Titel: Verfahren um den Stickstoffgehalt organischer Substanzen schnell zu bestimmen; von Eug. Peligot.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 105/Miszelle 6 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj105/mi105mi01_6

Verfahren um den Stickstoffgehalt organischer Substanzen schnell zu bestimmen; von Eug. Peligot.

Die Kenntniß des Stickstoffgehalts organischer Materien ist für das Studium physiologischer und landwirtschaftlicher Fragen so wichtig geworden, daß eine Methode um ihn einfacher und schneller bestimmen zu können, sehr erwünscht ist.

Die leichteste Methode den Stickstoff aus der organischen Substanz frei zu machen, ist bekanntlich diejenige von Will und Varrentrapp, wonach er durch Erhitzen der organischen Materie mit Natronkalk in Form von Ammoniak entwickelt wird. Die quantitative Bestimmung des Ammoniaks, welches die Entmischung der organischen Substanz lieferte, in Form von Platinsalmiak erfordert aber viel Zeit, weil man das Platinsalz in einem Wasserbad abdampfen, filtriren, auswaschen und bei einer bestimmten Temperatur trocknen muß. Das wirkliche Gewicht des Salzes wird überdieß unsicher gemacht durch die flüssigen Kohlenwasserstoffe, womit es oft gemischt ist und die sich durch Aether und Alkohol nicht leicht vom Platinsalmiak absondern lassen, ein pulverförmiger Körper wie letzterer zieht auch schnell Feuchtigkeit aus der Luft an.

Alle diese Schwierigkeiten sind durch folgende Abänderung des Verfahrens beseitigt. Die Verbrennung der stickstoffhaltigen Substanz geschieht wie gewöhnlich durch Natronkalk: das entbundene Ammoniak wird wie bisher in einem Kugelapparat verdichtet, welcher aber nicht Salzsäure, sondern verdünnte Schwefelsäure enthält. Man braucht nun bloß nach beendigter Verbrennung den Gehalt dieser Flüssigkeit an freier Säure zu bestimmen, um das in ihr verdichtete Ammoniak und folglich dessen Stickstoffgehalt berechnen zu können. Zur Neutralisation der Säure benutzt man eine Auflösung von Kalk in Zucker; der zuckersaure Kalk verhält sich nämlich gegen Säuren gerade so als wenn seine Basis in freiem Zustande wäre (man bewahrt die Flüssigkeit in verschlossenen Gefäßen auf, weil sie sonst Kohlensäure aus der Luft anzieht und sich durch kohlensauren Kalk trübt, in welchem Falle sie wieder filtrirt werden müßte).

Die 2–3 Fuß lange Glasröhre, in welcher die organische Substanz mit Natronkalk zersetzt wird, verbindet man mittelst eines Kautschukstöpsels mit dem Kugelapparat, welcher etwa 10 Kubikcentimeter Schwefelsäure von solcher Stärke |78| enthält, daß dieselben 0,212 Gram. Ammoniak entsprechen. Nach beendigter Verbrennung (wenn die Substanz weiß geworden ist) treibt man die in der Röhre enthaltenen Gase durch einen Luftstrom aus.

Die Säure, worin sich das Ammoniak verdichtete, gießt man nun in einen Glascylinder und wascht den Kugelapparat sorgfältig aus; die Flüssigkeit wird mit viel Wasser verdünnt und durch einige Tropfen Lackmus roth gefärbt. Man füllt nun ein Maaßgläschen welches in ganze und zehntels Kubikcentimeter eingetheilt ist, mit der Auflösung des zuckersauren Kalks und gießt davon, zuletzt tropfenweise, in die saure Flüssigkeit bis sie sich wieder blau färbt. Man notirt sich dann die verbrauchte Menge alkalischer Flüssigkeit. Da man durch einen vorläufigen Versuch ermittelt hat, wie viel zuckersaurer Kalk zum Sättigen der 10 Kubikcentimeter angewandter Schwefelsäure erforderlich ist, so braucht man nur die zum Sättigen der ammoniakhaltigen Säure erforderlich gewesene Menge Zuckerkalk davon abzuziehen, um zu erfahren wie viel Säure das Ammoniak in Anspruch nahm und folglich wie viel Stickstoff die organische Substanz enthielt.

Nach dieser Methode, welche in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit auszuführen ist, kann man auch Substanzen analysiren welche wie der Weizen, die Ackererde und die menschlichen Excremente, sehr wenig Stickstoff enthalten; man braucht von ihnen nur eine hinreichende Menge anzuwenden. (Comptes rendus.)

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