Titel: Ueber vorzügliche Stiefelwichsen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 10 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi02_10

Ueber vorzügliche Stiefelwichsen.

Bei der allgemeinen Verbreitung der Stiefelwichse würde es überflüssig seyn eine große Anzahl von Recepten für solche hier anzuführen, um so mehr, da manche Arten derselben sich nur durch Beimengung unwesentlicher Nebenbestandtheile unterscheiden, und fast alle, in Beziehung auf ihre Erfindung, mehr oder weniger zufällig gefundene Resultate willkürlich eingeleiteter Mischungen sind. Einige wenige indessen, die als vorzüglicher anerkannt sind, mögen hier näher angedeutet werden.

Sechs Theile feines Beinschwarz, 28 Theile Syrup, 4 Theile Runkelrübenzucker, 3 Theile Fischthran oder Leinöl und 1 Theil Schwefelsäure werden innig mit einander gemengt und 8 Stunden lang der Ruhe überlassen, worauf man 4 Theile einer Lohabkochung und eben so viel Eisenbrühe, 18 Theile Beinschwarz und 3 Theile Schwefelsäure zusetzt und nochmals durch fleißiges Umrühren mengt. Die Masse wird nun in hölzerne Schachteln gegossen. Nicht selten setzt man ihr vorher auch etwa 2 Theile Berlinerblau zu.

Eine andere Wichse wird auf folgende Art bereitet. Zwei Loth blausaures Eisenkali werden in 8 Maaß Wasser aufgelöst und dann mit 1/2 Loth Salpetersäure versetzt, worauf man so lange salpetersaures Eisen zusetzt, bis kein fernerer Niederschlag erfolgt, welchen man mit Wasser auswäscht. Nachdem man in einem Gefäße 8 Pfd. Beinschwarz mit 1 1/2 Pfd. Thran und 4 Pfd. Syrup zusammengerieben hat, gibt man 4 Pfd. von obigem Niederschlag dazu, und indem man mit dem Umrühren fortfährt, gießt man 4 Pfund Wasser und dann tropfenweise noch 1 1/4 Pfd. Schwefelsäure zu. Nachdem die Masse sehr innig gemengt ist, wird sie in kleine Schachteln gegossen.

Eine vorzügliche, von Lewy in Prag angegebene Stiefelwichse, bei welcher die dem Leder nachtheilige Schwefelsäure gänzlich entbehrt wird, wird auf folgende Art |160| bereitet. In 12 Maaß weißem Weinessig läßt man 1 Pfund Galläpfel und 1 Loth Blauholzextract eine halbe Stunde lang kochen, seiht die Flüssigkeit durch ein Tuch, setzt ihr 8 Loth Eisenvitriol zu und läßt sie 24 Stunden stehen. Am folgenden Tag wird die Flüssigkeit, so weit sie klar ist, in ein zweites Gefäß übergegossen, welches man auf einen warmen Ofen stellt und so lange dort läßt, bis 8 Loth gepulvertes arabisches Gummi, 3 Pfd. kleingestoßener Kandiszucker und 2 Pfd. Syrup, welche man dazu gibt, vollkommen aufgelöst sind. Man filtrirt nun die Flüssigkeit neuerdings und gibt 1 Maaß Weingeist, 1/2 Seidel (etwa 12 Loth) einer geistigen Schellackauflösung, 1 Loth fein gepulverten Indigo und 4 Loth Gallusextract hinzu. Die Masse ist nun schon zum Auftragen geeignet und wird in Flaschen aufbewahrt oder versendet. (Prechtl's technolog. Encyklop. Bd. XV.)

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