Titel: Reaction des Farbstoffs der Kornrade und mehrerer anderer Pflanzen auf Säuren und Alkalien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 6 (S. 156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi02_6

Reaction des Farbstoffs der Kornrade und mehrerer anderer Pflanzen auf Säuren und Alkalien.

In dem Farbstoff der Blumenblätter der Kornrade (Agrostemma Githago oder Lychnis G.) entdeckte Hr. Malapert ein empfindliches Reagens auf Säuren, besonders aber auf Alkalien. Viele andere Pflanzentheile, vorzüglich solche, welche, wie jene Saponin enthalten, besitzen dieselbe Eigenschaft; es sind dieß die Blüthen der Karthäusernelke, der Roßkastanie, des rothen und blauen Gauchheils (Anagallis), die Samenlappen der Kornrade, die Blätter und Stengel der überhängenden und der gemeinen Silene (Silene nutans und inflata), die Blätter, Stengel und Wurzeln des officinellen Seifenkrautes; unter den kein Saponin enthaltenden: die Eibischwurzel und Blumenblätter der rothen Rose etc. Aus den Blättern der Kornrade wird zu diesem Zweck eine Tinctur bereitet aus 1 Theil der Blätter, die man zerstößt und mit 2 Theilen Wasser anrührt, worauf man 2 Theile wasserfreien Alkohol zusetzt und 2 Tage lang maceriren läßt; man seiht durch und drückt durch ein reines Tuch aus und filtrirt. Ein Tropfen der wohlverstopft aufbewahrten Tinctur, in 2 Grammen Wasser gebracht, welches 1/160,000 Kali enthält, erzeugt eine deutliche gelbe Färbung. Die Färbungen sind leichter wahrnehmbar im reflectirten als im durchfallenden Licht; auch ist ein Porzellannäpfchen einem gewöhnlichen Probirglas hiezu vorzuziehen. Zu Reactionen auf Säuren ersetzen diese Reagentien das Lackmus nicht; für Alkalien hingegen übertreffen sie es, weil das Lackmus für dieselben erst mit Säuren geröthet werden muß und seine Empfindlichkeit von deren Menge abhängt. Abgesehen von der Ermittelung des sauren oder alkalischen Charakters einer Flüssigkeit eignen sich diese Stoffe auch umgekehrt durch Zusatz von Alkalien, um die gute oder schlechte Beschaffenheit von gewissen Pflanzenpräparaten, z.B. des Rosenhonigs, zu erkennen. (Journal de Pharmacie, Nov. 1846 S. 339.)

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