Titel: Schattenmann, über die Anwendung der Ammoniaksalze zum Düngen.
Autor: Schattenmann, Charles-Henri
Fundstelle: 1847, Band 104, Nr. XLVIII. (S. 213–225)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/ar104048

XLVIII. Ueber die Anwendung der Ammoniaksalze zum Düngen; von Ch. H. Schattenmann, Bergwerks-Director zu Buchsweiler.

Aus dem Moniteur industriel, 1847 Nr. 1120.

Im Jahr 1843 übergab ich der (franz.) Akademie der Wissenschaften in ihrer Sitzung am 13. Nov. eine Abhandlung über einige Versuche bezüglich der Anwendung der Ammoniaksalze als Düngmittel.

Schon damals war die fruchtbarmachende Kraft der Ammoniaksalze für verschiedene Culturgewächse dem Principe nach außer Zweifel; ihre praktische Anwendung aber und der Grad ihrer Nützlichkeit noch durch Versuche zu ermitteln. Die damals mitgetheilten Versuche wurden mit Ammoniaksalzen angestellt, welche in einer großen Menge Wassers (2 Kil. in 100 Kil. Wasser) aufgelöst waren. Dieses Verfahren war kostspielig und schwierig auszuführen, selbst wenn auf den Feldern Wasser zu haben war. Um die Ausbreitung dieses flüssigen Düngers zu erleichtern, benutzte ich im J. 1844 Karren mit Fässern, die mit Gießröhren versehen waren, und eine Pumpe, um das erforderliche Wasser an Ort und Stelle zu haben. Ungeachtet dieser Anordnungen blieb die Anwendung dieser aufgelösten Ammoniaksalze immer kostspielig und schwierig.

Im J. 1845 versuchte ich die gesiebten Ammoniaksalze mit der Hand zu verbreiten. Dieses Verfahren gelang vollkommen und läßt nichts zu wünschen übrig; denn es ist so leicht als wohlfeil auszuführen. Man muß darauf Acht geben, daß man dieses Salz nur zu einer Zeit verbreitet, wo die Pflanzen nicht naß sind, damit es nicht an ihnen hangen bleiben und ihnen nachtheilig werden kann. Durch eine im Säen geübte Hand ausgestreut, wird dieses Salz recht gleichförmig auf dem Boden verbreitet und ist dann von gleichmäßigerer Wirkung als der flüssige Dünger, welcher rascher ausfließt wenn das Faß voll ist als wenn es auf die Neige geht, auch auf der Seite, auf welche sich der Karren sehr oft hinüberneigt, in reichlicherm Maaße ausläuft.

Die im J. 1845 auf diese Weise angestellten Versuche überraschten die Landwirthe in ihren Wirkungen, und da alle Schwierigkeiten beseitigt waren, zögerten sie nicht mehr auf ihren Feldern die nämlichen Versuche anzustellen, welche in der Regel gut ausfielen. Nachdem hiemit der erste Impuls gegeben war, wurden im J. 1846 Versuche von ziemlicher Ausdehnung mit dem neuen Düngsalz gemacht und die Resultate waren so befriedigend, daß gegenwärtig nicht mehr der geringste Zweifel |214| über die ungeheuren Vortheile obwalten kann, weiche der Landwirth aus diesem neuen, die Fruchtbarkeit befördernden Mittel ziehen kann, welches ein wohlfeiles Ersatzmittel des Stalldüngers ist und dadurch gestattet den Viehstand eines Gutes nach der Menge des verfügbaren Futters einzurichten. Die Anwendung der ammoniakalischen Salze als Dünger löst also eines der allerschwierigsten landwirthschaftlichen Probleme, nämlich nur eine solche Anzahl Vieh zu halten, wie man sie leicht ernähren kann und einen zur Ergänzung dienenden Dünger aufzufinden, den man sich überall wohlfeil verschaffen kann, wo kein zahlreicher Viehstand gehalten werden kann. Ein Boden in abgelegenen Gegenden, der gegenwärtig einen nur unbedeutenden Ertrag liefert, kann in Zukunft vermittelst schwefelsauren Ammoniaks mit gutem Erfolg cultivirt werden.

So groß jedoch die Vortheile seyn mögen, welche die Ammoniaksalze als Dünger gewähren, so bin ich weit entfernt sie ausschließlich angewandt sehen zu wollen; im Gegentheil würde ich es für einen großen Fehler halten, den Stalldünger, welchen man, ohne sich zu große Lasten aufzulegen, sich verschaffen kann, zu vernachlässigen. Dieser Dünger ist – namentlich wenn man das Ammoniak in demselben in schwefelsaures oder salzsaures Ammoniak verwandelt, welche nicht so flüchtig sind wie das in ihm enthaltene kohlensaure Ammoniak39) – eine schätzbare Quelle für die Pflanzenernährung, die nicht vernachlässigt wurden darf und den Vorzug besitzt, daß durch sie der Erde beständig die Stoffe wieder ersetzt werden, welche ihr durch die Vegetation entzogen wurden. Anders zu verfahren, wäre gegen die natürliche Ordnung des Feldbaues; denn ein Erdreich, dem die Stoffe nicht wieder ersetzt würden welche die Pflanzen in sich aufnahmen, müßte seine Fruchtbarkeit verlieren und bald erschöpft seyn.

Vergangenen Herbst besäete ich denselben Boden schon zum viertenmal mit Weizen und habe nicht gefunden, daß die drei vorausgehenden Ernten schwächer ausgefallen wären im Vergleich mit derjenigen der benachbarten Feldstücke, die erst zum ersten- und zweitenmal mit Weizen besäet worden waren. Ich werde diesen wichtigen Versuch fortsetzen, um zu sehen wie oft dasselbe Feld bei Anwendung von Ammoniaksalz mit Weizen bebaut werden darf.

Das Resultat meiner frühern Versuche, daß sich die Ammoniaksalze als Dünger vorzüglich für die Getreidearten eignen, bestätigt sich |215| durch meine spätern Versuche; die Anwendung desselben für Wiesen gewährt bei weitem keinen so großen Nutzen.

Ich fand, daß ausgelaugte Holzasche und die Rückstände mit Kali geglühter thierischer Substanzen von der Blutlaugensalzfabrication für Wiesen ein wirksamerer und vortheilhafterer Dünger sind. Es rührt dieß daher, daß das Ammoniak nur auf die Gramineen (Gräser) kräftig einwirkt, das Wachsthum des Klees aber und der Leguminosen (Hülsenfrüchte) überhaupt nicht befördert, während die kalihaltige ausgelaugte Asche ein guter Dünger für die letztem, aber auch für die Gramineen von Nutzen ist.

Im verwichenen Sommer gediehen die Cerealien durch das Ammoniaksalz trotz des beinahe beständigen Mangels an Regen. Die mit schwefelsaurem Ammoniak gedüngten Wiesen litten weit mehr durch die Trockne; denn in sehr trockenem Erdreich hatte das Gras zwar eine sehr dunkle Farbe, entwickelte sich aber nicht sehr stark.

Ich werde weiter unten die nähere Anleitung zur Anwendung der Ammoniaksalze geben, wovon 50 bis 100 Kilogr. per Hektare, je nach dem Zustand des Bodens und der Art der angebauten Frucht hinreichen, um eine und sogar zwei Ernten ertragreich zu machen.

Mein Verfahren ist höchst einfach, und eine Menge Landwirthe im Elsaß und Lothringen, welchen ich große Quantitäten schwefelsauren Ammoniaks zugeschickt hatte, schrieben mir die günstigsten Berichte über die von ihnen erhaltenen Resultate.

Die Nachfrage nach diesem Salze hat auch schon sehr zugenommen, so daß es gegenwärtig schon als bereits in die Praxis übergegangen betrachtet werden darf.

Ich glaube hier einige der auffallendsten Resultate, die erhalten und mir brieflich mitgetheilt wurden, auszugsweise mittheilen zu sollen.

Versuche des Hrn. Baron v. Gail40), Gutsbesitzers und Maire zu Mülhausen, Bezirk Buchsweiler, über die Anwendung des schwefelsauren Ammoniaks als Dünger.

Der gute Erfolg, welchen ich im J. 1845 vom schwefelsauren Ammoniak auf den Wiesen hatte, veranlaßte mich diese Versuche im Jahr |216| 1846 in größerm Maaßstabe fortzusetzen und auf Cerealien auszudehnen.

Wiesen.

Ich wählte zu diesem Versuche eine am Fuße eines Hügels gelegene Wiese mit thonigem Erdreich, die kein anderes als Regenwasser hat. Sie mißt im Ganzen 144 Ares. Ich theilte sie in 8 Theile von je 18 Ares ab, deren gerade Nummern per Are 1 Kil. schwefelsauren Ammoniaks erhielten, welches am 16. April 1846 mit der Hand ausgestreut wurde. Die Ernte fand am darauffolgenden 20. Junius statt und gab folgende Resultate:

Textabbildung Bd. 104, S. 216
|217|

Nach diesen Berechnungen war der Ertrag an Heu:

Auf der gedüngten Hektare 5,500 Kil. Heu im Geldwerth von 265 Fr.
„ nicht gedüngten 3,700 „ deßgl. 223 „
–––––––– ––––––
Mehrbetrag an Heu 1800 und des Geldwerths 42 Fr.

Ich verwendete auf 25 Ares einer Wiese von sehr magerm Thonboden 50 Kilogr. schwefelsauren Ammoniaks, welche ich auf zweimal, nämlich am 16. und 30. April dort verbreiten ließ. Ich fuhr wohl dabei, indem diese Wiese, welche früher nur 20 Kilogr. Heu per Are gab, nun 60 Kilogr. gab, und die Kosten also reichlich gedeckt wurden; jedoch ist der Ertrag des doppelten Quantums schwefelsauren Ammoniaks dem des gewöhnlichen von 1 Kilogr. per Are, welches in obigem Versuche 55 Kilogr. Heu per Are ergab, nicht proportional. Ich glaube daher daß man bei 1 Kilogr. als Maximum stehen bleiben sollte, welches ich, es sey denn in Ausnahmsfällen, nicht überschreiten werde.

Weizen.

Am 15. April ließ ich auf einem mit Weizen angesäeten eisenhaltigen Thonboden per Are 1 Kilogr. schwefelsauren Ammoniaks verbreiten. Dieser Boden, sonst von schlechter Beschaffenheit und schwierig anzubauen, war durch Kalkzusatz und fleißige Bearbeitung verbessert worden.

Textabbildung Bd. 104, S. 217
|218|

Der Ertrag an Weizen stellt sich nach obiger Berechnung:

Für die Hektare mit Stalldünger:
2,500 Liter Weizen v. 1,950 Gew. u. 7,500 Kil. Stroh; Werth 200 Fr.
Für die Hekt. mit
schwefels. Ammon.
2,075 „ 1,618 „ 6,250 „ „ 200 „
––––– ––––––– –––––– ––––––
Unterschiede: 425 Liter Weizen v. 332 Gew. u. 1,250 Kil. Stroh; Werth 400 Fr.
Um die Nachwirkung des Stalldüngers auszugleichen, müssen drei Jahre
Düngung mit 100 Kil. schwefels. Ammoniaks per Hektare, also 300
Kilogr. dieses Salzes, 100 Kil. zu 65 Fr., in Abzug gebracht werden mit


195 „
–––––
Reiner Nutzen per Hektare, ohne die Nachwirkung des Ammoniaks in Rechnung
zu bringen

205 Fr.

Es ist nicht zu verwundern, daß eine reichliche Düngung mit Stalldünger im Herbst besser wirkte, als die mit 1 Kilogr. schwefelsauren Ammoniaks per Are, erst am 15. April verbreitete. Dessenungeachtet fällt der Anschlag in Geld noch zu Gunsten des Ammoniaksalzes aus. Da nämlich bei 16 Ares der Mehrertrag des Products über die Unkosten 64 Fr. betrug, so würde dieser Betrag hinreichen, um denselben Flächenraum noch weitere sechs Jahre mit schwefelsaurem Ammoniak zu düngen, wenn man diesem Salze auch nur Wirkung auf das gegebene Jahr zuschreiben will; über 3–4 Jahre hinaus kann auch der Stalldünger nicht wirksam seyn.

Textabbildung Bd. 104, S. 218
|219|

Der Ertrag an Weizen stellt sich also nach obiger Berechnung wie folgt:

Die mit 100 Kilogr. schwefelsauren Ammoniaks gedüngte Hektare gab
1,666 Lit. Weizen v. 1,300 Kil. Gewicht u. 5,066 Kil. Stroh;
Werth 471 Fr. – Ct.
Die nicht gedüngte Hektare
1,041 „ 770 „ 3,333 341 „ 66 „
Mehrbetrag p. ––––– –––––– –––––– ––––––––––
Hektare: 625 Liter von 530 Kil. Gewicht u. 1,733 K. St. = 129 Fr. 34 Ct.

Die Bemerkung dürfte nicht überflüssig seyn, daß das Hektoliter unter Mitwirkung des schwefelsauren Ammoniaks erzeugten Weizens 78 Kilogr. wiegt, während der ohne Düngung erzeugte Weizen nur 74 Kil. wiegt. Das Ammoniaksalz verbessert sonach den Weizen und gibt ihm größern Werth.

Roggen.

Ein Bezirk von 256 Ares eines eisenhaltigen thonigen Sandbodens mit undurchdringlichem Unterboden, der bei nassem Wetter morastig wird und in der Sonnenhitze stark austrocknet, wurde mit Roggen angesäet. Am 31. März wurde per Are 1 Kilogr. schwefels. Ammoniaks mit der Hand verbreitet, mit Ausnahme eines einzigen Stücks von 12 Ares in der Mitte des Bezirks. Der Ertrag dieses Stücks sowie zweier daneben liegender Abtheilungen ergab sich wie folgt:

Textabbildung Bd. 104, S. 219
|220|

Der Ertrag des gedüngten Roggens stellt sich sehr günstig.

Es wurden nämlich erhalten:
Von der mit 100 Kilogr. dieses Salzes gedüngten Hektare
3 308 Lit. Roggen von 2,475 Kil. Gewicht und 11,900 Kil. Stroh; Werth 841 F. 08 Ct.
Von der nicht gedüngten Hektare
2,333 1,750 8,000 623 „ 33 „
––––– ––––– –––––– ––––––––––
Mehrbetrag der Hektare
975 Liter von 725 Kil. Gewicht und 3,900 Kil. Stroh; Werth 217 Fr. 55 Ct.

Hafer.

Ein Bezirk von 160 Ares eines eisenhaltigen Thonbodens mit undurchdringlichem Unterboden, der früherhin schwierig anzubauen, durch Kalkzusatz aber und fleißige Bearbeitung verbessert worden war, wurde mit Hafer angesäet. Am 29. Mai 1846 wurde per Are 1 Kil. schwefelsauren Ammoniaks mit der Hand verbreitet, mit Ausnahme eines Stücks von 15 Ares in der Mitte des Bezirks. Der Ertrag dieses Stücks, sowie zweier daneben liegenden, ergab sich wie folgt:

Textabbildung Bd. 104, S. 220
|221|

Der Hafer ist von der besten Qualität, denn er wiegt 50 Kil. per Hektoliter.

Der Ertrag an Hafer bei Ammoniak-Düngung stellt sich günstig; denn obige Berechnungen ergeben:

Von der mit 100 Kil. schwefelsauren Ammoniaks gedüngten Hektare
5,480 Liter Hafer von 2,740 Kil. Gewicht und 4,700 Kil. Stroh; Werth 459 Fr. 80 Ct.
Von der nicht gedüngten Hektare
4,200 2,100 3,600 402 „ – „
––––– ––––– –––––––––––
Mehrbetrag
1,280 Liter Hafer von 640 1,100 57 Fr. 80 Ct.

Der Mangel eindringenden und wirksamen Regens vom 20. Mai 1846 an bis zum Herbst that der Ernte bedeutenden Eintrag, sonst wären obige verschiedenen Kulturen noch viel reichlicher ausgefallen.

Mülhausen, 20. Dec. 1846.

v. Gail.

Versuche welche vom Pfarrer L. Heydenreich zu Sulz unter dem Walde, Niederrhein, angestellt wurden.

Hr. Heydenreich konnte ein Stück Land von 93 Ares der fünften Classe, d.h. von der schlechtesten Qualität des Ortsgebiets, welches vom langen Anbau ohne Düngung völlig erschöpft war, wie dieß gegen das Ende auf lange Zeit abgeschlossener Pachtverträge gewöhnlich der Fall ist, zu keinem anständigen Preis verpachten, und entschloß sich daher es selbst anzubauen und in Ermangelung von Stalldünger schwefelsaures Ammoniak anzuwenden. Die Landwirthe von Sulz, seine Pfarrkinder, suchten ihn davon abzubringen und versicherten ihn, daß die Ernte die Kosten des Anbaues nicht lohnen würde. Hr. Heydenreich aber bestand auf seinem Entschluß und zwar mit dem besten Erfolge. Das genannte Stück Land von 93 Ares war in zehn Stücke abgetheilt, deren neun von 87 Ares Gehalt im Monat April mit Hafer angesäet wurden. Eine Abtheilung erhielt gar keinen Dünger, eine andere 1 Kilogr. schwefelsauren Ammoniaks per Are, und die sieben übrigen nur 1/2 Kil. per Are. Trotz der ungünstigen Witterung (der großen Trockne) gedieh der mit schwefelsaurem Ammoniak gedüngte Hafer vortrefflich. Der Hafer der mit 1 Kil. per Are gedüngten Abtheilung erreichte eine Höhe von 60 Centimeter, der mit 1/2 Kil. gedüngte eine Höhe von 40 bis 50 Centimet., während der gar nicht gedüngte kaum 30 Centimet. hoch wurde und wenig Halme trieb, wovon ein Theil nicht die Kraft hatte Aehren zu erzeugen.

|222|

Die Landwirthe verfolgten aufmerksam die Fortschritte des kräftigen Wachsthums des gedüngten Hafers.

Hr. Heydenreich zeichnete die Resultate dieses Feldbaues nicht genau auf; aber aus seinen beiden Briefen vom 3. und 18. Septbr. ist ersichtlich, daß er auf den 87 Ares Land erntete: 14 Hektol. 72 Liter Hafer von 773 Kilogr. Gewicht. Dieser Hafer ist von vortrefflicher Qualität, indem das Hektoliter desselben 52 1/2 Kil. wiegt. Das Product der nicht gedüngten Abtheilung nimmt Hr. Heydenreich zu einem Drittheil an Garben und zu einer verhältnißmäßig noch geringern Quantität Hafers an.

Hr. Carl, Gutsbesitzer und Maire zu Molsheim, verbrauchte im J. 1846 sehr viel schwefelsaures Ammoniak. Er zeichnete zwar das Ergebniß seiner Ernten nicht genau auf, allein seine Resultate waren in der Regel vortrefflich.

60 Ares Roggen, auf welche er 1 1/2 Kilogr. schwefelsaures Ammoniak per Are verbreiten ließ, wuchsen so kräftig daß alle Landwirthe darauf aufmerksam wurden.

Eine Hektare Hafer von kiesigem, mit Alluvialsand gemischtem, mit 1/2 Kil. schwefelsaurem Ammoniak per Are gedüngtem Boden, gab trotz der Trockne 8 Hektol. Hafer mehr als gewöhnlich.

16 Hektare Wiesen, die Hälfte kiesiger, mit Alluvialsand gemischter, die andere Hälfte ein schwerer Boden, mit 1 Kil. schwefelsaurem Ammoniak per Are gedüngt, gaben eine doppelte Ernte. Auch der Rübsamen (Colza) gedieh vortrefflich durch diesen Dünger.

Versuche des Hrn. Ph. Erckmann zu Pflazburg (Meurthe).

Hr. Erckmann säete auf seinem Gut zu Ruhling ein Stück Land von 64 Ares, welches wegen seiner Abgelegenheit noch nie gedüngt worden war, mit Weizen an. Nachdem es in acht Stücke abgetheilt war, erhielt jedes Stück im April 1846 5 Kil. schwefels. Ammoniaks, nur eines derselben wurde gar nicht gedüngt.

Die mit schwefelsaurem Ammoniak gedüngten Theile gaben

22 Garben und 121 Liter Weizen
Die nicht gedüngten Theile nur 16 „ und 81 „
–– –––––
Unterschied im Theil von 8 Ares 6 Garben und 40 Liter Weizen
Producte der gedüngten Hektare 1512 Liter Weizen
„ der nicht gedüngten Hektare 1012 „
–––––
Mehrbetrag per Hektare 500 Liter Weizen.
|223|

Der geerntete Weizen ist von ausgezeichneter Güte, denn das Hektoliter wiegt 78 Kil.

Hr. Erckmann glaubt daß die geringen Kosten des schwefelsauren Ammoniaks schon durch den Mehrbetrag an Stroh gedeckt wurden.

Hr. Erckmann, welcher das schwefelsaure Ammoniak auch auf einer trockenen Wiese anwandte, fand hier keine andere Wirkung als daß das Gras grüner wurde.

Ich bin überzeugt daß der Grund des auch von andern Landeigenthümern beobachteten Mangels an Wirkung in diesem Falle nur in der fehlenden Feuchtigkeit zu suchen ist, durch welche das Wachsthum des Grases aufgehalten wurde trotz des schwefels. Ammoniaks, welches ihm jedoch mehr Kraft gab. Es muß hier überhaupt bemerkt werden daß die Trockne das Wachsthum der Cerealien nicht aufhält, die mit Ammoniaksalz gedüngt, ungeachtet einer außerordentlichen Trockne, wie der vorjährigen, gedeihen und Frucht tragen.

Mein Gut, auf welchem ich Weizen baue, litt voriges Jahr sehr viel durch die starken Regengüsse im April, wodurch ich verhindert bin vergleichende Versuche meiner Weizenernte zu geben. Hingegen will ich die merkwürdigen Wirkungen mittheilen, die ich auf einem Theil dieses Gutes, einer trockenen nicht bewässerbaren Wiese, beobachtete.

35 Ares Wiese, die mit 40 Hektolitern Thierkohle von der Blutlaugensalz-Fabrication, das Hektoliter zu 50 Centimes, gedüngt worden waren, gaben 2330 Kilogr. Heu von vorzüglicher Güte, unter welchem sich gelb- und weißblüthiger Wiesenklee befand.

Die Hektare gibt sonach 6657 Kil. Heu, 100 Kil. zu 6 Fr. 399 Fr. 42 Ct.
Product der danebenliegenden,
in gutem Zustand erhaltenen Hekt.

3264 „ „ „

195 „ 66 „
–––– –––––––––––––
Mehrbetrag 3393 Kil. 203 Fr. 76 Ct.
40 Hektoliter Thierkohle zu 0,50 Cent. Ankauf
Fuhrlohn und Verbreitung 0,20
–––––
0,70 per Hektoliter 28 Fr. – Ct.
–––––––––––––
Nutzen per Hektare 175 Fr. 76 C. (?)

Dieses auch von andern Landbesitzern bestätigte merkwürdige Resultat überzeugte mich, daß Holz- und Pflanzenasche, sowie die Asche thierischer Substanzen für die Wiesen sich weit besser eignen als die Ammoniaksalze, und daß daher überall, wo man sich dergleichen Aschen zu einem billigen Preis verschaffen kann, ihnen der Vorzug zu geben ist. Das Ammoniaksalz wirkt, wie oben schon gesagt, auf Klee und |224| Luzerne sehr wenig, so daß seine Wirkung auf Wiesen sich auf die Gräser beschränkt41), während die verschiedenen Aschen auf die Gräser und Hülsenfrüchte zugleich wirken.

Es ist allgemein bekannt, daß besagte Aschen auf Wiesen verbreitet, auf welchen keine Spur von Klee war, selben in einem einzigen Jahrgang in großer Menge hervorbringen.

Doch fehlt es nicht an Beispielen, daß auch Ammoniaksalze auf Wiesen sehr gute Wirkung thun, wie obige Resultate des Hrn. v. Gail darthun. Ein noch überraschenderes Beispiel ist die ungeheure Menge Heues, welche die Wittwe Wiber in einem Obstgarten zu Buchsweiler erhielt, dessen Boden Wiesengrund ist.

16 Ares dieses Obstgartens wurden im März 1846 mit 15 Kilogr.
schwefels. Ammoniaks gedüngt und gaben 1,180 Kilogr. Heu;
derselbe Grund hatte im J. 1845 nur 654 Kil. Heu gegeben.
per Hektare 7,375 Kil. Heu, 100 Kil. zu 6 Fr. = 442 Fr. 50 Ct.
„ im J. 1845 4,087 „ „ „ = 245 „ 22 „
–––– ––––––––––––
Mehrbetrag 3,288 „ „ „ = 197 Fr. 28 Ct.
Werth von 93 3/4 Kil. schwefels. Ammoniaks, 100 Kilogr. 65 Fr. = 61 Fr. 06 Ct.
––––––––––––
Nutzen per Hektare 136 Fr. 22 Ct.

Dieser Erfolg ist leicht zu erklären, indem auf Wiesen von vielen Gräsern das Ammoniaksalz nothwendig große Wirkung thun muß, während auf solchen, wo Klee und Hülsenfrüchte vorwalten, das Ammoniak von geringer, hingegen Kali enthaltende Asche von größerer Wirkung ist.

Das Ammoniak ist in Folge seines großen Stickstoffgehalts ein die Fruchtbarkeit wesentlich beförderndes Element. Wenige Pflanzen können es entbehren, und nur im Klee und den Hülsenfrüchten fand ich bisher eine Ausnahme. Es ist sonach einer großen Anwendung fähig; doch dürfte seine Wirkung geringer seyn, wo der Boden mit den zum Gedeihen der Pflanzen ebenfalls nothwendigen mineralischen Salzen nicht mehr versehen oder daran verarmt ist. In solchen Fällen ist für diese zu sorgen; so haben vielfache Erfahrungen schon bewiesen, daß bei einem Erdreich, dem es an Kalk gebricht, das Kalken außerordentlich gute Wirkung hat.

|225|

Die Erzeugung von Cerealien und Kräutern auf einem gegebenen Flächenraum hat ihre Gränzen, und es wäre ein großer Fehler, wenn man durch Anwendung eines Uebermaaßes von Dünger die Production über ihre natürlichen Gränzen hinaus treiben wollte. Der im Uebermaaß angewandte Dünger überreizt die Vegetation, das Getreide legt sich um, gibt viel Stroh und wenig Körner, und das Gras der Wiesen fault schon vor seiner Reife. Auf diese Weise würden ausdauernde Pflanzen und der Wiesenwachs nicht durch die Natur des Düngers, sondern durch seine übermäßige Anwendung getödtet. Dieß gilt aber nicht nur von den Ammoniaksalzen, sondern auch von in Uebermaaß angewandtem Stalldünger.

Meine neuern Versuche ergaben, daß die Anwendung von 100 Kil. schwefelsauren Ammoniaks für die Hektare Felder oder Wiesen ein nicht zu überschreitendes Maximum ist. Bei gut gehaltenen Getreidefeldern möchte ich sogar die Verminderung dieses Quantums auf 50 Kilogr. empfehlen, um sich nicht, namentlich in feuchten Jahren, der Gefahr auszusetzen daß sich das Getreide umlege. Dieß geschah mir im Jahr 1845; die Trockne des Jahres 1846 aber gestattete nicht daß dieser Umstand sich wiederholte. Auf Wiesen können ohne Anstand 100 Kil. genommen werden.

Die Ammoniaksalze müssen immer im Frühjahr verbreitet werden, sobald die Vegetation in Thätigkeit tritt, weil es von Wichtigkeit ist daß die Pflanzen die größtmögliche Entwickelung nehmen, ehe eine höhere Temperatur die Blüthenstengel in die Höhe treibt. Diese Stengel sind dann um so zahlreicher und kräftiger je besser der Stock der Pflanze sich entwickelt hat.

Auch fand ich es von Vortheil, das halbe Quantum der Ammoniaksalze auf der Herbstsaat zu verbreiten, sobald diese aufgegangen ist, weil der Stickstoff der ersten Entwickelung der Samenkörner sehr förderlich, ja unentbehrlich ist. Das Wachsthum der Cerealien muß auf diese Weise erstärkt und entwickelt werden, damit sie den Witterungs-Einflüssen des Winters Widerstand leisten und im Frühjahr kräftig treiben können.

|214|

Man vergleiche meine Anleitung hiezu in der vorhergehenden Abhandlung.

|215|

Hr. Baron v. G. bewirthschaftet ein großes, von ihm sehr verbessertes Gut; derselbe erhielt am 27. Dec. 1846 von der niederrhein. Gesellschaft für Wissensch., Ackerbau etc. den Preis von 500 Fr. für die bestgehaltene Landwirthschaft und den Preis von 100 Fr. für Kalkdünger. Er verwendete im J. 1846 über 3000 Kilogr. schwefelsauren Ammoniaks.

|224|

Doch beobachtete ich eine gute Einwirkung des schwefelsauren Ammoniaks auf den Weißkohl, den rothen Kohl, die Kohlrabe und den Blumenkohl; mehr noch wirkt es auf den Spinat.

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