Titel: Ueber die Krankheiten, welchen die Arbeiter ausgesetzt sind, die das Schweinfurter Grün und die damit gefärbten Tapeten bereiten; von A. Chevallier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 4 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi03_4
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Ueber die Krankheiten, welchen die Arbeiter ausgesetzt sind, die das Schweinfurter Grün und die damit gefärbten Tapeten bereiten; von A. Chevallier.

Die Resultate der hierüber angestellten Untersuchungen sind:

1) daß die Fabrikanten über die Uebel, von welchen diese Arbeiter befallen werden, nicht einig sind;

2) daß bei der Fabrikation grüner Tapeten Einige Krankheitsfälle beobachteten, andere nur davon reden hörten, wieder andere nicht im Stande waren die Gefahr derselben zu bestätigen;

3) daß der Aussage Einiger zufolge die Unfälle vielleicht Folge davon waren, daß das Grün nicht gut bereitet und nicht gehörig ausgewaschen war, daß nach Einigen gewisse Individuen von solchen Unfällen nicht betroffen werden, während man sie bei andern beobachtet, woran die Verschiedenheit der Constitutionen und Prädispositionen Schuld ist;

4) kurz, daß diese Unfälle nicht so arg sind, als man nach dem, was hierüber bekannt gemacht wurde27), hätte glauben können.

Wie dem aber auch sey, sollten unseres Dafürhaltens die Fabrikanten von ihren mit dem Satiniren beschäftigten Arbeitern verlangen:

1) daß dieselben beim Satiniren beständig entweder ein befeuchtetes Tuch oder eine Schwammlarve vor dem Gesicht haben, damit sie weder durch den Mund noch durch die Nase Staub einathmen können;

2) daß sie, so oft sie von der Arbeit zum Essen gehen, sich Hände und Vorderarme waschen;

3) daß die Satinirer ihre Beinkleider unterhalb des Knies mit einem elastischen Strumpfband anliegend befestigen: besser wäre es noch zu verlangen, daß diese Arbeiter Pantalons mit Vorfüßen tragen;

4) daß sie nicht über einen Tag lang am Satiniren arsenikgrünen Papiers arbeiten.

Es wäre zu wünschen, daß die von Ebert erfundene Satinirmaschine bekannt gemacht würde, damit die Tapetenfabrikanten sie einführen könnten.28)

Unsere Erkundigungen, ob denn dieser Fabricationszweig nicht ganz entbehrlich gemacht werden könnte, fielen dahin aus, daß dieß wenigstens sehr schwer halten dürfte. Die Fabrikanten sagen nämlich:

1) daß der Verbrauch mit Schweinfurter Grün gefärbten Papiers sich zwar schon so vermindert habe, daß die gegenwärtige Erzeugung dieses Papiers um 9/10 weniger betrage als vor 10 Jahren, weil man seit der Anwendung des zusammengesetzten, aus zugleich niedergeschlagenem Berlinerblau und chromsaurem Blei gebildeten Grüns, weniger Schweinfurter Grün mehr für die Fonds (Böden) brauche, indem jene Farbe, die leider nicht sehr dauerhaft ist, die drei Vorzüge vereinige, wenig zu kosten, sich leicht zu verarbeiten und keine Gefahr darzubieten;

2) daß aber der Theil der Fabrication, wozu man sich des Schweinfurter Grüns am häufigsten bediene, das Auftragen der Dessins sey; daß dieses Grün hiezu bis jetzt von keiner grünen Farbe ersetzt werden konnte; daß seine Frische und Haltbarkeit es zu allen Dessins mit Laubwerk unentbehrlich machen; daß überdieß hiebei wenig Gefahr ist, weil die Arbeiter nicht immer mit derselben Farbe zu thun haben.

Andere Fabrikanten legen wieder den größten Werth auf das Schweinfurter Grün und erklären es geradezu für unentbehrlich. Comptes rendus, Sept. 1846, Nr. 10.)

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Man vergl. darüber polytechn. Journal Bd. XCVII. S. 74.

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Im polytechn. Journal Bd. XCVIII S. 175 ist eine Satinirmaschine von Carillion beschrieben.

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