Titel: Bemerkungen über die Cameotypie des Hrn. J. C. Schall.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 104/Miszelle 1 (S. 312–313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/mi104mi04_1

Bemerkungen über die Cameotypie des Hrn. J. C. Schall.

Schon vor einigen Jahren haben bekanntlich mehrere technische Chemiker und auch ich Mittheilungen gemacht über Darstellung fester alaunirter Gyps-Abgüsse54) auch hat Hr. Fabrikant Masch in Berlin schon vor mehreren Jahren Versuche mit solchem alaunirten Gyps angestellt, um denselben als Stuck für Wandbekleidungen zu verwenden, auch sind von demselben Techniker und auch von Anderen gefärbte Stuckarbeiten gefertigt worden.

So viel mir bekannt ist, wurde diese Färbung des Gypses gewöhnlich aus die Weise veranstaltet, daß schon gefärbte Metalloxyde oder deren schon gebildete Verbindungen zu dem mit Wasser auf die bekannte Weise angerührten gebrannten und gepulverten Gyps unter Umrühren zugesetzt wurden, wodurch eine Art künstliche Marmorirung sich erzeugte; diese letztere kann natürlich verschiedenfarbig erhalten werden, wenn verschieden gefärbte Substanzen dem Gypsbrei hinzugesetzt werden. Auf diese Art habe auch ich früher schon ähnliche Versuche angestellt.

Betrachtet man nun aber einen natürlich gefärbten Marmor, so ist nicht zu läugnen, daß die Färbungen desselben gleichsam in zarten Nüancirungen sich verlieren, daß die Färbung mehr wie verwaschen erscheint, als dieß bei den künstlich gefärbten Gypsen der Fall ist, wenn nämlich die künstliche Marmorirung auf die Weise stattgefunden hat, wie ich oben angegeben habe; wenigstens habe ich dieß an Probeversuchen beobachtet, welche ich angestellt hatte.

Hr. Schall, außerdem schon bekannt durch Verfertigung sehr gelungener Daguerreotyp-Bilder, hat die künstliche Färbung des alaunirten Gypses dadurch der natürlichen Färbung der gefärbten Marmorarten ähnlicher zu machen gesucht, daß er die verschiedenen Färbungen erst in der Masse des Gypses selbst sich erzeugen läßt, d.h. er setzt nicht schon gefärbte Substanzen der Gypsmasse zu, sondern läßt die Färbung dadurch sich bilden, daß er der Masse verschiedene Salzlösungen hinzusetzt, bei deren gegenseitiger Berührung sich jetzt in der Masse die verschiedenen Färbungen erzeugen; diese Färbungen lassen natürlich eine große Anzahl möglicher Abänderungen zu, und in der That zeigten die vorgelegten Proben, daß diese Färbungen insofern den natürlichen Färbungen sehr ähnlich sind, als auch bei ihnen, außer scharfen Farbenbegränzungen, auch die oben schon erwähnten, mehr in zarte Nüancirungen verschwindenden Färbungen deutlich wahrnehmbar sind. So z.B. entsteht ein Blau in der Gypsmasse durch Beimischen von Auflösungen von gelbem blausaurem Eisenkali (Kaliumeisencyanür) und einem Eisenoxydsalz; ein Gelb durch chromsaures Kali und ein Bleisalz; ein Braun durch chromsaures Kali und ein Quecksilbersalz oder ein Silbersalz; ein schönes Roth durch eine Auflösung von Jodkalium und ein Quecksilberoxydsalz u.s.w. Solche in der Masse durch hinzugemischte Salzlösungen erst gefärbte alaunirte Gypsabgüsse würden sich gewiß sehr vortheilhaft in der Architektur zu mannichfachen Zwecken verwenden lassen, als etwa zur Darstellung sogenannter künstlicher gefärbter Marmorplatten, zu Friesen, Füllungen, Consolen u.s.w., aber auch alle Arten plastischer Kunstgebilde lassen sich damit nachahmen, als Statuetten, Gypsabgüsse von geschnittenen Steinen, Cameen, weßhalb auch Hr. Schall sein Verfahren Cameotypie genannt hat.

Statt gewöhnlichen Gypses den alaunirten zu obigem Zweck anzuwenden, ist deßhalb vorzuziehen, da bekanntlich ein gut bereiteter alaunirter Gypsabguß |313| in der größten Harte und Haltbarkeit jeden andern Gypsabguß, aus gewöhnlichem nicht alaunirtem Gyps gefertigt, bei weitem vortheilhaft übertrifft. Hr. Schall hat auch den Abgüssen auf die bekannte Weise mittelst trocknender Oele und Leimabkochung eine größere Härte zu geben gesucht; jedoch scheint für die Reinheit der Farbennüancirungen die Anwendung von alaunirtem Gyps den Vorzug zu verdienen. Hr. Schall hat der Versammlung der polytechnischen Gesellschaft in Berlin Proben seiner Versuche vorgelegt, und wünscht nur, da er selbst anderweitig beschäftigt, mit der weiteren Verfolgung und Vervollkommnung des genannten Verfahrens sich nicht näher einlassen kann, daß von irgend Jemand Anderem diesem Gegenstande die nöthige Aufmerksamkeit geschenkt werden möge, damit derselbe möglicherweise sich zu einem neuen Industriezweige gestalte. (Berliner Gewerbe-, Industrie- und Handelsblatt Bd. XXI, S. 293.)

|312|

Polytechn. Journal Bd. XCI S. 356.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: