse unter gewissen Umständen die unmittelbare oder mittelbare Ursache der schrecklichen Dampfkessel-Explosionen werden kann. Um diese Ansicht zu prüfen, suchte er seinen Apparat in die Umstände zu versetzen, worin sich ein ähnlicher Dampfkessel befindet; es gelang ihm nach andauerndem Sieden so starke Stöße hervorzubringen, daß bei einem Versuch die Kugel des Instruments zerbrach und die Ausdehnung des Dampfs Glasstückchen weit weg schleuderte. Als dieser Versuch mit dem luftfreien Wasser eines sogenannten Wasserhammers wiederholt wurde, riß dessen oberer Theil plötzlich ab, während man seinen unteren Theil erhitzte, wodurch eine heftige Explosion entstand. Daraus scheint hervorzugehen, daß man um derartige Dampfkessel-Explosionen zu verhüten, bloß in den unteren Theil der Kessel mittelst einer kleinen Pumpe einen schwachen und andauernden Luftstrom einzulassen braucht. (Bulletin de la Société d'Encouragement, Sept. 1846 S. 505.)

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