Titel: Die Kupfererze in Nordamerika und Südaustralien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 4 (S. 314–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi04_4

Die Kupfererze in Nordamerika und Südaustralien.

Es steht gegenwärtig der Production von Kupfer und dem Handel damit eine große Revolution bevor, wobei wahrscheinlich ein Theil der englischen Minen, die bisher die ergiebigsten in der Welt waren, aufgegeben werden muß, weil viel reichere Kupfererze entdeckt worden sind. Die Kupferwerke von Cornwall und Wallis liefern gegenwärtig etwa 16,000 Tonnen Kupfer, wozu aber 170,000 Tonnen Erz nöthig sind, weil sie im allgemeinen nicht über 9 1/2 Proc. Kupfer abwerfen. Diese Erze werden, da Cornwall keine Steinkohlen liefert, nach Swansea in Wallis geschickt und dort geschmolzen. Auch werden dort etwa 8 bis 10,000 Tonnen fremdes Kupfererz geschmolzen, das bisher größtentheils aus Cuba kam. Die Ausfuhr von Kupfer aus England beträgt 16 bis 18,000 Tonnen zu einem Werth von 1,000,000 bis 1,200,000 Pfd. St. Es geht hauptsächlich nach Ostindien und China, nach Frankreich und Nordamerika. In Indien und China traf es bisher auf die Concurrenz des Kupfers aus Chili und Japan, von dem das letztere das beste in der Welt und auf den orientalischen Märkten immer wenigstens 10 Proc. theurer ist als jedes andere; es wird theils von den Holländern, theils von den Chinesen in einer Quantität von 1300 bis 2000 Tonnen jährlich aus Japan gebracht.

Jetzt hat man aber in Nordamerika ungeheure Kupferlager entdeckt, oder vielmehr angefangen sie zu bearbeiten, denn ihre Existenz ist seit langer Zeit bekannt. Im J. 1773 bildete sich eine Gesellschaft, um die Kupferminen am südlichen Ufer des See Superior zu bearbeiten, aber die Zeiten waren ungünstig, und während der Kriege wurde das Unternehmen aufgegeben. Bei dem Friedensvertrag fiel dieser District in das Gebiet der Vereinigten Staaten und bildete die Territorien von Michigan und Wisconsin, wurde aber wegen seiner Entferntheit und seiner Unfruchtbarkeit lang vernachlässigt, bis vor einigen Jahren die Gerüchte von den reichen Kupferlagern |315| plötzlich ein Speculationsfieber erregten, in Folge dessen sich in kurzer Zeit mehr als hundert Bergwerksgesellschaften gebildet und Ländereien am Superior und Huron angekauft haben. Die Journale der Vereinigten Staaten sind voll von Berichten über den Reichthum an Kupfer und Silber, den diese Minen liefern, und obgleich man ihnen nicht ganz trauen darf, so ist unstreitig, daß große Massen von Erz in Boston ankommen, wo sie bis jetzt nach England verschifft werden. Es werden jedoch gegenwärtig große Schmelzwerke in Boston errichtet, wo sich wahrscheinlich dieser Handel concentriren wird. In andern Theilen der Vereinigten Staaten, wie in Neu-Jersey und in Missouri hat man ebenfalls reiche Kupferlager entdeckt, namentlich in der Nähe der großen Bleiminen von Mine a la Motte in Missouri, wo die Kupfermine von Buckeye täglich 15 Tonnen Erz liefert, welches 34 Proc. reines Kupfer enthält. Es ist daher keinem Zweifel unterworfen, daß das Bedürfniß der Vereinigten Staaten an Kupfer im Lauf des nächsten Jahrs aus eigenen Hülfsmitteln mehr als befriedigt werden wird, und sie wahrscheinlich eine beträchtliche Ausfuhr dieses Metalls beginnen werden.

Noch reicher scheinen die Kupferlager auf der nördlichen oder canadischen Seite des Superior oder Huron zu seyn. Es haben sich im letzten Jahr zwei große Gesellschaften, eine in Montreal und eine in Quebec gebildet, um die Kupfererze am Superior auszubeuten, und ihre Agenten, sowie der Geologe der Provinz von Obercanada, Hr. Logan, haben das ganze laufende Jahr damit zugebracht, das nördliche Ufer des Sees zu untersuchen und zu vermessen. Das Parlament von Canada hat jetzt die Bedingungen bekannt gemacht, unter denen es die erzhaltigen Districte verkaufen will, nämlich in Stücken von 10 englischen Quadratmeilen und zu 4 Shilling den Morgen. Beide Gesellschaften haben große Districte vermessen, und die Formalitäten des Verkaufs sind im Begriff beendigt zu werden. Die Gesellschaft von Quebec hat in Maimasse die Ausgrabungen begonnen und schon die ersten Ladungen Erz erhalten, die im Großen 30 Proc. Kupfer zu geben versprechen. Die Gesellschaft von Montreal hat angefangen eine Niederlassung mit Schmelzhütten, Pochwerken u.s.w. zu gründen, und im Frühjahr wird die Arbeit im Großen beginnen. Das Erz wird durch die Seen und die Canäle an den St. Lorenz gebracht werden, und man ist im Begriff, auf der Nordseite des Sault St. Marie, welche die Communication zwischen dem Superior und Huron unterbricht, einen Canal zu graben. Die Sache ist von um so größerer Wichtigkeit, als der Holzhandel durch die Reform des englischen Tarifs leidet und Canada so einen neuen großen Ausfuhrartikel erhält. Der District der Minen ist eine sehr unfruchtbare Gegend, so daß die Bevölkerung, welche sich dort ansiedelt, von den Ufern des Huron, wo reiche Korndistricte sind, genährt werden muß, was der Colonisation von Obercanada einen neuen Impuls gibt und Mittel verschafft, die Tausende von englischen Auswanderern, die bisher jährlich über Canada in die westlichen Theile der Vereinigten Staaten übergingen, auf englischem Grund und Boden zu beschäftigen. Die Commissäre der Montreal-Compagnie fanden massive Kupferblöcke, deren einer über 40 Cntr. wiegt, sie stießen auf 60 bis 70 Fuß breite Lager von Kupfererz, und ihr Bericht hat die ganze Provinz in eine Art von Fieber gesetzt, aber die Gesellschaften wollen keine Actien verkaufen, bis der Betrieb so im Gang ist, daß sie den Werth derselben genauer berechnen können. Dagegen will die Regierung nächstes Jahr das ganze Ufer des Huron geologisch untersuchen lassen und neue Minendistricte auf den Markt bringen.

Die neue Concurrenz, welche sich in diesem Augenblick in Südaustralien für den Kupferhandel im Orient bildet, wird wahrscheinlich das englische Product in wenigen Jahren von dort ausschließen, indem der Reichthum der dortigen Kupferlager unerschöpflich scheint und die Kupfermassen so zu Tag liegen, daß der Bergbau nur wenig Kenntniß und Capital erfordert. Im Jahr 1845 kamen die ersten Ladungen von südaustralischem Erz in Swansea an, zum Werth von etwa 16,000 Pfd. St., im Lauf des gegenwärtigen Jahres erhob sich diese Einfuhr auf 100,000 Pfd. St. und wäre noch beträchtlicher gewesen, wenn nicht das Auffinden von Goldminen einen Theil des Capitals und der Arbeit in Anspruch genommen hätte. Da aber dieser reiche Fund plötzlich die Auswanderung dahin nicht nur aus England, sondern auch aus den umliegenden Colonien erneuert hat, so wird man daselbst in kurzer Zeit die Mittel haben, die Kupferminen noch weit mehr im Großen zu bearbeiten und |316| die schon angefangenen Schmelzwerke der Colonie in den Stand setzen, ihr Kupfer direct auf die orientalischen Märkte zu verschiffen. (Augsb. Allgem. Zeitung.)

Der große Landstrich, welcher der „australischen Bergwerksgesellschaft“ gehört, liegt beiläufig 30 englische Meilen oftwärts von Adelaide in Südaustralien und ungefähr 10 Meilen vom Fluß Murray. Die Erze davon, welche bis jetzt nach England kamen, sind bloß solche, welche auf der Oberfläche vorkommen und sowohl ihr Aussehen als ihre chemische Zusammensetzung beweist deutlich genug, daß sie sehr lange dem Einfluß der Atmosphäre ausgesetzt waren. Die Analysen derselben ergaben, daß sie im Verhältniß zu ihrem Volum eine sehr beträchtliche Quantität Kupfer enthalten.

Ein großer Theil des Erzes besteht aus einem dunkelbraunen schweren Gestein, durch welches Kupferkies zerstreut ist; es enthält nach der Analyse:

Schwefelkupfer
Kupferoxyd
38,21
15,22
= 38,8 Proc. Kupfer
Eisenoxyd mit Spuren von Thonerde 35,96
unauflösliche Substanz, aus Kieselerde
bestehend

0,81
Wasser 6,73
kohlensauren Kalk 3,07
––––––
100,00

Das größte Quantum Erz, welches nach England kam, besteht aus einem kieselerdehaltigen Gestein, in welchem sehr viel blaues und grünes kohlensaures Kupfer eingesprengt ist. Ein ausgewähltes Muster, worin das blaue Mineral vorwaltete, bestand aus:

Kupferoxyd, mit einer Spur Schwefelkupfer 41,80 = 33,36 Proc. Kupfer
Eisenoxyd 2,50
Wasser und Kohlensäure 13,90
unauflöslicher Materie, aus Kieselerde u.
schwefelsaurem Kalk bestehend

42,23
––––––
100,43

Ein Muster desselben Erzes, worin das grüne kohlensaure Kupfer vorwaltete, ergab:

Kupferoxyd 17,57 = 13,56 Proc. Kupfer
Eisenoxyd 3,28
Wasser und Kohlensäure 6,89
unauflösliche Materie, aus Kieselerde mit
einer Spur schwefelsauren Kalks bestehend

73,20
––––––
100,94

Ein Muster, welches ganz das Ansehen von Kupferkies hatte, ergab:

Schwefelkupfer 40,52 = 32,29 Proc. Kupfer
Schwefeleisen 13,63
Eisenoxyd 35,02
unauflösliche Kieselerde 4,80
Wasser und Kohlensäure 4,21
Verlust 1,80
––––––
100,00

Ein Muster, worin Schwefelkupfer durch ein dunkelbraunes Gestein zerstreut war, wovon ein großer Theil in Berührung mit der Atmosphäre ockerartig geworden war, und worin kohlensaures Kupfer eingestreut war, ergab:

|317|
Schwefelkupfer 26,65 = 21,24 Proc. Kupfer
Schwefeleisen 7,29
Eisenoxyd 35,28
Wasser und Kohlensäure 12,36
unauflösliche Kieselerde 18,42
––––––
100,00

Das letzte Muster, welches analysirt wurde, war ockerartig, mit Adern von Eisenglanz und viel kohlensaurem Kupfer; es ergab:

Kupferoxyd 22,97 = 18,33 Proc. Kupfer
Eisenoxyd 18,14
unauflösliche Kieselerde 49,50
Wasser und Kohlensäure 9,39
––––––
100,00

(Chemical Gazette, Nov. 1846, Nr. 98.)

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