Titel: Ein Riesen-Dampfhammer von James Nasmyth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 103/Miszelle 3 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj103/mi103mi05_3

Ein Riesen-Dampfhammer von James Nasmyth.

Der größte und mächtigste Dampfhammer, welchen Hr. Nasmyth bis jetzt gebaut hat, wurde im verflossenen April von ihm in Gang gesetzt, und zwar in den großen Eisenwerken des Hrn. John Guest zu Dowlais. Der Hammer oder gußeiserne Block, welcher das auf den Amboß gelegte Eisen trifft, wiegt über sechs Tonnen und kann vollkommen 7 Fuß hoch senkrecht herabfallen. Die Kraft des Schlages, welchen er ausübt, ist in der That fürchterlich, und dessenungeachtet kann er so beherrscht werden, daß man durch mehrere ganz sanfte Schläge einen Nagel in weiches Holz mit demselben eintreiben kann. Die vollkommene Controle, unter |396| welcher diese Riesenmaschine steht, wird von den praktischen Eisenfabrikanten nicht genug geschätzt werden können, wenn wir versichern, daß sie eine frische, weiche Lupe, wie sie aus dem Puddelofen kommt, ganz sanft behandelt, bis sie compacter geworden ist und eine cubische Form angenommen hat, wo dann wenige meisterliche Schläge, die man ihr mit großer Kraft gibt, alle Unreinigkeit und Schlacken, sie mögen noch so tief verborgen gewesen seyn, austreiben. Der nächste Zweck, zu welchem Hr. Guest diesen Riesen-Dampfhammer bauen ließ, ist der, den Lupen, aus welchen die Eisenbahnschienen gewalzt werden sollen, 6–8 fürchterliche Schläge zu geben, so daß sie durch und durch in eine solide geschweißte Masse verwandelt werden, welche dann zur Vollendung auf das Walzwerk gebracht wird. Die Schienenlupen haben 3' 9'' bis 4' Länge und einen Querschnitt von ungefähr 10'' im Quadrat. Da nun die Hammerbahn eine Länge von 3' 9'' und eine Breite von 2' hat, so bedeckt sie bei jedem Schlage die ganze Oberfläche der Lupe. Es ist interessant, die Wirkung solcher ungeheuren Schläge zu beobachten, und wie durch dieselben alle Uneinigkeiten aus der Lupe ausgepreßt werden. Die äußere Ansicht und die innere Qualität der Schienen, welche vorher der Wirkung dieses riesenmäßigen und doch so lenksamen Hammers unterworfen worden waren, zeigte sich bei weitem besser als bei den gewöhnlichen Eisenbahnschienen. Es ist nun mit Recht zu erwarten, daß die bessere Qualität des so bearbeiteten Eisens, und das vollkommene Zusammenschweißen der einzelnen Platten, woraus die Lupen bestehen, die Dauerhaftigkeit der Schienen und ihre Qualität bedeutend erhöhen wird. Der Amboß dieses Riesenhammers ist wohl das größte Gußstück in der Welt, indem er nicht weniger als 36 Tonnen wiegt und aus einem Stücke ist. Nasmyth's wichtige Erfindung verbreitet sich sehr rasch durch Europa und Amerika, da sie fast alle größeren Eisenfabrikanten annehmen.

Wir bemerken noch, daß ein sehr interessanter Versuch mit einem anderen Hammer von 50 Centr. Gewicht kürzlich auf den Chathan-Werften gemacht wurde, wo derselbe aufgestellt ist. Der Versuch wurde mit Abbrechen von alten, unbrauchbaren Ankern unter der Leitung des Capitän W. H. Sheriff, Oberintendant des Werftes, begonnen. Verschiedene Arten von Ankern wurden nach und nach abgebrochen, und zwar mit der größten Leichtigkeit, einige sogar auf einen Schlag. Hierauf wurde ein Theil eines Ankers von ungefähr 30 Centr. Gewicht zur Schweißhitze gebracht und von dem Hammer zu einer Stange von 4 Zoll im Durchmesser ausgestreckt. Dabei wurde der Beweis geliefert, wie sehr der Erfinder den Hammer unter seiner Controle hat, und wie die Schläge beim Fertigmachen und Abrunden nach Bedürfniß gemäßigt werden können. Die Stange kam so eben, gerade und gleichmäßig unter dem Hammer hervor, wie sie nur immer durch einen kleinen Schmiedhammer geliefert werden kann. Beim Ausstrecken des Eisens zum Uebereinanderlegen sind die Schläge so kräftig und wirksam, daß sie alles Schlackige aus dem Eisen entfernen, und eine vollkommen dichte Masse hervorbringen. Zum Beweise wurde der 4 Zoll starke Stab an verschiedenen Stellen abgebrochen, und überall zeigte sich der schönste Bruch und das dichteste Eisen, während der Theil des Ankers, welcher nicht unter den Hammer gebracht wurde, in einer Tiefe von 1 Zoll unter seiner Oberfläche deutlich jeden Stab, aus welchem der Anker zusammengesetzt war, sehen ließ. Hr. Nasmyth hat den Auftrag, für jedes königliche Werft Großbritanniens einen Patent-Dampfhammer zu bauen. (Practical Mechanic and Engineer's Magazine, April 1846 S. 185.)

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