Titel: Ueber Verfälschung des Bleiweißes, von Louyet in Brüssel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 104/Miszelle 5 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/mi104mi01_5

Ueber Verfälschung des Bleiweißes, von Louyet in Brüssel.

Ich erhielt unlängst drei Muster von verschiedenen Sorten Bleiweiß, welches für die Ausfuhr bestimmt war. Wahrscheinlich brachte die entfernte Bestimmung dieser Producte den Fabrikant auf die Meinung, daß er sich in gar keinen Schranken mehr zu halten brauche und daß die Consumenten dieser Artikel zu unwissend seyen, um einzusehen, daß, was ihnen als Bleiweiß verabfolgt wird, eben so gut schwefelsaurer Baryt genannt werden könnte.

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1 Gramm des Musters Nr. 1 im Platintiegel der Rothglühhitze ausgesetzt,
bis es vollständig in Bleiglätte verwandelt war, verlor

0,100
Wiederholtes Ausglühen veranlaßte keinen weiteren Verlust.
1 Gramm des Musters Nr. 2 verlor bei ähnlicher Behandlung 0,049
1 Gramm von Nr. 3 verlor 0,037

Das Product, welches Nr. 1 beim Glühen lieferte, wurde mit reiner Salpetersäure gekocht, die Flüssigkeit mit Wasser verdünnt und wieder gekocht. Es blieb ein gelblicher Rückstand, obgleich die Flüssigkeit stark sauer war; derselbe wurde auf einem Filter gesammelt, mit kochendem Wasser gut ausgewaschen, getrocknet und geglüht; er wog 0,305. Ich muß noch bemerken, daß der Rückstand, welchen man beim Glühen von Bleiweiß Nr. 1 erhielt, dunkler roth war als der von Nr. 2 und daß der Rückstand von Nr. 3 fast weiß war. Der Rückstand, welchen Nr. 1 nach der Behandlung mit Salpetersäure hinterließ, gab beim Erhitzen mit Soda auf Holzkohle vor dem Löthrohr einen geschmolzenen Rückstand, welcher auf ein blankes Silberblech gebracht und dann befeuchtet, einen bleibenden schwarzen Fleck hervorbrachte. Dieß ist eine charakteristische Eigenschaft der schwefelsauren Salze und ich habe mich durch weitere Versuche überzeugt, daß das dem kohlensauren Blei beigemengte schwefelsaure Salz in Schwerspath bestand. Die Auflösung, welche ich beim Digeriren des Bleiweiß Nr. 1 mit Salpetersäure erhielt, wurde mit Schwefelsäure gefällt; das niedergeschlagene schwefelsaure Blei wog nach dem Glühen 0,765 und entspricht also 0,563 Oxyd, welches mit 0,111 Kohlensäure 0,674 neutrales kohlensaures Blei bildet. Hienach hätten also 0,111 Kohlensäure gefunden werden sollen, während der Verlust des Bleiweiß beim Glühen nur 0,100 betrug. Dieser Unterschied rührt daher, daß nicht alles Bleioxyd mit Kohlensäure verbunden, sondern ein kleiner Theil desselben im Zustand von Hydrat ist; da aber das Aequivalent des Wassers viel kleiner als das der Kohlensäure ist, so erhielt ich eine zu hohe Zahl, als ich alles Oxyd als mit Kohlensäure verbunden berechnete; man muß daher 0,011 von 0,674 abziehen, wonach 0,663 bleibt.

Das Bleiweiß Nr. 2 wurde auf dieselbe Art behandelt, der Antheil, welchen Salpetersäure nicht auflöste, wurde ausgewaschen, getrocknet und geglüht, und wog dann 0,660. Die salpetersaure Auflösung lieferte 0,360 schwefelsaures Blei, welches 0,264 Bleioxyd enthält, das mit 0,052 Kohlensäure verbunden 0,316 kohlensaures Blei bildet. In diesem Falle differirt die für die Kohlensäure berechnete Zahl sehr wenig von der gefundenen. 1 Gramm von Nr. 3 hinterließ bei der Behandlung mit Salpetersäure 0,718 Rückstand; diese Sorte lieferte 0,277 schwefelsaures Blei, welches 0,203 Oxyd enthält, das sich mit 0,040 Kohlensäure zu 0,243 kohlensaurem Blei verbindet.

Nach diesen Analysen haben die Bleiweiße folgende Zusammensetzung:

1 Gramm von Nr. 1 enthält 0,695 Bleiweiß und 0,305 Schwerspath
Nr. 2 0,340 0,660
Nr. 3 0,282 0,718

Man kann daher mit Recht sagen, daß diese Artikel eben so gut unter der Benennung Schwerspath verkauft werden könnten. (Bulletin du Musée de l'Industrie, 1846.)

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