Titel: Das neue System der Luftschifffahrt von Dr. Van Hecke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 2 (S. 311–312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi04_2
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Das neue System der Luftschifffahrt von Dr. Van Hecke.

Die (franz.) Akademie der Wissenschaften hat die HHrn. Poncelet, Seguier und mich beauftragt, ihr über eine Abhandlung des Dr Van Hecke aus Brüssel Bericht zu erstatten, welche den Titel führt: „neues Fortschaffungssystem durch die Luft“ (nouveau système de locomotion aérienne). Bei einem Gegenstand, welcher in theoretischer und praktischer Hinsicht schon so oft besprochen worden ist, können wir uns darauf beschränken, der Akademie die Resultate der Versuche mitzutheilen, welche der Erfinder vor der Commission angestellt hat.

Dr. Van Hecke entsagte förmlich der Idee, einen Stützpunkt auf der Luft zu nehmen, um sich in dem Winde entgegengesetzter Richtung zu bewegen: sein System besteht wie das von Meusnier darin, in verschiedenen Höhen Ströme aufzusuchen, welche der Richtung, die er verfolgen will, günstig sind; sein Verfahren ist aber verschieden von Meusnier's, welcher die Luft in einem innern Raum des Ballons comprimiren oder ausdehnen wollte. Die Aufgabe, welche sich Van Hecke stellte, beschränkt sich also darauf, ein leichtes Mittel zu finden, um senkrecht auf- und abzusteigen, ohne daß man wie gewöhnlich Ballast auswirft oder Gas entweichen läßt, welche beide dann nicht mehr zu ersetzen sind.

Van Hecke suchte in einem künstlichen Motor die hinreichende Kraft, um den Luftballon nach Belieben steigen oder sinken lassen zu können und mußte hiezu natürlich unter den Motoren wählen, welche wie die Windmühlenflügel, die archimedische Schraube, die Turbinen etc. ohne seitliche Reaction eine rotirende Bewegung in eine nach der Achse geradlinige Bewegung oder umgekehrt verwandeln. Ein solcher Apparat, mit schiefen Flügeln, wurde der Commission vorgezeigt; er brachte durch seine Reaction auf die Luft leicht eine aufsteigende oder absteigende Kraft von 2 bis 3 Kilogr. hervor, so daß man mit den vier ähnlichen Motoren, welche Van Hecke an seinem Schiff anbringen will, eine Kraft von beiläufig 10 bis 12 Kilogr. erhielte. Dieser Effect wurde ohne große Anstrengung mit beinahe quadratischen Flügeln von bloß einem halben Meter Seitenlänge erreicht; man könnte sich also mit einem Motor von hinreichender Kraft durch dieses Verfahren leicht 50, 60 bis 100 Kilogramme aufsteigenden oder absteigenden Ballast verschaffen.

Es fragt sich aber noch, ob die gewonnene Kraft in allen Fällen hinreichend seyn wird, um den Luftballon auf- oder absteigen zu lassen. Bei einem gewöhnlichen Ballon ist es die Wirkung der Sonnenstrahlen, wodurch die plötzlichen Veränderungen in der specifischen Leichtigkeit hauptsächlich verursacht werden. Nach der Schätzung unseres erfahrenen Luftschiffers Hrn Dupuis-Delcourt dürfte die Wirkung der Sonne selbst in einem ziemlich langen Zeitraum auf höchstens 10–12 Kilogr. anzuschlagen seyn. Van Hecke's Motor wäre also in diesem äußersten Falle noch ausreichend; dazu kommt noch, daß sein Verfahren leicht auf- und abzusteigen, indem es gestattet den Ballon von oben nach unten und von unten nach oben oscilliren zu machen, die Berührung der Hülle mit der umgebenden Luft erneuern und folglich den Effect der directen Erwärmung durch die Sonnenstrahlen großentheils verhindern würde. Babinet, Berichterstatter. (Moniteur industriel, 1847 Nr. 1109.)

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