Titel: Boutigny's Untersuchungen über den sphäroidischen Zustand der Körper; Gefrieren des Wassers und Quecksilbers in einem weißglühenden Tiegel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 104/Miszelle 8 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/mi104mi01_8

Boutigny's Untersuchungen über den sphäroidischen Zustand der Körper; Gefrieren des Wassers und Quecksilbers in einem weißglühenden Tiegel.

Boutigny hat die bekannte Erscheinung, daß Wassertropfen, welche man auf eine weißglühende Fläche fallen läßt, dieselbe nicht befeuchten, sondern hin und her rollen und nur sehr langsam verdunsten, mit großer Ausdauer studirt und die Resultate seiner Untersuchungen über diesen eigenthümlichen Zustand der Körper, welchen er den „sphäroidischen“ nennt, in einem besondern Werke veröffentlicht, wovon kürzlich die zweite Auflage unter folgendem Titel erschien: Nouvelle branche de Physique, ou Etudes sur les corps à l'état sphéroidal; par P. H. Boutigny d' Evreux. 1 vol. in – 8°, avec figures. Prix: 4 Fr. 50 Cent. A Paris, chez Labé, libraire.

Boutigny stellt als Resultat seiner Untersuchungen folgendes allgemeine Gesetz auf: die Temperatur der im sphäroidischen Zustand befindlichen Körper ist (unabhängig von derjenigen des sie enthaltenden Gefäßes) eine unwandelbare und immer geringer als diejenige ihres Siedepunkts; sie ist letzterm proportional und beträgt beim Wasser + 96°, 5 Cels.

Durch Anwendung dieses Gesetzes gelang es B. im J. 184219) das Wasser in einem weißglühenden Gefäß augenblicklich zum Gefrieren zu bringen, ein Versuch, welcher seitdem häufig wiederholt worden ist.

In dem erwähnten Werk beschreibt Boutigny 106 Versuche, wovon viele sehr merkwürdig und auffallend sind; sie lassen sich alle leicht anstellen. Wir erwähnen davon noch folgenden: das salpetersaure Ammoniak verbrennt bekanntlich bei raschem heftigen Erhitzen, z.B. auf eine glühende Porzellanplatte geworfen, mit blassem gelbem Lichte und schwachem Geräusch unter Bildung von Wasser, salpetriger Säure und Stickgas. Wirft man nun von diesem Salz in einen weißglühenden Löffel, so verbrennt es nicht, sondern geht in den sphäroidischen Zustand über; läßt man aber die Temperatur des Löffels sinken, so breitet sich das Salz auf seiner Oberfläche aus, fängt Feuer und verbrennt wie gewöhnlich.

In den Annales de Chimie et de Physique, März 1847, ist folgendes aus einem Brief von Faraday an Boutigny mitgetheilt:

„.... Ich habe einen Versuch angestellt, welchen ich nicht in Ihrem Werke finde, obgleich ein sich ihm nähernder vorkommt. Es gelang mir mittelst des sphäroidischen Zustandes Quecksilber in einem rothglühenden Tiegel mit der größten Leichtigkeit |79| zum Gefrieren zu bringen. Ich machte zuerst einen Platintiegel rothglühend und erhielt ihn einige Zeit auf dieser Temperatur; dann brachte ich Aether hinein, hierauf feste Kohlensäure und endlich tauchte ich in dieses Gemenge, welches sich im sphäroidischen Zustand befand, eine metallene Schale mit 31 Grammen Quecksilber, welches in zwei bis drei Secunden erstarrte. Die anwesenden Personen waren nicht wenig erstaunt, als ich das in den rothglühenden Tiegel gebrachte Quecksilber gefroren herausnahm.“

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Man vergleiche polytechn. Journal Bd. LXXXIII. S. 157.

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