Titel: Payerne's Verfahren die schlagenden Wetter in den Steinkohlengruben für die Arbeiter unschädlich zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 1 (S. 153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi02_1

Payerne's Verfahren die schlagenden Wetter in den Steinkohlengruben für die Arbeiter unschädlich zu machen.

Dr. Payerne theilte der Société d'Encouragement über sein Verfahren hiezu folgendes mit: „Ich schlage vor den Platinschwamm (welcher in den Döbereiner'schen Lampen angewandt wird) zum Verbrennen des in den Steinkohlengängen sich entwickelnden Gases zu benutzen, welches täglich noch so viele Opfer dahinrafft, abgesehen von der Notwendigkeit, in welche es die Grubenleute versetzt, sich stets Davy'scher Sicherheitslampen zu bedienen. Diese Lampe aber verbreitet in Folge des auf dem Metallgewebe sich absetzenden Kohlenstoffs bald nur noch ein schwach dämmerndes Licht, bei welchem der Grubenbau nicht gehörig beschleunigt werden kann.

Ich habe nun einen Apparat ersonnen, welcher einerseits die Arbeit sehr erleichtert, indem durch ihn den Grubenleuten möglich gemacht wird, sich gewöhnlicher Lampen zu bedienen, welche ihr Leuchtvermögen behalten, und andererseits sie vor allen Unglücksfällen durch Schwaden schützt, welche dieser Apparat, so wie sie sich entwickeln, zerstört, im Widerspruch mit Dr. Ure, welcher behauptet, daß der Platinschwamm auf die Kohlenwasserstoffe ohne Einwirkung sey, welcher Behauptung die von Hrn. Nanteuil in meinem Auftrag zu Firmini dirigirten entscheidenden Versuche widersprechen. Ich verfahre folgendermaßen: die unreine Luft wird in dem mit mephytischen Gasen am meisten angefüllten Theile der Grube mittelst eines mächtigen Blasebalgs und einer Röhre geschöpft, welche letztere in ein mit Kalilösung gefülltes Reservoir taucht. Durch den Druck des Blasebalgs gezwungen durch die Flüssigkeit zu streichen, läßt die Luft die allenfalls in ihr enthaltene Kohlensäure nebst dem Schwefelwasserstoff zurück. An die Oberfläche der Flüssigkeit gelangt, tritt die Luft in einen an dem Deckel des Reservoirs angebrachten Canal, und hier findet sie eine Reihe in die Quere gehender Scheidewände, in welchen ihre Reinigung vollständig bewirkt wird. Die ersten beiden Wände bestehen aus Moos zwischen Multon-Wollenzeug) Wänden; die drei folgenden aus Platinschwamm und die letzte aus trocknem Moose. Der Canal, welcher die Form eines umgekehrten Hebers () hat, geht über die letzte Scheidewand hinaus und erstreckt sich in ein zweites Wasser enthaltendes Reservoir. Die beiden ersten Scheidewände von Moos und Multon halten das Wasser, welches der Strom mit sich fortreißen konnte, auf, welches Wasser sonst die folgenden Wände aus Platinschwamm feucht gemacht hätte. Dieser Platinschwamm benimmt, indem er auf den Kohlenwasserstoff wirkt, der Luft die Fähigkeit sich zu entzünden und zu detoniren. Er verhindert das Zurücktreten des Wassers, welches aus dem zweiten Reservoir zurückspringen könnte, in den Canal; endlich hat das in eben diesem Reservoir befindliche Wasser, in dem selten eintretenden Fall, daß das zu reichlich vorhandene Kohlenwasserstoffgas bei seinem Durchgang durch den Platinschwamm sich entzündete, die Bestimmung das Feuer zu löschen, indem die Luft beim Austritt aus dem Canal durch das Wasser treten muß.

Hr. Péligot sprach die Befürchtung aus, daß die Luft, wenn sie durch den Platinschwamm getreten, oft nicht mehr zum Athmen tauglich seyn möchte, weil in Folge der Einwirkung des Platinschwamms ein Theil des Sauerstoffs von dem Kohlenwasserstoff absorbirt werde. Da Hr. Payerne nicht zugegen war, konnte er diesem Einwurf nicht begegnen.

Bei den HHrn. Enfer und Doremus, Blasbalg-Fabrikanten in Paris, ist ein großer derartiger Apparat zu sehen; ein dritter wird für die Kohlengrube zu New-castle in England versendet. (Moniteur industriel, 1846 Nr. 1070.)

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