Titel: Higgs' Methode den Inhalt der Kloaken zu sammeln.
Autor: Higgs, William
Fundstelle: 1847, Band 104, Nr. XVI. (S. 68–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/ar104016

XVI. Methode den Inhalt der Kloaken und Abzüge in Städten und Dörfern zu sammeln und nach erfolgter chemischer Behandlung für landwirthschaftliche Zwecke zu verwenden, worauf sich William Higgs, Chemiker zu Westminster, am 28. April 1846 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Jan. 1847, S. 10.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Den Gegenstand meiner Erfindung bildet:

1) die Construction von Behältern, in welchen der Inhalt der Kloaken und Abzüge von Städten und Dörfern gesammelt und die Verdichtung |69| und Trocknung der festen animalischen und vegetabilischen Substanzen auf die nachher zu beschreibende Weise vorgenommen wird;

2) die Construction von Gebäuden über solchen Behältern oder Gruben, in welchen die aus der gesammelten Unrathmasse sich entwickelnden Dämpfe und Gase verdichtet und mit chemischen Agentien verbunden werden; ferner die Anordnung von Stäben, an denen die durch die Verbindung solcher Gase mit andern Substanzen gebildeten Salze sich ansetzen oder krystallisiren können;

3) die Construction und Anordnung eines Apparats, um die chemischen Agentien über die Masse des in den erwähnten Behältern gesammelten Unrathes zu vertheilen;

4) die Anwendung chemischer Agentien, um die in dem flüssigen Unrath enthaltene feste Substanz niederzuschlagen und die aus demselben sich entwickelnden Gase zu absorbiren oder mit andern Substanzen zu verbinden.

Ich gehe nun zur Beschreibung des ersten Theils meiner Erfindung über, der sich auf die Construction der Gruben oder Behälter bezieht.

Fig. 36 stellt einen senkrechten Querschnitt dreier Behälter dar, worin die Masse des Unrathes gesammelt werden soll, deßgleichen einen Durchschnitt der über diesen Behältern zu errichtenden Gebäude, worin die aus den Behältern aussteigenden Dämpfe und Gase gesammelt und verdichtet oder mit andern Substanzen verbunden werden.

Fig. 37 ist ein horizontaler Durchschnitt durch die Behälter nach der Linie 1, 2, Fig. 36. A, A, A sind die Enden der Abzugscanäle, welche mit den Behältern B, B, B dergestalt communiciren, daß der flüssige Unrath frei in die Behälter fließen kann.

Diese Abzugscanäle A, A, A sind mit geeigneten Schleichen C, C, C versehen, welche nach Belieben geöffnet oder geschlossen werden können. Die Behälter B, B, B können in beliebiger Anzahl, Gestalt und Tiefe aus Backsteinen oder andern geeigneten Materialien aufgeführt werden. Ich gebe jedoch jedem Behälter vorzugsweise die Gestalt eines Rechteckes, dessen größere Seite das dreifache der kleineren ist, und eine Tiefe von 12 bis 15 Fuß. Eine größere Tiefe halte ich nicht für zweckmäßig, da ich es darauf absehe, der Einwirkung der chemischen Agentien eine große Oberfläche darzubieten. Die Böden der Behälter B, B, B müssen so eingerichtet seyn, daß sie den Abfluß nach einem oder mehreren Filtern gestatten, welche zum Behuf des Trocknens der festeren Substanzen angeordnet sind. Ich gebe daher den Böden meiner Behälter die Gestalt einer doppelt geneigten Ebene mit Abzügen D, D, D in ihrer Mitte zur Fortleitung der filtrirten Flüssigkeit. Ueber diese Abzüge lege ich Gewebe |70| a, a, a aus Pferdehaaren oder einem andern porösen zum Filtriren sich eignenden Stoff. Ein Gitterwerk dient dieser Filtrirvorrichtung als Unterlage.

Die Canäle unter den Filtern leiten die filtrirte Flüssigkeit in eine zur Aufnahme der letztern vorgerichtete Cisterne.

Den von Zeit zu Zeit in die Behälter B, B, B gegossenen flüssigen Unrath läßt man, nachdem er der animalischen und vegetabilischen Substanz beraubt worden ist, durch die Schleusten C¹, C¹, C¹ in die Canäle C², C², C², von denen nachher die Rede seyn wird, ab, so daß die präcipitirten animalischen und vegetabilischen Stoffe in den Behältern zurückbleiben, um nachher weiter behandelt zu werden. Die Schleußen C¹, C¹, C¹ müssen ungefähr 3 Fuß über dem Boden der Behälter angebracht seyn, so daß unter dem Niveau der Schleußen noch ein geeigneter Raum bleibt, worin sich der Unrath absetzen kann.

Hat sich in dem Behälter eine hinreichende Menge animalischen und vegetabilischen Stoffes angesammelt, so schließe ich die mit dem Behälter communicirende Schleuße und schneide dadurch jeden weiteren Zufluß des Unraths ab, bis der Behälter von seinem festeren Inhalte entleert worden ist. Die in der Cisterne enthaltene filtrirte Flüssigkeit muß von Zeit zu Zeit heraufgepumpt oder auf sonstige Weise weggeschafft werden, so daß die mit den Filtern communicirenden Canäle von Flüssigkeit frei und die Filter selbst in ihrer Wirksamkeit nicht gehemmt sind.

Um der festeren Substanz die Feuchtigkeit leichter zu entziehen, stelle ich unter den Filtern einen luftverdünnten Raum her, und zwar entweder mit Hülfe einer Luftpumpe oder jener Pumpe, womit ich das filtrirte Wasser von Zeit zu Zeit aus der Cisterne hebe.

Die Behälter B, B, B können durch Scheidewände B¹, B¹, Fig. 37, in zwei oder mehrere Kammern getheilt werden. Die punktirte Linie E, E, Fig. 36, stellt den Boden vor, woraus man erkennt, wie viel die Gebäude über denselben hervorragen. Ich gehe nun zum zweiten Theil meiner Erfindung über.

Fig. 36 zeigt das Mauerwerk eines über den erwähnten Gruben oder Behältern errichteten Gebäudes. Die Dächer G, G, G desselben sind mit geeigneten Oeffnungen H, H, H versehen, durch welche die Luft entweichen kann. Die Decken I, I, I sind mit einem oder mehreren von Day's patentirten archimedischen Schraubenventilatoren J, J, J, Fig. 36, oder ähnlichen Mechanismen versehen, welche den Zweck haben, eine aufwärtsgehende Strömung zu bewerkstelligen und die aus den Gruben aufsteigenden Dünste und Gase in die Kammern K, K, K zu schaffen, wo dieselben verdichtet oder mit gewissen chemischen Agentien verbunden |71| werden. Die Ventilatoren können mittelst Dampf oder einer andern Triebkraft in Bewegung gesetzt werden.

In den Kammern K¹, K¹, K¹ ist eine Anzahl verticaler hölzerner Stangen und an diese der Länge nach eine Anzahl horizontaler Stangen befestigt, an die sich die Salze oder andere aus den Dünsten oder Gasen sich entwickelnde Substanzen ansetzen können.

Die auf den dritten Theil meiner Erfindung sich beziehende Anordnung besteht aus Schienen, die längs der Kanten der Behälter B, B, B befestigt sind, nebst geeigneten auf diesen Schienen laufenden Wagen. Fig. 39 stellt eine Endansicht des Trichter-Wagens und eine Seitenansicht des unteren Wagens mit den Eisenbahnschienen dar.

Fig. 40 ist eine Seitenansicht des Trichter-Wagens und eine Endansicht des unteren Wagens nebst Schienen. d, d, Fig. 39 und 40, ist ein starkes eisernes oder hölzernes, mittelst Schraubenbolzen und Muttern gut verbundenes Gestell. e, e, Fig. 36 und 37, sind die an den Rand der Behälter befestigten Schienen; f, f Räder mit Spurkränzen, welche auf diesen Schienen laufen. Diese Räder drehen sich mit ihren Achsen g, g in Lagern h, h, welche an das rectanguläre Gestell befestigt sind. Eine der Achsen ist mit einem Winkelrade i versehen, das in ein anderes Winkelrad j greift. Die Achse des letztern enthält eine Kurbel k, durch deren Handhabung der untere Wagen längs der Schienen e, e fortbewegt wird; m ist ein Wagen mit trichterförmigem Kasten, dessen Boden mit einer Oeffnung versehen ist, durch welche die chemischen Substanzen in den darunter befindlichen Behälter geschüttet werden. Die vier mit Spurkränzen versehenen Räder n, n dieses Trichter-Wagens laufen auf Querschienen o, o, welche auf dem Gestell d, d des unteren Wagens befestigt sind. Der untere, der Länge nach über die Behälter B, B, B hinweglaufende Wagen nimmt also den oberen Trichterwagen mit, während dieser einer Bewegung quer über die Behälter fähig ist. Dadurch ist nun der Arbeiter in den Stand gesetzt die in dem Trichter-Wagen befindlichen chemischen Agentien gleichmäßig über die Oberfläche des Inhalts der Behälter zu vertheilen. Um diese gleichmäßige Vertheilung noch zu befördern, kann man dem Boden des Trichters, wie bei Mahlmühlen, eine selbstthätige schüttelnde Bewegung ertheilen. Ich gehe nun zur vierten Abtheilung meiner Erfindung über.

Um die in dem flüssigen Unrath enthaltene animalische und vegetabilische Substanz zu präcipitiren, bediene ich mich vorzugsweise des gelöschten Kalks, welcher sich meines Wissens als das wohlfeilste und wirksamste Agens zur Erreichung des vorliegenden Zwecks herausstellt.

|72|

Was die Condensation oder Absorption der aus dem Unrath sich entwickelnden Dünste und Gasarten anbelangt, so schlage ich die Anwendung von Chlorgas zur Verdichtung oder Absorption aller derjenigen Gasarten vor, bei denen Ammoniak oder Schwefelwasserstoff, welche sich während der chemischen Behandlung in den Behältern entwickeln, einen wesentlichen Bestandtheil bildet. Die feste animalische und vegetabilische Substanz, welche in dem Behälter zurückbleibt, nachdem ihr der größere Theil des Wassers durch den Filtrirproceß entzogen worden ist, muß jetzt getrocknet werden, um ihre chemische Zersetzung zu verhüten und sie zum Transport nach entfernten Plätzen, wo sie für landwirthschaftliche Zwecke verwendet werden soll, geeignet zu machen. Man formt sie daher in Stücke von geeigneten Dimensionen und trocknet sie unter Anwendung solcher Hülfsmittel, welche je nach den Umständen dazu geeignet sind.

Folgende Methode, die jedoch mit meiner Erfindung in keinem wesentlichen Zusammenhang steht, scheint mir in manchen Fällen die vortheilhafteste. Da man zum Betrieb der verschiedenen Apparate, z.B. der Pumpen, Ventilatoren u.s.w. wahrscheinlich eine Dampfmaschine nöthig hat, so schlage ich vor, den zur Dampfmaschine gehörigen Schornstein, wie Fig. 41 im Grundritz und Fig. 42 im Verticaldurchschnitt zeigt, viereckig zu bauen und ihm einen großen Rauminhalt zu geben. p, p ist das Mauerwerk des Schornsteins; q ein schmied- oder gußeiserner Schornstein, der sich in der Mitte des viereckigen Schornsteins p, p bis auf wenige Fuß unter dem Gipfel des letztern erhebt. Durch diesen inneren Schornstein q entweicht der Rauch und die warme Luft aus dem Dampfkesselofen, und da er einen guten Wärmeleiter bildet, so erhöht er die Temperatur der ihn umgebenden Luft im Schornstein p bedeutend. r, r, r, r sind vier Systeme endloser Ketten, welche über geeignete Räder s, s, s, s, Fig. 42, laufen. Diese Ketten tragen eine Anzahl Eimer t, t, t, t, welche so mit derselben verbunden sind, daß sie während ihres Auf- und Niedersteigens immer in verticaler Lage hängen. Diese Eimer werden unten mit dem festen Unrath gefüllt und steigen mit der endlosen Kette, welche während einer Stunde einen Umlauf macht, in die Höhe; wenn sie wieder Herabkommen, so zeigt sich ihr Inhalt hinreichend getrocknet und zum Transport geeignet. Dadurch, daß man den eisernen Schornstein q in der Mitte des gemauerten p, p anbringt, können vier endlose Ketten auf die Fig. 41 und 42 dargestellte Weise angeordnet werben, welche alle in gleichem Maaße der Wärme ausgesetzt sind.

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