Titel: Marcellange's gesunde Ausstopfung der Kummete und anderen Geschirrs für Pferde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 104/Miszelle 2 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/mi104mi02_2

Marcellange's gesunde Ausstopfung der Kummete und anderen Geschirrs für Pferde.

Die gewöhnliche Ausstopfung des Geschirrs für Pferde etc. ist eher geeignet Wunden hervorzubringen als sie zu verhüten. Man benutzt dazu Flockwolle, Füllhaare von Kühen und Pferden etc., welche zwischen Leder und Leinwand gebracht werden. Es sind dieß aber lauter Wärmeleiter, welche, wenn sie mit der Haut des Thiers in Berührung kommen, dieselbe erhitzen, sobald Reibung beginnt. Das Leder, ein fetter, vom Schweiß des Thiers nicht durchdringlicher Körper, verliert letztere Eigenschaft bald, indem die in die Füllung eingeführte Wärme es ausdehnt und seine Poren dem Schweiße des Thieres öffnet; das Füllhaar wird von Feuchtigkeit imprägnirt, legt sich übereinander, statt seine Form beizubehalten und wird sehr bald hart, so daß sich die Wärme im Innern der Füllung noch mehr anhäufen kann; das Leder wird am Ende hornartig und verbrennt; das Thier wird an dem ermüdetsten Theil erhitzt, verliert sein Haar und wird wund. Vergebens bemühte man sich bisher diesen Uebelständen abzuhelfen. Hrn. v. Marcellange gelang es, den nachtheiligen Einfluß des thierischen Schweißes auf die Füllung zu beseitigen.

Der Leinsame schien ihm geeignet sich des Schweißes zu bemächtigen und durch seine Verbindung mit demselben einen Schleim zu bilden, welcher die in Folge der Reibung entstehende Entzündung zu verhüten vermag; zugleich ist es ein fetter, die Wärme schlecht leitender Körper, leicht und schwachem Druck nachgebend. Nur noch ein Uebelstand war vorhanden; wenn nämlich dieser Same seine chemische Reaction auf den Schweiß ausgeübt hat, so geht er in Gährung und das Leder oder Leinentuch, welches ihn umgibt, in Fäulniß über. Diesem wird durch eine dem Leinsamen zugesetzte Fettmischung begegnet,33) welche außerdem noch den Leinsamen gegen den |158| Angriff von Ratten, Mäusen, Würmern und Insecten schützt. Diese fette Mischung ist ein vortreffliches trocknendes Mittel bei Entzündungen, trägt mit dem Leinsamen dazu bei das Leder von dem Schweiß undurchdringlich zu machen, und macht es überdieß geschmeidiger und dauerhafter. Dieses das Wundwerden verhütende und Wunden heilende Verfahren bei Verfertigung der Geschirre hat noch den weitern Vortheil, daß dasselbe Kummet ohne Nachtheil bei allen Pferden mit gleichgebautem Hals gebraucht werden kann und wenn das Pferd Wunden hat, heilen dieselben schneller, wenn das Kummet auf ihm sitzt, als außerdem. Die neue Füllung ist für das Geschirr aller Last- und Zugthiere bei allen Stücken, welche Reibung verursachen können brauchbar, sie legt sich weicher und elastischer an die Formen des Pferdes an, wodurch dieses auch mehr Kraft erhält und nicht leicht stätig wird; vorzüglich empfiehlt sie sich wegen ihrer Dauerhaftigkeit, welches Zeugniß ihr von den Wagenverleihern in Paris, die sich derselben schon bedienen, ertheilt wird. Von zwei Pferden, die über Land geschickt wurden, hatte man dem einen, sehr wunden, das neue Kummet, dem andern gesunden ein gewöhnliches aufgesetzt; nach sechstägiger Reise kam ersteres geheilt, letzteres wund zurück. (Moniteur industriel, 1846 Nr. 1034.)

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Deren Zusammensetzung der Erfinder nicht angibt.

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