Titel: Chevandier, über die Elementar-Zusammensetzung verschiedener Holzarten.
Autor: Chevandier, Eugène
Fundstelle: 1847, Band 104, Nr. XXV. (S. 99–106)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/ar104025

XXV. Ueber die Elementar-Zusammensetzung verschiedener Holzarten und das jährliche Erträgniß einer Hectare Waldung; von Eugen Chevandier.20)

Aus den Comptes rendus, Febr. 1847, Nr. 8.

Mein Zweck bei diesen Untersuchungen war, zur Bestimmung des Ertrags der Waldungen ein genaues und zugleich sehr einfaches Verfahren einzuführen, durch welches verschiedene Waldungen sowohl unter sich, als mit einem zum Feldbau verwendeten Boden, ihrem Erträgniß nach genau verglichen werden können.

In meinen frühern Abhandlungen bestimmte ich das Gewicht des Sters und die Elementar-Zusammensetzung verschiedener Holzarten, welche letztere ich mit sehr wenigen Ausnahmen für jede Holzart, nach Abzug der Asche, constant fand.

Die Quantität der Asche hingegen war so ungleich, daß ich es für nothwendig erachtete, neue Einäscherungen mit einer größern Anzahl von Proben vorzunehmen, bevor ich die sie betreffenden Ziffern zu statistischen Berechnungen von etwas größerm Umfang anwandte. Diesem Studium nun ist der erste Theil dieser Arbeit gewidmet.

Der zweite Theil wird den Einfluß der Beschaffenheit des Erdreichs und des Abtreibverfahrens auf den Ertrag der Waldungen zum Gegenstand haben.

Die Gesammtzahl der Einäscherungen war 524, und zwar: Buche 93; Eiche 93; Weißbuche 73; Birke 98; Zitterespe 59; Erle 59; Weide 17; Tanne 46; Fichte 28.

Die geologische Beschaffenheit des Bodens scheint, wenigstens bei den harten Holzarten, keinen besondern Einfluß auf die Menge der Asche zu haben.

|100|
Die aus meinen Analysen für jede einzelne
Holzart hervorgehende durchschnittliche
Quantität Asche war:

Alle Holzarten untereinander genommen
findet man:

Holzart.
Procent-
Gewicht
der Asche.

Holzsorten.
Procent-
Gewicht
der Asche.
Weide 2,00 Knüppel junger Stämmchen 1,23
Zitterespe 1,73 Stammholz 1,34
Eiche 1,65 Zweigknüppel 1,54
Weißbuche 1,62 Reisholz 2,27
Erle 1,38
Buche 1,06
Fichte 1,04
Tanne 1,02
Birke 0,85

Um den jährlichen Ertrag eines Waldes berechnen und auf seine einfachsten Elemente zurückführen zu können, muß man vor Allem die Quantität und Beschaffenheit der nach Ablauf einer gewissen Zahl von Wachsjahren auf dem Boden befindlichen, der Fortschaffung fähigen Producte kennen; dann die Mengen des trockenen Holzes, ferner die des Kohlenstoffs, Wasserstoffs, Sauerstoffs, Stickstoffs und der entsprechenden Asche bestimmen, welche man dann nur mit der in dieser Periode enthaltenen Anzahl von Jahren zu dividiren braucht, um den mittleren jährlichen Ertrag zu erhalten.

Ich bestimmte auf diese Weise den mittlern jährlichen Zuwachs von 16400 Hektaren Mittelwald (Compositionsbetrieb), welcher sich auf dem westlichen Abhang der Vogesen und den an ihrem Fuße sich ausbreitenden Ebenen befindet.

Auf dieselbe Weise berechnete ich den Zuwachs der Hochwälder des Großherzogthums Baden mittelst der auf Veranlassung der Forstverwaltung zu Karlsruhe angestellten zahlreichen Versuche, und fand, daß die Waldungen Badens und der Vogesen in ihren Zuständen viele Aehnlichkeit haben.

Die Ziffern, welche ich erhielt, sind in folgender Tabelle zusammengestellt.

|101|
Hochwälder im
Großherzogthum Baden.21)
Anzahl der
Versuche.

Holzarten.
Mittlerer jährl.
Zuwachs per Hektare,
in Kubikmetern.
Anzahl der
entsprechenden
Sters.
Entsprechendes
trockenes Holz,
in Kilogr.
Gneiß, Granit, Porphyr, bunter Sandstein,
irisirender Mergel, alter Jurakalkstein,
Kieselgerölle

23

Eiche

5,221

7,57

2900,81
Gneiß, Granit, rother Sandstein, bunter
Sandstein, alter Jurakalkstein, Molasse,
Kieselgerölle

32

Buche (mittlere
Gebirge)

5,224

7,57

2994,28
Gneiß, Granit, Porphyr, Uebergangsgebirge,
neuer Jurakalkstein
27 Buche (hohe
Gebirge)
4,559 6,61 2574,62
Kieselgerölle 15 Weißbuche 4,008 5,81 2226,04
Gneiß, Granit, bunter Sandstein, Muschelkalk 42 Tanne 8,304 12,04 3394,21
Granit, bunter Sandstein, Muschelkalk,
Kieselgerölle

86

Fichte

7,330

10,63

2798,71
|102|
Textabbildung Bd. 104, S. 102

Allein der Boden hat für den Forstmann sowie für den Agronomen verschiedene Grade der Fruchtbarkeit, sogar bei einer und derselben Formation angehörendem Erdreich. Wirklich unterschieden die badischen Forstbehörden bei ihren Beobachtungen über die hohen Waldungen nach fünf Classen „oder Graden der Fruchtbarkeit, welche durch die Zusammensetzung des Bodens in Beziehung zur Holzart, durch die Tiefe des Erdreichs, den Grad der Feuchtigkeit, die Quantität des Humus und die Lage bedingt werden.“

|103|

Ich befolgte dieselbe Ordnung für die Eintheilung der Mittelwaldungen der Vogesen und fand, daß diese Schläge durchschnittlich geben:

Durchschnittlicher jährlicher Zuwachs per Hektare in Kilogrammen trockenen Holzes.

Textabbildung Bd. 104, S. 103

Wie man sieht, hat die geologische Beschaffenheit des Erdreichs, unabhängig von dem Grade der Fruchtbarkeit, einen namhaften Einfluß auf den Zuwachs der Schlagwaldungen, und derselbe ist um so geringer, je durchdringlicher das Erdreich ist.

Dieser Einfluß der geologischen Beschaffenheit des Bodens scheint für hochstämmige Waldungen nicht statt zu finden; wirklich erhalten die regelmäßigen Hochwälder, indem sie die Sonnenstrahlen abhalten und die Bodenfläche beständig beschattet lassen, dem Boden seine Frische, selbst wenn er sehr durchdringlich ist, und befinden sich daher in den besten Umständen für das Wachsthum, sofern der Boden nur Tiefe genug hat um den Wurzeln freie Entwickelung zu lassen etc.

Da die von mir untersuchten Schlagwaldungen aus untermischten Holzarten bestunden, vereinigte ich, um ihre Producte bei jedem Grade der Fruchtbarkeit mit jenen der hochstämmigen Wälder vergleichen zu können, bei diesen letztern die auf die verschiedenen Holzarten bezüglichen Zahlen, ohne auf die geologische Beschaffenheit des Bodens Rücksicht zu nehmen, weil bei allen in Baden mit den hochstämmigen Waldungen gemachten Beobachtungen diese keinen merklichen Einfluß auf den Zuwachs zu haben schien.

Ich erhielt folgende Zahlen, in welchen die Zwischenproducte mit eingeschlossen wurden, um das wahrhafte jährliche mittlere Ergebniß zu erhalten.

|104|
Grad der Fruchtbarkeit: Sehr gut 4279 Kilogr. trockenen Holzes
Gut 3480
Erträglich 2849
Mittelmäßig 2398
Schlecht 2002

Man sieht, daß diese Zahlen bei jedem Grad der Fruchtbarkeit größer sind als die bei den Schlagwaldungen gefundenen.

Drückt man daher den Zuwachs der Hochwälder in den verschiedenen Graden der Fruchtbarkeit durch die Einheit aus, so kann derjenige der Schlagwaldungen in Decimalbrüchen ausgedrückt und eine Reihe von Coefficienten aufgestellt werden, die das relative Erträgniß dieser Waldungen ausdrückt.

Auch kann man den Zuwachs der Hochwälder in dem Grab „sehr gut“ der Fruchtbarkeit allein mit der Einheit, und denjenigen der andern Fruchtbarkeitsgrade, sowie den der Schlagwaldungen durch Decimalbrüche ausdrücken.

Das relative Erträgniß der Hochwälder und der Schlagwaldungen (in trockenem Holz) ausdrückende Coeffizienten.

Textabbildung Bd. 104, S. 104
|105|

Ich beschäftigte mich hier nur mit dem Brutto-Ertrag der Waldungen, ohne den relativen Werth des Nutzholzes und Brennholzes, der ganz zu Gunsten der Hochwälder ausfällt, in Rechnung zu ziehen, eben so wenig als die complicirte Capitalsverzinsung, welche man in der Regel vom finanziellen Gesichtspunkt aus bei den Schlagwaldungen als vor jener der Hochwälder den Vorzug verdienend darstellt. Ich behalte mir für eine spätere, rein forstwirtschaftliche Abhandlung vor, diese speciellen Fragen wieder aufzunehmen und zu untersuchen, welche Behandlung unter allen Beziehungen für die Waldungen mit dem größten Vortheil einzuführen ist.

Folgerungen.

Aus dem Vorstehenden und innerhalb der Gränze meiner Versuche glaube ich folgende Schlüsse ziehen zu können:

1) Die in dem Holze enthaltenen Procente Asche sind in allgemeinen Durchschnittszahlen:

bei sehr jungen Bäumchen 1,23
bei den Stämmen (corps) älterer Bäume 1,34
bei den Aesten, Zweigen 1,54
bei Reisbündeln 2,27

2) Das mittlere jährliche Product, per Hektare, von 16400 Hektaren Mittelwald in den Vogesen liegt zwischen folgenden Gränzen:

2,90 Sters und
7,46 „
47 Reisbünde
100 „
dem mittleren Producte
entsprechende Zahlen
im Vogesen-Sandstein,
im irisirenden Mergel.

Die Quantitäten trockenen Holzes, Kohlenstoffs, Wasserstoffs, Sauerstoffs, Stickstoffs und Asche, welche diesen Ziffern entsprechen, sind:

Trockenes Holz. Kohlenst. Wasserst. Sauerst. Stickst. Asche.
Vogesen-Sandstein 1137 565 68 477 11 16
Irisirender Mergel 2590 1288 157 1080 25 40

3) Das durchschnittliche jährliche Product (die Zwischenproducte der gelichteten Plätze inbegriffen) einer Hektare Hochwald in Baden liegt zwischen den Zahlen:

6,68 Kubikmeter
13,85 „
als mittleres
Product
hochstämmiger Weißbuchen,
„ Tannen.

Die diesen Ziffern entsprechenden Quantitäten trockenen Holzes, Kohlenstoffs, Sauerstoffs, Stickstoffs und Asche sind:

|106|
Trockenes Holz. Kohlenst. Wasserst. Sauerst. Stickst. Asche.
Hochstämmige Weißbuchen 2560 1245 153 1093 25 44
„ Tannen 3903 1894 236 1595 39 39

4) Die Waldungen im badischen Schwarzwalde und der Vogesen sind in einem ähnlichen Zustande der Vegetation.

5) Der Zuwachs der Schlagwaldungen ist nach der geologischen Beschaffenheit des Bodens verschieden, und zwar um so geringer, je durchdringlicher das Erbreich ist.

6) Dieser Einfluß der geologischen Beschaffenheit des Bodens scheint bei Hochwäldern nicht statt zu finden, sofern sie aus Holzarten bestehen, die sich für den Boden eignen. Ihr Zuwachs nimmt mit dem Alter bis zu einem gewissen Maximum zu, nach welchem er abnimmt.

7) Wenn man die Waldungen nach dem Grade der Fruchtbarkeit des Bodens classificirt, so findet man, daß die besten Schlagwaldungen (irisirender Mergel, Fruchtbarkeitsgrad „sehr gut“) im Durchschnitt per Hektare und im Jahr ungefähr 3500 Kilogr. trockenen Holzes erzeugen; während die schlechtesten Schlagwaldungen (Vogesen-Sandstein, Fruchtbarkeitsgrad „schlecht“) nur ungefähr 800 Kilogr. liefern.

Deßgleichen findet man, daß die besten Hochwälder (alle Holzarten durcheinander) im Durchschnitt per Hektare 4300 Kilogr., und die schlechtesten ungefähr 2100 Kilogr. trockenen Holzes erzeugen.

8) Wenn man endlich bei jedem Grade der Fruchtbarkeit den Zuwachs der Hochwälder mit demjenigen der Schlagwaldungen in verschiedenen Bodenarten vergleicht, so findet man den erstern immer viel größer, und wenn man ihn als Einheit annimmt, so wird der Zuwachs der Schlagwaldungen durch um so kleinere Coefficienten auszudrücken seyn, als der Grad der Fruchtbarkeit ein geringerer ist; woraus folgt, daß je schlechter der Boden ist, desto vortheilhafter es ist, die Waldung als Hochwald zu behandeln, sofern nur der Boden tief genug ist um die Entwickelung der Wurzeln zu gestatten; dann aber wird die Auswahl der Holzart nach dem Boden zur unerläßlichen Bedingung für den Erfolg.

Die frühern Abhandlungen des Verfassers über diesen Gegenstand wurden im polytechn. Journal Bd. XCI S. 372, Bd. XCV S. 367, Bd. XCIX S. 142 und Bd. CII S. 71 mitgetheilt.

|101|

Die Zwischen-Producte der gelichteten Stellen sind in dieser Tabelle nicht in Rechnung gezogen und würden die hier gegebenen Zahlen ungefähr um 15 Procente erhöhen.

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