Titel: Ueber die Benützung des Bierbrauerteigs beim Brodbacken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 8 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi04_8

Ueber die Benützung des Bierbrauerteigs beim Brodbacken.

Der resignirte Hr. Stadtrath Essig in Leonberg hat der k. Centralstelle des landwirthschaftlichen Vereins in Stuttgart Proben von Hausbrod eingesendet, bei welchem er einen Theil des Mehls durch Bierbrauerteig ersetzt hat und wodurch es ihm gelungen ist, ein wirklich schmackhaftes und nahrhaftes Brod um einen bedeutend billigeren Preis, als das gemeine Hausbrod derzeit kostet, zu liefern. Dieser Bierbrauerteig (Treberteig), welcher sich bekanntlich beim Einmaischen sammt den Trebern ausscheidet und großentheils oben im Maischbottich auf den Trebern liegt, während ein kleinerer Theil davon sich auch unter dem Seihboden niederschlägt, besteht meist aus Kleber, vermischt mit etwas Bierwürze und noch unverändertem Stärkmehl, ist also seiner Zusammensetzung, sowie seinem Ursprung aus Gerste nach ganz geeignet, ebenso gut als Nahrungsstoff für Menschen verwendet zu werden, wie er längst allgemein als vorzügliches Viehfutter, besonders aber zur Mastung der Ochsen gebraucht und geschätzt wird.

Nach Angabe von Hrn. Essig kann man ein Drittel, die Hälfte oder selbst zwei Drittel des sonst erforderlichen Mehls beim Brodhacken dadurch ersehen. Im ersteren Fall, was ein sehr schmackhaftes gutes Brod gab, stellte sich bei ihm die Rechnung auf folgende Weise:

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18 Pfd. Hausbrodmehl à 5 1/4 kr 1 fl. 34 1/2 kr.
11 Pfd. Teig à 2/3 kr. 14
Bäckerlohn à 1/2 kr. per Laib 8
––––––––––
1 fl. 56 1/2 kr.

Hievon erhielt er 16 Leibe à 2 Pfd. 8 Loth, zusammen also 36 Pfd., und das Pfd. Brod käme somit auf 3 1/4 kr. oder der sechspfündige Laib auf 19 1/2 kr. Ueber das dabei zu beobachtende Verfahren bemerkt Hr. Essig: „Die Masse wird etwas gesalzen und stärker gehefelt als das andere Brod und ist der Teig so viel möglich reif zu machen; auch ist derselbe flüssiger als der gewöhnliche Teig und fleißiger zu bearbeiten.“

Wir nehmen keinen Anstand zur jetzigen Zeit der großen Theurung diese Benützung des Bierbrauerteigs als etwas sehr Beachtenswerthes zu bezeichnen, denn da nach den neuesten Erhebungen in Württemberg jährlich ungefähr 1 1/2 Millionen Simri Malz in den Brauereien verbraucht werden, jedes Simri aber beiläufig 2 Pfd. Teig liefert und nach den Leonberger Erfahrungen aus 7 Pfd. Teig man 4 Pfd. Brod erhält, so könnten durch Benützung sämmtlichen Brauereiteigs zum Brodbacken jährlich in Württemberg über 1,700,000 Pfd. Brod mehr gewonnen werden. Da hiebei 9 Pfd Mehl durch 21 Pfd. Teig ersetzt werden, so verwerthen sich, wenn das Brodmehl 5 1/4 kr. per Pfd. kostet, 3 Pfd. Teig zu 6/4 kr., während gegenwärtig 3 Pfd. Teig bei ihrer Verwendung als Viehfutter, wenigstens in der Gegend von Leonberg, nur mit 2 kr. bezahlt werden. Zwar kommen diese Brauereiabfälle in der Umgegend von Stuttgart etwas höher zu stehen, indem man hier das Simri Treber sammt Teig bis zu 11 kr., Treber ohne Teig bis zu 8 kr. bezahlt, wonach die 2 Pfd. Teig, die das Simri Malz gibt, bis auf 3 kr., somit 3 Pfd. Teig aus 4 1/9 kr. zu stehen kämen, aber selbst unter solchen Umständen wäre die Benützung dieser Abfälle zu Brod immer noch um die Hälfte vortheilhafter, als ihre Verwendung zu Viehfutter. (Riecke's Wochenblatt, 1847 Nr. 3.)

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