Titel: Ueber die Bleichung von alten, durch die Zeit vergilbten Kupferstichen und Drucksachen; von Dr. Elsner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 105/Miszelle 11 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj105/mi105mi02_11
|159|

Ueber die Bleichung von alten, durch die Zeit vergilbten Kupferstichen und Drucksachen; von Dr. Elsner.

In Folge einiger Besprechungen in der polytechnischen Gesellschaft zu Berlin fand ich mich veranlaßt, Versuche anzustellen über die Bleichung von alten, durch die Zeit vergilbten Kupferstichen und Drucksachen. Nach mehreren Versuchen fand ich folgende Methode ihrem Zweck völlig entsprechend und praktisch leicht ausführbar. Ich nahm zu diesen Versuchen Drucksachen und Kupferstiche, welche 1728 gefertiget worden waren und durch die Zeit eine fast bräunlich-gelbe Färbung angenommen hatten.

Es wurde eine Auflösung von Chlorkalk in Wasser gemacht, etwa wie 1 : 20, diese Lösung wurde filtrirt und in dieselbe der zu reinigende Kupferstich oder der Abdruck eingelegt, so daß letzterer von der Chlorkalkauflösung gänzlich bedeckt wurde, hierauf wurde so viel starker Essig hinzugesetzt, daß die Flüssigkeit sauer reagirte; in dieser Mischung von Chlorkalklösung und Essigsäure liegend, nahmen die bräunlich gefärbten Probesachen nach und nach immer mehr eine hellere Farbe an und endlich, etwa nach 1/4–1/2 Stunde waren die Abdrücke völlig weiß, ja vielleicht weißer als sie ursprünglich gewesen waren; nachdem die Gegenstände völlig weiß geworden sind, wurden sie herausgenommen aus der Mischung und in Flußwasser so lange abgespült, bis sie nicht mehr nach Chlor rochen, hierauf wurden sie, an der Luft liegend, getrocknet und später geglättet; so bearbeitet sahen sie aus wie neu und hatten an ihrer Festigkeit gar nichts verloren.

Man hatte theils Chlorkalkauflösung, theils Salzsäure vorgeschlagen, allein nur die soeben angegebene Mischung gibt ein völlig genügendes Resultat. Offenbar ist in dem beschriebenen Verfahren die nach und nach freiwerdende unterchlorige Säure, die sich sofort im freien Zustande in Chlor und Sauerstoff zerlegt, die Ursache der guten Erfolge, da überdieß bekannt ist, daß das sogenannte Wasserstoffsuperoxyd auf ähnliche Weise, d.h. durch Freiwerden von Sauerstoff, wirksam ist. – Da Essigsäure angewendet wird, kann auch keine Veränderung der Papierfaser eintreten und ebensowenig durch freien Chlorkalk, da dieser durch die freie Essigsäure zersetzt wird und essigsaurer Kalk die Papierfaser nicht angreift.

Kunstkenner haben mir die Versicherung gegeben, daß man auch auf nachstehende Weise alte vergilbte Kupferstiche ganz vortrefflich farblos machen könne.

Man spannt dieselben auf ein Brett auf und befeuchtet sie fortwährend mit einem Schwamme mit reinem Wasser, Regen- oder destillirtem Wasser, währenddem man den befeuchteten ausgespannten Kupferstich in die Sonne legt; nach einiger Zeit ist derselbe völlig entfärbt und schön weiß. Daß diese Operation auf der bekannten Theorie der Rasenbleiche beruht, ist unzweifelhaft.

Ich habe der Redaction dieser Zeitschrift eine Probe solcher alten vergilbten nach obiger, von mir angegebenen Methode, gebleichten Drucksachen beigelegt. (Berliner Gewerbe-, Industrie- und Handelsblatt, 1847, Nr. 22.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: