Titel: Preisaufgaben der Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale zu Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 105/Miszelle 1 (S. 229–232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj105/mi105mi03_1

Preisaufgaben der Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale zu Paris.

Mechanische Künste.

Preise für das Jahr 1848.

1) Preis von 10,000 Francs für eine verbesserte Construction der Dampfmaschinen, welche eine ununterbrochene rotirende Bewegung übertragen müssen (wie im polytechn. Journal Bd. XCIX S. 235).

2) Preis von 6000 Frcs. für die experimentelle Bestimmung des Widerstands der Metalle bei verschiedenen Temperaturen und die Untersuchung des Einflusses der Wärme auf die Cohäsion ihrer Molecüle.

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Die Gesellschaft verlangt keineswegs rein physikalische Untersuchungen in diesem Betreff, sondern dieselben müssen in großem Maaßstab mit den in der Industrie gebräuchlichen Metallen angestellt werden, mit Berücksichtigung aller Umstände welche in der Mechanik vorkommen. Die Reihe der Versuche muß bei wenigstens 15° C. über Null beginnen und bis zur Temperatur vor dem Schmelzen des Metalls fortgesetzt werden. Namentlich müssen die Versuche mit gezogenen Drähten, geschmiedeten Stangen, gegossenen Stücken, gehämmerten und gewalzten Blechen etc. angestellt werden. Bei den gewalzten Blechen muß der Widerstand (sowohl gegen das Zerreißen als gegen Druck) nicht nur in der Richtung ihrer Länge, sondern auch ihrer Breite bestimmt werden, um zu erfahren welchen Einfluß auf die Zähigkeit das Walzen des Metalls in einer einzigen Richtung hat. Endlich müssen die Versuche auch mit zusammengenieteten Blechen angestellt werden, ferner mit zerrissenen und dann wieder zusammengeschweißten oder zusammengelötheten Stücken, sowie mit gebogenen und dann in der Kälte oder Wärme wieder zurecht gerichteten Stücken.

Die Resultate über die den verschiedenen Temperaturen entsprechende Zähigkeit und Cohäsion der Metalle müssen in einer Tabelle übersichtlich zusammengestellt seyn, so daß das Gesetz der Zunahme und Abnahme der Cohäsionskraft daraus zu entnehmen ist. Die bei den Versuchen befolgten Methoden müssen genau beschrieben und von den angewandten Apparaten Zeichnungen beigegeben seyn.

3) Preis von 1000 Frcs. für ein Instrument (einen Dynamometer) um die Kraft annähernd bestimmen zu können, welche die verschiedenartigen Pflüge erfordern.

4) Preise für Verbesserungen in der Fabrication von Ziegeln, Backsteinen, Platten etc. aus gebrannter Erde:

  • a) Preis von 500 Frcs. für ein Verfahren um die Erde wohlfeiler oder bei gleichen Kosten vollkommener zu zertheilen;
  • b) drei Preise, jeder von 500 Frcs. 1) für das Pulverisiren der heterogenen Substanzen, welche dann ohne Nachtheil in der Masse bleiben können; 2) für das Absondern der schädlichen Körper, welche man nicht in Pulver verwandeln kann, aus der Masse; und 3 für das Gerben solcher Erde welche nur unschädliche Substanzen enthält, die aber behufs des Formens gegerbt werden muß;
  • c) Preis von 1000 Frcs. für ein Verfahren wonach das Brennen vollkommener, sicherer, gleichförmiger oder wohlfeiler als bisher bewerkstelligt werden kann;
  • d) Preis von 1000 Frcs. für eine Methode wodurch das Glasiren vollkommener oder wohlfeiler als bisher ausgeführt werden kann.

5) Preise für die Fabrication gußeiserner, schmiedeiserner, hölzerner und steinerner Wasserleitungsröhren in Frankreich.

Die Bewerber um alle diese Preise müssen ihre Abhandlungen vor dem 31. Dec. 1847 einsenden und es wird darüber in der Generalversammlung der Gesellschaft im zweiten Semester 1848 entschieden.

Chemische Künste.

Preise für das Jahr 1848.

1) Preis von 1000 Frcs. für eine neue Anwendung des Jods oder einer seiner Verbindungen zu technischen Zwecken.

2) Preis von 1000 Frcs. für ein Verfahren die Perlessenz vom Weißfischchen, welche man zur Fabrication falscher Perlen anwendet, so wohlfeil darzustellen, daß sie um den vierten Theil ihres gegenwärtigen Preises geliefert werden kann.

3) Preis von 3000 Frcs. für die Fabrication von Indigo aus dem Polygonum tinctorium.

4) Preis von 3000 Frcs. für Verbesserungen in der Fabrication des Dextrinzuckers.

Bekanntlich kann man das Stärkmehl mittelst der Diastase (in der gekeimten Gerste) in einen Zucker verwandeln, welcher weißer, reiner und wohlschmeckender ist als das Product welches man durch Behandlung der Stärke mit Schwefelsäure erhält. Letzteres hat gewöhnlich einen zusammenziehenden Geschmack und einen unangenehmen Geruch und enthält stets Kalksalze, welche bei manchen Anwendungen nachtheilig sind.

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Dextrinsyrup und Dextrinzucker, welche mittelst Diastase erzeugt sind, besitzen diese Fehler nicht; ihre Bereitung erfordert aber eine größere Sorgfalt, besonders um bei der Keimung (der Gerste etc.) soviel als möglich von dem wirksamen Princip zu entwickeln und dessen Veränderungen zu vermeiden. Auch bestehen die Schwierigkeiten noch darin, solche Zuckerauflösungen gut zu klären und zu filtriren, und durch ein rasches Abdampfen zu vermeiden daß sie sich färben.

5) Preis von 1200 Frcs. für ein besseres Verfahren als das von Kämpfer beschriebene, behufs der Papierfabrication die inneren Theile der Rinden des Papiermaulbeerbaums von der Epidermis und der grünen Substanz zu reinigen.

6) Preis von 2500 Frcs. für ein Verfahren das Wasser von der Bereitung des Stärkmehls aus Getreide oder Kartoffeln zu benutzen, daraus den Kleber oder die eiweißartige Substanz zu gewinnen.

7) Preismedaillen für Mittel die Wirkungen der Feuchtigkeit bei Gebäuden zu verhüten.

Die Bewerber um diese Preise müssen ihre Abhandlungen am 31. Dec. 1847 der Gesellschaft eingereicht haben.

Preise für das Jahr 1849.

8) Preis von 5000 Frcs. für Verbesserungen im Anbau der Runkelrüben.

Eine lange Erfahrung hat gelehrt, daß die weißen Runkelrüben im Allgemeinen zuckerreicher sind, weniger fremdartige Substanzen enthalten und sich nach dem Ausgraben länger aufbewahren lassen als die anderen Varietäten. Man weiß auch daß ein Ueberschuß von auflöslichen Kalksalzen im Dünger die Zuckergewinnung aus den geernteten Rüben schwieriger macht Endlich ist die Production an Rüben selbst bei gutem Erdreich eine sehr verschiedene, ohne daß man alle Ursachen dieser Abweichungen genau kennt.

Es ist daher sehr wünschenswerth, daß man durch genaue Versuche ermittelt, in welcher Beziehung die Zusammensetzung des Bodens (sein Gehalt an auflöslichen, unauflöslichen, organischen und unorganischen Substanzen) und die Menge und Zusammensetzung des Düngers mit der Quantität und Beschaffenheit der geernteten Runkelrüben steht.

9) Preis von 5000 Frcs. für Verbesserungen in der Fabrication des weißen Hutzuckers aus Runkelrüben.

Die Rübenzuckerfabrication hat ihren höchsten Standpunkt erst dann erreicht, wenn das Hauptproduct direct als weißer Zucker in Broden gewonnen wird, welche unmittelbar verkäuflich sind. Dieser Zweck scheint durch mehrere Verfahrungsarten wirklich erreicht werden zu können; einige Fabriken im nördlichen Frankreich stellten auch einige Zeit allen ihren Zucker in dieser Form dar, wobei aber das Ergebniß nur 5 1/2 Proc. betrug, daher sie es bald vorzogen den größten Theil ihres Products in Form von Rohzucker in den Handel zu bringen. Die Aufgabe ist also, durch Verbesserung der Verfahrungsarten und Apparate den angegebenen Zweck zu erreichen.

Termin für die Preisbewerber ist der 31. Dec. 1848.

Oekonomische Künste.

Preise für das Jahr 1848.

1) Preise für Verbesserung der Apparate und Verfahrungsarten zum Reinigen der Wäsche:

a) Medaillen für die Einführung verbesserter Laugapparate in den Waschanstalten;

b) Preis von 1000 Frcs. für wichtige Verbesserungen an den jetzt gebräuchlichen Dampf-Laugapparaten, so daß man des Gelingens der Operation versichert seyn kann, während von Seite der den Apparat bedienenden Person weniger Aufmerksamkeit und Arbeit erfordert wird,

c) Preis von 2000 Frcs. für Versuche wodurch ermittelt wird, welche Wirkung das Wasser, der Dampf, die mehr oder weniger dichten und mehr oder weniger kaustischen alkalischen Laugen bei verschiedenen Temperaturen und verschiedenem Druck, |232| innerhalb einer gewissen Zeit aus leinene und baumwollene Gewebe von verschiedener Feinheit und Güte ausüben.

d) Preis von 500 Frcs. demjenigen, welcher nach der Erfahrung und Theorie bestimmt, welche Form, Geschwindigkeit und Dimensionen für die Waschräder am geeignetsten sind;

e) Da man in den Fabriken auch Walken und andere Maschinen zum Reinigen der Zeuge anwendet, so wird demjenigen ein Preis von 500 Frcs. zugesichert, welcher den besten Waschstock construirt;

f) Medaillen für verbesserte Vorrichtungen und Verfahrungsarten zum Mangen, Falten, Bügeln und Trocknen der Wäsche.

2) Preis von 4000 Frcs. für Verbesserungen in der Kerzenfabrication, wodurch wohlfeilere Producte erzielt werden können.

Die Stearinsäure ist nicht die einzige Substanz welche man zur Fabrication von Kerzen anwenden kann, die mit den Wachskerzen concuriren können. Durch die früheren Versuche von Poutot und die neueren von Boudet weiß man, daß gewisse Salze und Säuren, z.B. die salpetrige und schweflige Säure, die Eigenschaft haben die Oele und Fette in Substanzen zu verwandeln welche viel weniger schmelzbar sind. So hat man längst die Salpetersäure benutzt um dem Talg eine größere Härte zu ertheilen. Endlich hat man in der neuesten Zeit unter den Destillationsproducten des Holzes, der Steinkohlen und bituminösen Schiefer feste Substanzen (z.B. das Paraffin) entdeckt, welche nach ihrer Zusammensetzung und ihren Eigenschaften zur Beleuchtung anwendbar sind.

Die Umwandlung der natürlichen Fette in Producte welche zur Beleuchtung geeigneter sind, ist bei günstigen Localverhältnissen wenig kostspielig; der Talg liefert fast sein gleiches Gewicht eines Gemenges von Oelsäure (die zur Seifenfabrication dient), Margarinsäure und Talgsäure. Es handelt sich also bloß um die Verminderung der Fabricationskosten.

Der Preis wird demjenigen Fabrikanten zuerkannt, welcher Kerzen à 2 Fr. per Kilogr. liefert, die 1) bei gleichem Gewicht wenigstens eben so viel Licht geben und eben so lange brennen wie die gewöhnlichen Wachskerzen; 2) welche brennen ohne daß man sie zu putzen braucht und 3) dabei keinen unangenehmen Geruch oder Rauch verbreiten, auch 4) nicht mehr ablaufen als die Wachs- oder Wallrathkerzen; 5) sich hart und trocken anfühlen und aus einer Substanz bestehen welche nicht unter 40° R. schmilzt.

3) Preis von 2000 Frcs. für die Construction transportabler Apparat zur Eisbereitung, welche sich für die Haushaltungen eignen.

4) Medaillen für die Blutegelzucht im Großen.

(Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement.)

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