Titel: Rose, über die Trennung des Nickels vom Kobalt.
Autor: Rose, Heinrich
Fundstelle: 1847, Band 105, Nr. LXVIII. (S. 269–271)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj105/ar105068

LXVIII. Ueber die Trennung des Nickels vom Kobalt (Verfahren reinstes Nickel und Kobalt im Großen darzustellen) und über die Trennung beider von andern Metallen; von Heinrich Rose.

Im Auszug aus Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie, 1847 Nr. 8.

Setzt man zu einer neutralen Auflösung von Chlorkobalt Chlorwasserstoffsäure und leitet Chlorgas durch dieselbe, so verändert sie ihre rosenrothe Farbe, nur wenig; sie erhält einen schwachen Stich ins Bräunliche, aber die ganze Menge des Chlorids ist in Superchlorid übergegangen, und kohlensaure Baryterde fällt aus der Auflösung den ganzen Gehalt des Kobalts als Superoxyd.

Behandelt man auf gleiche Weise eine mit Chlorwasserstoffsäure versetzte Auflösung von Chlornickel, so wird auch nach langer Zeit durch kohlensaure Baryterde kein Superoxyd gefällt. Nur wenn die Menge der hinzugesetzten Chlorwasserstoffsäure sehr gering gewesen ist, kann man nach 12 Stunden eine sehr geringe Menge von schwarzem Superoxyd erhalten.

Auf diese Erfahrung, daß in einer Auflösung von Kobaltoxyd, welche freie Chlorwasserstoffsäure enthält, die ganze Menge des Metalls sich vermittelst Chlorgases in Superchlorid verwandelt, während das Chlornickel sich dadurch in der sauren Auflösung nicht verändert, gründete ich eine Scheidung beider Metalle, die mir Resultate gab, die meine Erwartung übertrafen, und so genau waren, wie sie oft nicht bei Trennungen anderer Metalle, die unter einander nicht so viele Aehnlichkeit zeigen, erreicht werden können.

Die Methode ist folgende: man löst beide Metalle in Chlorwasserstoffsäure auf; die Auflösung muß eine hinreichende Menge von freier Säure enthalten. Man verdünnt sie darauf mit vielem Wasser; hat man ein bis zwei Grammen der Metalle oder der Oxyde angewandt, so setzt man zu der Auflösung ungefähr zwei Pfund Wasser. Das Kobalt hat nicht bloß in Flüssen, sondern auch in Auflösungen eine bei weitem tingirendere Kraft als das Nickel. Die mit Wasser verdünnte Auflösung ist daher rosenroth, selbst wenn eine sehr überwiegende Menge von Nickel angewandt worden ist. Man leitet durch die Auflösung mehrere Stunden hindurch einen Strom von Chlorgas; die Flüssigkeit muß ganz damit gesättigt seyn, und der leere Raum der Flasche, in welcher der Versuch |270| geschieht, muß mit Chlorgas angefüllt seyn, wenn die Entwickelung aufgehört hat. Man setzt darauf kohlensaure Baryterde im Ueberschuß hinzu, und unter öfterem Umrühren läßt man das Ganze in der Kälte 12 oder 18 Stunden stehen. Das gefällte Kobaltsuperoxyd mit der überschüssigen kohlensauren Baryterde werden mit kaltem Wasser ausgesüßt, in heißer Chlorwasserstoffsäure aufgelöst, und nach Entfernung der Baryterde vermittelst Schwefelsäure wird aus der Auflösung das Kobaltoxyd durch Kalihydratlösung gefällt, und nach dem Aussüßen und Trocknen im Platin- oder Porzellantiegel mit Wasserstoffgas reducirt.

Die vom Kobaltoxyd abfiltrirte Flüssigkeit ist rein grün. Sie ist vollkommen frei von jeder Spur von Kobaltoxyd. Nach Wegschaffung der Baryterde vermittelst Schwefelsäure wird das Nickeloxyd durch Kalihydrat gefällt.

Doch auch nach dieser Methode gab die erste quantitative Untersuchung nicht sehr genaue Resultate. Es wurden zum Versuche angewandt 0,318 Gram, metallisches Nickel und 0,603 Gram, metallisches Kobalt.

Es wurden erhalten 0,430 Gram. Nickeloxyd und 0,580 Gram. Kobalt.

Angewandt. Erhalten.
Nickel 34,53 36,75
Kobalt 65,47 62,98
––––––––––––––––
100,00 99,73.

Der Grund dieses fehlerhaften Resultats ist der, daß nach der Fällung des Kobaltsuperoxyds vermittelst kohlensaurer Baryterde dasselbe nach einer oder einigen Stunden filtrirt wurde. Man muß aber sehr lange, wenigstens 12 Stunden, besser 18 Stunden, die überschüssige kohlensaure Baryterde mit der Auflösung stehen lassen, weil das Kobaltsuperoxyd sich sehr langsam niederschlägt. Die geringere Menge des erhaltenen Kobalts und die größere des Nickels lassen sich daher leicht erklären.

Bei einem anderen Versuche, bei welchem dieser Fehler vermieden wurde, wurden 0,739 Gram, metallisches Nickel und 0,540 metallisches Kobalt angewendet. Es wurden erhalten 0,548 Gram. Kobalt, also 42,84 Proc. statt 42,22. Das Nickel wurde nicht bestimmt.

Zwei Versuche sind von Hrn. Weber angestellt worden.

Bei einem wurden 0,818 Gram. Kobalt und 0,980 Gram. Nickel genommen; es wurden erhalten 0,806 Gram. Kobalt und 1,274 Gram. Nickeloxyd.

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Angewandt. Erhalten.
Kobalt 45,50 44,77
Nickel 54,50 55,83
–––––––––––––––
100,00 100,60.

Bei dem zweiten Versuche wurden 0,516 Gram, metallisches Kobalt und 0,637 Gram. Nickeloxyd angewandt. Es wurden erhalten 0,517 Gram. Kobalt.

Man sieht aus diesen Versuchen, daß die vorgeschlagene Methode bei Anwendung der nöthigen Vorsichtsmaßregeln sehr genaue Resultate gibt. Sie hat dabei den Vortheil, daß sie gleich gut anwendbar ist, welches auch das relative Verhältniß des Kobalts und Nickels seyn mag.

Diese oder eine ähnliche Methode kann auch mit Vortheil benutzt werden, um Nickel und Kobalt vom reinsten Zustand im Großen darzustellen. Beide Metalle werden jetzt technisch weit mehr als früher angewandt. Zu manchen Zwecken ist es vortheilhaft, sie so rein wie möglich zu bereiten. Dieß ist z.B. der Fall, wenn Kobaltoxyd zur Porzellanmalerei benutzt werden soll, wobei ein sehr geringer Gehalt von Nickeloxyd eine minder reine blaue Farbe hervorbringt.

Ich habe wenigstens das reine Nickel- und Kobaltoxyd, welches in meinem Laboratorium angewandt wird, auf diese Weise gereinigt, und zu den beschriebenen Versuchen wurden nur die nach dieser Methode gereinigten Substanzen benutzt. Das im Handel vorkommende Nickel enthält, außer Spuren von Arsenik, noch Kobalt, Kupfer und Eisen. Es wurde in Chlorwasserstoffsäure aufgelöst, und durch die Behandlung mit Chlorgas und kohlensaurer Baryterde das Kobalt und Eisen abgeschieden und darauf durch Schwefelwasserstoffgas das Kupfer.

Man sieht leicht ein, daß eben so wie das Kobalt noch andere Metalle vom Nickel quantitativ geschieden werden können, namentlich das Mangan und Eisen. Andererseits kann man das Kobaltoxyd vom Zinkoxyd und einigen anderen stark basischen Oxyden, welche durch Oxydation nicht in Superoxyde übergehen, trennen.

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