Titel: v. Frankenstein's Erfindung im Beleuchtungswesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 104/Miszelle 7 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/mi104mi01_7

v. Frankenstein's Erfindung im Beleuchtungswesen.

Die deutsche Gewerbezeitung, 1847 Nr. 24 theilt hierüber folgendes Schreiben des Erfinders mit:

„Schon durch längere Zeit mit vielseitigen Versuchen über die Vermehrung der Leuchtkraft der gewöhnlichen, der schwach oder gar nicht leuchtenden Lichtstammen (wie jene des Weingeistes, Kohlenoxyd- und Wasserstoffgases) beschäftigt, bin ich im Verfolge der theoretischen Principien über diesen Gegenstand, und gestützt auf Thatsachen, die eine nähere Kenntniß mit den physikalisch-chemischen Eigenschaften der Körper bei ihrer Wärme- und Lichtentwickelung voraussetzen, zu der für unser Beleuchtungswesen so höchst wichtigen Entdeckung gelangt, mit Anwendung eines Brenners von eigenthümlicher Construction, Form und Materie, ganz verschieden von allen bis jetzt bekannten Vorrichtungen bei Argand'schen, Sideral, Oelgas-, Terpenthin-, Spiritus-, Holzgeist- und Aether-Lampen mit einfachem oder doppeltem Luftzuge, oder allen andern wie immer Namen habenden Lampen, die Lichtintensität jeder gewöhnlichen Oel- oder Gasflamme in dem Grade zu steigern, daß mit Ersparung von 5 bis 6mal größere Lichteffecte, bei schwach leuchtenden oder gar nicht leuchtenden Flammen aber die 50 bis 100fache Leuchtkraft hervorgebracht wird. – Die für die praktische Anwendung dieser höchst erfreulichen Entdeckung sich herausstellenden Vortheile sind daher im wesentlichen folgende: 1) eine gewöhnliche Weingeistflamme mit einem Dochte von 4 bis 5 Linien Durchmesser spendet bei Aufsetzung meines Brenners und Leuchtstoffes (der gar keinen besonderen Apparat als einen einfachen Glascylinder von eigenthümlicher Form erfordert) ein höchst intensives glänzendes weißes Licht, so daß es den Raum eines gewöhnlichen Zimmers vollkommen erhellt, und dabei auch ein schwaches Auge vollkommen lesen und schreiben kann. Da die Weiße und Helligkeit dieses Lichtes dem des Vollmonds ähnlich ist, so habe ich dieser Art der Weingeistbeleuchtung den Namen Lunar-Licht beigelegt. Eine Quantität von 1/4 Seitel Weingeist per 2 kr. Conv.-Münze ist hinreichend, diese Leuchtkraft 8 bis 10 Stunden lang zu unterhalten, ohne daß dabei der Brenner gewechselt werden darf. 2) Jede Argandische oder andere Oellampe, welche mit diesem Universal-Brenner versehen ist, leistet bei halber Consumtion wenigstens das Dreifache ihres sonstigen Lichtvermögens. (Die genauen Angaben nach vorzunehmenden Lichtmessungen werde ich nächstens nachzutragen nicht ermangeln.) Die Lichtintensität ist so groß, daß sie das Auge gleich dem Sonnenlichte kaum zu ertragen vermag, und der Effect übertrifft alle Erwartungen. Jeder, der nur einmal diese Lichtaffection empfunden hat, wird davon unwillkürlich zum Staunen hingerissen. 3) Für die Gasflammen gewährt dieser Brenner die namhaftesten Vortheile, da man bei Anwendung desselben jedes, auch aus der schlechtesten Qualität von Steinkohlen gewonnene, viel Kohlenoxyd und nur wenig Kohlenwasserstoff enthaltende Gas verwenden kann, wobei noch der 3 bis 5fache Lichteffect gegen das gleiche Quantum gut leuchtendes Gas erreicht wird. Die hiezu erforderliche Vorrichtung für derlei Brenner zu Gasflammen ist so höchst einfach und so wenig kostspielig, daß selbe besonders in letzterer Hinsicht gar nicht in Betracht zu stellen ist; denn 500 Gasflammen, mit diesen |78| Brennern versehen, erfordern bloß eine tägliche Auslage von höchstens 1 fl. C.-M. Die Gasbeleuchtungsgesellschaften werden daher aus dieser Erfindung ohne Zweifel den größten Nutzen ziehen können. Außerdem unterliegt es keinem Zweifel, daß dieser Leuchtbrenner allenthalben in jeder Haushaltung so wie in öffentlichen Anstalten allgemein in Anwendung kommen werde. – Da diese Entdeckung zu den interessantesten und wichtigsten unserer Zeit gehört, so dürfte dieselbe, wenn gleich sie unter Einem durch den Schutz eines kaiserl. königl. österreichischen ausschließlichen Privilegiums gesichert wird, dennoch mit Grund auf eine Nationalanerkennung Anspruch machen können. – Ich ersuche daher alle geehrten Redactionen politischer und industrieller Journale, diese vorläufige Notiz in ihre Spalten aufzunehmen, und bin bereit, den hohen Regierungen oder einzelnen Gesellschaften, welche von meinem Privilegiumsrechte Gebrauch machen wollen, das Nähere über diesen Gegenstand unter Abführung der Proben gegen angemessene Bedingungen bekannt zu geben.

C. v. Frankenstein.“

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: