Titel: Die amerikanische tragbare Universalmühle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 3 (S. 312–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi04_3

Die amerikanische tragbare Universalmühle.

Wir haben S. 18 in diesem Bande des polytechn. Journals nach dem Mechanics' Magazine über die excentrische Mühle von Bogardus berichtet und theilen hier die in Oesterreich damit angestellten Versuche nach dem „Journal des Oestr. Lloyd“ mit; hinsichtlich der Construction dieser Mühlen verweisen wir auf das der Maschinenfabrik Sharp, Roberts u. Comp. zu Manchester patentirte System (polytechn. Journal Bd. LVI S. 285 und Bd. LXX S. 343), welches denselben von einem Amerikaner (ohne Zweifel Bogardus) mitgetheilt wurde.

„In Wien wurden vor kurzem in der k. k. Münze mehrere Versuche vorgenommen, um die Leistungen dieser Mühle zu constatiren. Zu diesen Versuchen wurden zweierlei Mühlen aufgestellt, und mit dem Getriebe der Dampfmaschine mittelst Riemen der |313| gestalt in Verbindung gesetzt, daß die größere zur Vermahlung der Steine bestimmten 26zölligen Mahlplatten bei 300 Umdrehungen per Minute machte, bei der zweiten zur Verreibung von Oelfarben mit 14zölligen Reibeplatten hingegen nur 200 Umdrehungen erfolgten.

Für die Steinmühle wurde Glas, Kies, Quarz und Granit in eigroßen Stücken in die Gosse gebracht, und von diesem Material fast durchgängig in vier Minuten 1 Wiener Centn. bis zur Feinheit des gewöhnlichen Streusandes gemahlen. Ein Resultat welches gegenüber der hiezu angewendeten Kraft von ungefähr vier Pferden bisher durch keine andere Pochwerkvorrichtung effectuirt werden konnte, und für die bergmännische Aufbereitungsmanipulation der Erze von um so größerer Wichtigkeit seyn dürfte, als dadurch ein bei weitem gleichförmigeres und zur Separation geeigneteres Korn gewonnen, und auch das sogenannte Tripochen vermieden wird – ein Vorzug der den langgehegten Wünschen endlich vollkommen zu entsprechen scheint.

Die Mahlplatten dieser Mühle, welche zur Vermahlung der Steine nur von weichem grauen Gußeisen sind, haben an ihren Angriffslöchern von dem Mittelpunkte auslaufende 3gängige. Schneckenfurchen, welche sich gegen die Peripherie immer mehr und mehr verengen, bis sie gegen den Rand in vollkommen concentrischen Kreisen auslaufen. Diese Furchen haben im Mittelpunkt der Mahlplatte die größte Tiefe der Aushöhlung, so daß das eingelassene Material sich darein bergen und zwischen die beiden Mahlplatten eingeführt werden kann, wo dasselbe dann sowohl in den unteren als oberen Kerbungen solche Stützpunkte und Widerlagen zur gegenseitigen Anstemmung findet, daß das inzwischen gekommene Material auf ähnliche Weise, wie man in der Hand zwei Nüsse zu zerdrücken pflegt, gegen sich selbst in Action tritt, bis es in immer engere Furchen getrieben, und zerkleinert endlich durch die Centrifugalkraft an der Peripherie als Pulver entlassen wird.

Diese Steinmühle ist nun zu ferneren anhaltenden Versuchen mit Erzen von der k. k. Central-Bergbau-Direction angekauft, und nach Schemnitz abgeführt worden.

Als eine wesentliche Verbesserung an dieser Mühle erscheint, daß sowohl die obere als auch untere Mahlplatte auf Planscheiben angebracht, und durch Ansteckzapfen in ihrer Centricität festgehalten werden, daß Form und Größe der Kerbungen sich nach der Eigenschaft der zu vermahlenden Materialien richten, und besonders für die Getreidegattungen von ganz eigenthümlicher Zusammensetzung sind.

Auf der angeführten Steinmühle wurden außer Glas, Kies, Quarz und Granit auch noch über 6 Centner gebrannte Knochen in 90 Minuten zum feinsten Mehle gemahlen, während mit der zweiten kleineren Farbenmühle, die kaum die Größe eines gewöhnlichen Sessels einnimmt, mit ihren 14zölligen Mahlscheiben und einem Kraftaufwande von ungefähr 1 1/2 Pferden, innerhalb einer Stunde 100 Pfd. rohes Bleiweiß mit darüber gegossenem Firniß zu feiner Oelfarbe verrieben wurden, und eine Arbeit verrichtet, wozu sonst mehr als 10 Arbeiter einen ganzen Tag gebraucht haben würden.

Ein wesentlicher Vortheil, welchen diese noch außerdem gewährt, besteht darin, daß die zu vermahlenden Materialien sehr rasch zerkleinert und mit großer Sicherheit nach außen geschafft werden. Die stets veränderte Berührung vermeidet die Erhitzung in so hohem Grade, daß darauf Materialien vermahlt werden können, welche bei andern Mühlen entweder durch Erhitzung ganz verdorben, oder doch zum Theil an ihrer Güte Schaden leiden würden.

Bei den vorgenommenen Mahlproben mit den erwähnten Steingattungen war es sehr auffallend, die Zermalmungsplatten sowohl als das Product gleich nach der Operation ganz kühl zu finden, welcher Umstand unstreitig der Vorzüglichkeit der Zerkleinerungsoperation zugeschrieben werden muß.

Bei allen bisher bestehenden Mühlen, wie verschieden auch ihre Construction seyn mag, waltet fast immer dasselbe Princip, daß ein Stein ruht, während der Läufer sich entweder auf oder unter demselben bewegt – durch seinen raschen Umlauf das zwischen die Reibungsflächen eingeführte Material zerdrückt, und durch die Centrifugalkraft bis zur Peripherie der zermalmenden Action nach einerlei Richtung unterwirft.

Bei dieser Mühle hingegen bewegen sich beide Zermahlplatten in derselben Richtung mit fast gleicher Geschwindigkeit um Mittelpunkte, welche ungefähr um den fünften Theil ihres Halbmessers von einander abweichen. Nur eine dieser |314| Platten wird direct durch Riemen oder durch eine andere Vorrichtung in Bewegung gesetzt; diese theilt, durch Berührung, welche das zur Vermahlung dazwischen gekommene Material darbietet, ihrem Gegner die rotirende Bewegung mit, und übt so, mitgerissen, in gleicher Richtung laufend, den Zermalmungseffect aus.

Diese Mahlplatten bilden sowohl mit ihren schnecken- als kreisförmigen Kerben, Furchen oder Einschnitten, in ihrer excentrischen Gegeneinanderstellung solche Kreuzungen und Schneidlinien, daß bei ihrer Action, wo die harten oder spröden Körper nicht selbst gegeneinander in zermalmende Activität treten, dieselbe wie Scheren gegen einander wirken, und jeden Körper, welcher Art er auch seyn möge, auf eine ganz eigene Weise in stets wechselnden Richtungen zerquetschen, zerschneiden, zerbrechen und zermalmen.

Diese Platten sind, wie schon gesagt, in ihren Kerbungen eben so verschieden, als es die Mannichfaltigkeit der zu zermahlenden oder zu verreibenden Materialien erfordert – welches auf gemachten Erfahrungen beruht.

Der Flächenraum, welchen diese Mühlen einnehmen, ist etwa 3–4 Quadratfuß, die Höhe von 3 5 Fuß.

Diese Mühlen werden gegenwärtig auf den Eisenwerken Sr. Durchlaucht des Hrn. Fürsten v. Metternich, zu Pleß in Böhmen, angefertigt, und durch die Wiener Eisenhandlung des Hrn. Stricker in der Kärthnerstraße zu beziehen seyn, und zwar: a) Mühlen zur Enthülsung von Reis, Kaffee und Oliven ohne Körnerverletzung; b) zur Verreibung von Farben aller Art, mit Oel und Wasser, Kitt, Buch-, Kupfer- und Steindruckerschwärze, Cacao, Kautschuk und flüssigen Gegenständen; c) zur Vermahlung von Getreide aller Art, rohen und gebrannten Knochen, Gyps, Farbehölzern, Knoppern, Lein- und Rübsamen, Holzkohle, rohen und gebrannten Kalksteinen, Quarz, Kies und allen Gattungen von Erzen.

Die angenommene eben so einfache als zweckmäßige Construction dieser Mühlen, das Portative derselben, sowie die geringe Betriebskraft, die äußerst geringe Abnutzung gegenüber ihrer Leistung, dürften dieselben bald zu einem Gegenstande allgemeiner Beachtung machen, und ihnen eine schnelle Verbreitung sichern.“

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