Titel: Ueber Schießpulver, von Prof. Faraday.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 104/Miszelle 8 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj104/mi104mi04_8

Ueber Schießpulver, von Prof. Faraday.

Einer Vorlesung, welche Prof. Faraday an der Royal Institution über die Zusammensetzung und Eigenschaften des Schießpulvers hielt, entnehmen wir Folgendes: – Das Pulver ist ein mechanisches Gemenge von 75 Theilen Salpeter, 15 Th. Holzkohle und 10 Th. Schwefel; in Aequivalenten berechnet, geben diese 1 Kalium, 1 Stickstoff, 6 Sauerstoff, 3,4 Kohlenstoff und 0,85 Schwefel.

Wirkung des Schießpulvers. – Das Schießpulver entbindet bei seiner Verbrennung eine ungeheure Menge Gas und überdieß Wärme. Bei seiner Entzündung beginnt die Verbrennung durch den Schwefel, welcher aber selbst keineswegs durch den Sauerstoff des Salpeters verbrannt wird, sondern sich hauptsächlich mit dem Kalium dieses Salzes zu Schwefelkalium vereinigt; letzteres trägt dazu bei, der Schießpulverflamme eine intensive Hitze zu geben. Läßt man Schießpulver und Stahlfeile mit einander durch eine Flamme von vier bis fünf Zoll Länge fallen, so wird die Stahlfeile glühen, das Pulver nicht. Man kann eine Gasflamme einige Secunden auf ein Häufchen Schießpulver spielen lassen, ohne daß dieses sich entzündet; nachdem es sich aber entzündet hat, entwickelt es sehr viel Hitze. Der ungeheuren Hitze, welche sich an den festen Verbrennungsproducten des Schießpulvers concentrirt, ist die Gewißheit seiner vollständigen Verbrennung großentheils zuzuschreiben. In dieser Hinsicht unterscheidet sich das Schießpulver wesentlich von der Schießbaumwolle. Letztere entzündet sich bei einer Hitze welche ersteres nicht afficirt; die Wärme welche die Schießwolle durch ihre Verbrennung hervorbringt, ist aber anderen Körpern viel weniger mittheilbar. Welche Wirkung die erzeugte Hitze, unabhängig von dem Uebergang eines festen Körpers in den gasförmigen oder dampfförmigen Zustand, hervorbringt, beweist uns die Explosion einer Mischung von 1 Vol. Sauerstoff mit 2 Vol. Wasserstoffgas, welche den Behälter dieser Gase mit Heftigkeit zersprengt, bloß in Folge der bei ihrer Verbrennung frei gewordenen Hitze; denn der Raum welchen die unverbundenen Gase einnahmen, ist um die Hälfte größer als derjenige welchen der erzeugte Dampf einnimmt.

Körnen. Dasselbe ist von großem Einfluß auf die Wirkung des Schießpulvers als treibende Kraft oder beim Sprengen; das gekörnte Pulver bietet nämlich eine Anzahl von einander getrennter Oberflächen dar, welche gerade groß genug sind um bei der Entzündung des Pulvers in demselben Augenblick mit Flamme umgeben zu werden; ohne diese Porosität, welche einer Pulvermasse durch ihre Zertheilung in Körner verliehen wird, könnte die Explosion des Ganzen weder augenblicklich noch gleichzeitig erfolgen. Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur Pulverteig zum Theil in gekörntes und zum Theil in Mehlpulver zu verwandeln und die langsame Verbrennung einer Zündschnur von Mehlpulver mit der schnelleren Entzündung der Rakete und der augenblicklichen Entzündung einer Flintenladung zu vergleichen. Alle diese Wirkungen hängen von dem Zustand ab, in welchem sich die |316| einzelnen Theilchen im Innern der Pulvermasse befinden, nämlich ob sie von der Flamme der zuerst entzündeten Theilchen mehr oder weniger durchdrungen werden können. Den äußern Zustand der Pulvermasse betreffend, beruht das langsame Verbrennen der Zündwürste darauf, daß dem körnigen Zustand des Pulvers in seinem Gehäuse der Druck des Bindfadens entgegenwirkt, welcher sehr dicht um dasselbe gewickelt ist; während andererseits in einer lockeren Hülse ein ähnlicher Satz augenblicklich abbrennt und beim Abbrennen des Schwärmers diese Wirkungen abwechselnd hervorgebracht werden.

Der große Einfluß der Zeit bei den Wirkungen des Schießpulvers. – Prof. Faraday zeigte, indem er die Wirkung des Schießpulvers mit derjenigen des Knallquecksilbers und Knallsilbers, sowie mit dem noch fürchterlicher explodirenden Chlorstickstoff und Jodstickstoff verglich, daß wenn die Explosion des Schießpulvers ebenfalls eine augenblickliche wäre, es zu allen seinen gegenwärtigen Anwendungen unbrauchbar seyn würde. So aber kommt das Schießpulver, welches in der Kammer des Gewehrlaufs entzündet wurde, nicht eher zur vollen Intensität seiner Wirkung, als bis der Raum, welchen es einnimmt, um denjenigen vergrößert worden ist, durch welchen die Kugel im ersten Augenblick der Entzündung fortgetrieben wurde. Dabei wird seine Spannkraft vermindert und bleibt unter derjenigen, welche der Pulversack aushalten kann, während der Kugel ein sich anhäufendes, sicheres und wirksames Moment mitgetheilt wird, welches den beabsichtigten Effect genau hervorbringt. Im Gegensatz wurde die Wirkung des Jodstickstoffs gezeigt, wovon man ein wenig auf einen Teller brachte und durch Berühren mit dem Ende eines langen Steckens explodiren machte. Die Theile, welche mit dem Jodstickstoff unmittelbar in Berührung waren, wurden zerschmettert, d.h. das Ende des Steckens war zersplittert und die Stelle des Tellers, worauf die Substanz lag, durchbohrt, wie wenn man eine Kugel hindurchgeschossen hätte. Dabei fühlt aber die Hand kein Bestreben den Stecken zu heben, während das Schießpulver in Folge seiner allmählichen Wirkung die schwächeren Substanzen, Vorladung und Geschoß, hebt und hinausschleudert. (Civil Engineer and Architects Journal, März 1847, S. 84.)

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