Titel: Vorrichtung zum Beleuchten der unter dem Mikroskop zu betrachtenden Gegenstände durch schief einfallendes Licht; von Nachet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 105/Miszelle 4 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj105/mi105mi03_4

Vorrichtung zum Beleuchten der unter dem Mikroskop zu betrachtenden Gegenstände durch schief einfallendes Licht; von Nachet.

Die Mikrographen kennen die merkwürdigen Wirkungen, welche man durch Beleuchtung der Gegenstände mit schief einfallendem Lichte erhält, und die Vortheile, welche diese Methode gewährt, um die Streifen und sehr feinen Linien wahrzunehmen, welche bei gerade auffallendem Lichte keine merklichen Schatten werfen; aber nicht alle Mikroskope eignen sich gleichgut zu dieser Art Beleuchtung. Die einen haben eine isolirte Platte und der freistehende Spiegel kann außerhalb der Achse angebracht werden und sich um den Fuß des Instrumentes drehen; diese geben ein abänderlich schief einfallendes Licht; allein die Platte hat hier nicht die erforderliche Stütze und ist nicht so fixirt als es bei seinen Beobachtungen nöthig ist; ferner verliert man, wenn man die Stellung des Spiegels verändert, um das Object von verschiedenen Seiten zu beleuchten, das Licht gänzlich und kann die successiven Wirkungen bei dieser Abänderung der Beleuchtung nicht verfolgen. Bei andern Mikroskopen liegt die Platte auf einer Art Camera, die den Spiegel einschließt, fest auf; sie dreht sich um sich selbst und gestattet die verschiedenen Seiten des Gegenstandes nacheinander dem Lichte auszusetzen, was aber nur ein sehr geringer Vortheil ist, sofern man sich nur der zum Objectträger perpendiculären Strahlen bedient, jedoch einige gute Lichtwirkungen zur Folge hat; bei diesen Instrumenten ist jedoch der Spiegel völlig unzugänglich, sein Mittelpunkt kann sich von der Achse nicht entfernen und er liefert immer gerade einfallendes Licht.

Für letztere Art von Mikroskopen ist mein kleiner Apparat bestimmt, welcher den Zweck hat ein schief einfallendes Licht zu liefern. Er besteht aus einem der Camera clara ähnlichen Prisma, welches so geschnitten ist, daß die parallel der Achse einfallenden Lichtstrahlen normal durch die erste Fläche dringen, im Innern aber zwei gänzliche Reflexionen erleiden, welche sie ablenken und dann perpendiculär zur Austrittfläche austreten, um der Achse im Mittelpunkt des Objectträgers unter einer nach den Winkeln des Prismas veränderlichen schiefen Richtung zu begegnen. Der Apparat wird unmittelbar unter dem Object in der als Stütze der gewöhnlichen Diaphragmen dienenden Röhre angebracht. Um mehr Licht zu erhalten, kann man die Planflächen an den beiden Enden durch krumme Flächen ersetzen, welche den Lichtstrahlenbündel besser zusammenhalten und den Focus auf dem in Untersuchung befindlichen Object selbst bilden.

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Mein Zweck war hiebei, den Mikrographen ein sehr wohlfeiles, für alle Mikroskope anwendbares Stück zu verschaffen, wodurch ein jeder die gewohnte, für seine Untersuchungen geeignete Art von Instrumenten beibehalten kann und doch die Vortheile gewinnt, welche er sich sonst nur durch Ankauf eines neuen Instruments verschaffen könnte.

Diese schief einfallende Beleuchtung in Verbindung mit der Rotationsbewegung der Platte, liefert sehr schöne Wirkungen (der Erfinder legte der franz. Akademie einen Gegenstand vor, welcher sie recht anschaulich macht, nämlich eine navicula lineata, woran Linien in dreierlei Richtungen wahrzunehmen sind; mit starken Linsen können diese Linien bei gerade einfallendem Licht kaum wahrgenommen werden, während sie mittelst dieses Prismas ganz deutlich hervortreten).

Dieses Prisma gibt dem Licht eine schiefe Richtung von ungefähr 30° zur Achse; ich habe mich übrigens überzeugt, daß die Wirkungen bei einer Schiefe von 20 oder 40° immer dieselben waren, was dem Einwurf, der dem Apparat gemacht werden könnte, eine Abänderung der Schiefe des Lichts nicht zu gestatten, im voraus begegnet. (Comptes rendus, Mai 1847 Nr. 22.)

Mikroskope mit Spiegeln die außerhalb der optischen Achse liegen, wurden in der neueren Zeit in England, besonders von Abraham in Liverpool verfertigt. Der Optiker Oberhäuser in Paris glaubt nicht, daß der Spiegel mit doppelter Bewegung, den die Engländer anwenden und welcher die Entfernung und die Schiefheit abzuändern gestattet, sich vortheilhaft durch ein Prisma mit fixen Winkeln ersetzen läßt, welches sein Licht da vermindert, wo man es vielmehr verstärken müßte. Uebrigens ist die schiefe Beleuchtung der Mikroskope nichts Neues; schon die Mikroskope von Dellebare (1793) und Charles waren mit Spiegeln versehen, welche man nach Belieben außerhalb der optischen Achse bringen konnte. Diese Beleuchtungsart der Mikroskope wurde auch im Manuel du micrographe von Chevallier (1839) und in Hugo v. Mohl's Mikrographie (Tübingen 1846) beschrieben, (Comptes rendus, 1847 Nr. 24 und 25.)

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