Titel: Vortheilhafte Methode das Osmium-Iridium zu zersetzen; von J. Fritzsche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 4 (S. 155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi02_4

Vortheilhafte Methode das Osmium-Iridium zu zersetzen; von J. Fritzsche.

Man schmilzt in einem sehr geräumigen Porzellantiegel über einer Weingeistlampe gleiche Theile Aetzkali und chromsaures Kali zusammen und trägt in die geschmolzene Masse ungefähr das Dreifache ihres Gewichts an Osmium-Iridium in seinem natürlichen Zustande ein, d.h. ohne es vorher zu verkleinern. Mit dem Erhitzen fortfahrend, gelangt man bald zu dem Punkt, bei welchem die Sauerstoffentwickelung aus dem chromsauren Kali anfängt, und mit dieser beginnt auch sogleich die Einwirkung der geschmolzenen Masse auf das Osmium-Iridium, welche sich durch eine gelbbraune Färbung derselben zu erkennen gibt. Die Masse fängt nun bei einer verhältnißmäßig nur wenig erhöhteren Temperatur so stark an zu schäumen und zu steigen, daß man das Feuer mäßigen muß, und wird dabei, während sie anfangs so dünnflüssig war, daß alles Osmium-Iridium auf dem Boden lag, immer dickflüssiger, so daß sehr bald, wie man sich durch Umrühren mit einem Platinspatel überzeugen kann, alles Osmium-Iridium in der durch die Sauerstoffentwickelung große Blasen werfenden Masse schwebend erhalten und dadurch der Einwirkung um vieles zugänglicher wird. Hat man diesen Punkt erreicht, so bedarf man, bei beträchtlichen Mengen wenigstens, der weiteren Erhitzung fast gar nicht mehr; die Einwirkung geht energisch weiter fort, die Masse nimmt eine fast schwarze Farbe an und die Operation nähert sich bald ihrem Ende welches eingetreten ist, sobald das Schäumen aufhört und die Masse fest wird. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich während der ganzen Operation keine Spur von Osmiumsäuredämpfen gebildet, allein mit dem Festwerden der Masse beginnt eine geringe Entwickelung derselben, welche sich beim weiteren Erhitzen der Masse noch vermehrt; dieses weitere Erhitzen jedoch, welches die Masse in einen leichter in Wasser löslichen Zustand versetzt, bedarf man nicht nothwendig, und man hat daher bei dieser Aufschließung von der unangenehmen und schädlichen Osmiumsäure so gut als nichts zu leiden.

Man kann mit Bequemlichkeit in einem Porzellantiegel von 2 Pfd. Inhalt über der Weingeistlampe 100 Gramme Aetzkali mit 100 Grammen chlorsaurem Kali und 600 Grammen Osmium-Iridium zusammenschmelzen, und in höchstens einer halben Stunde ist die ganze Operation vollendet, bei welcher, selbst bei Anwendung grobkörniger Substanz, wenigstens 50 Gramme aufgeschlossen werden – ein Resultat, welches man durch Glühen mit Kochsalz und Chlor nur mit einem ungleich größeren Aufwande von Mühe und Zeit und wohl schwerlich mit geringeren Kosten erlangen kann.

Bei der Behandlung der nach der neuen Methode erhaltenen geschmolzenen Masse mit Wasser bekommt man eine orangegelbe, Osmium und Ruthenium enthaltende Lösung und einen schwarzblauen Niederschlag, welcher sich von dem überschüssigen Osmium-Iridium durch Schlämmen sehr leicht trennen läßt. (Bulletin de St. Petersbourg.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: