Titel: Kupferoxydammoniak als Färbemittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 105/Miszelle 6 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj105/mi105mi04_6

Kupferoxydammoniak als Färbemittel.

Prof. Runge theilt hierüber Folgendes mit. Vermischt man Kupfervitriol mit Ammoniakflüssigkeit (Salmiakspiritus), so erfolgt sogleich Zerlegung, und ein bläulicher Niederschlag scheidet sich ab. Bei einem Ueberschuß an Ammoniak löst sich der Niederschlag wieder auf und man erhält eine schön dunkelblau gefärbte Flüssigkeit. Diese ist eine Verbindung von schwefelsaurem Ammoniak mit Kupferoxydammoniak, die man gewöhnlich Kupferammoniak nennt.

Das Kupferammoniak ist ein noch viel zu wenig in der Druckerei angewandtes Salz, das um so mehr Beachtung verdient, als seine chemischen Eigenschaften es so sehr dazu befähigen. Der eine Bestandtheil desselben, das Ammoniak, ist flüchtig, und es bleibt, wenn dieses entweder durch Erwärmen der Auflösung, oder durch Eintrocknen derselben entfernt ist, nach dem Auswaschen ein basisches schwefelsaures Kupferoxyd zurück, welches sich innig mit der Faser verbindet. Es ist auch in der That sehr acht, da weder ein Kochen mit gewöhnlichem, noch selbst mit Seifenwasser der Farbe schadet. In letzterem Fall bekommt sie sogar mehr Lüstre, weil sich etwas ölsaures Kupferoxyd bildet. Hat aber die Seife einen großen Ueberschuß an Lauge, so wird die Farbe braun. Dasselbe geschieht, wenn man das gefärbte Zeug in heiße Kali- oder Natronlauge eintaucht. Sind diese Laugen dagegen kalt, so erfolgt das Entgegengesetzte, es tritt keine Bräunung ein, sondern das Blaugrün geht in ein sehr schönes Blau über, weil reines Kupferoxydhydrat (d.h. mit Wasser chemisch verbundenes Kupferoxyd) entsteht.

Das Kupferammoniak läßt sich ohne Zersetzung mit Abkochungen und Aufgüssen vieler Pflanzen vermischen. Nach dem Aufdruck und Trocknen geht dann das überflüssige Ammoniak davon, und die gefärbte Verbindung bleibt auf dem Zeug zurück. Man kann daher auf diese Weise eine große Anzahl sehr verschiedenartig gefärbter Tafeldrucke darstellen, die in den allermeisten Fällen sehr acht sind.

Viele Farbstoffe erleiden in Berührung mit Kupferammoniak eine chemische Veränderung. So gibt Catechu fast dasselbe Braun, wie mit chromsaurem Kali, wenn |318| man 1 Pfd. Catechupulper mit 4 Pfd. Wasser aufweicht und dann 12 Pfd. Kupferammoniak hinzusetzt, mit Traganth verdickt und aufdruckt.

Noch auffallender ist die Wirkung desselben Mittels auf einen der gelben Farbstoffe, der persischen Beeren, welcher sich aus einem kalten Aufguß der Beere in hellgelbgefärbten Körnern ausscheidet. Mit Kupferammoniak übergossen, erhält er anfangs eine grünlich braune Farbe, die nach 6 bis 8 Stunden in eine rothbraune übergeht. Er ist nun gänzlich zersetzt und in zwei andere Farbstoffe umgewandelt: einen rothen und einen braunen, die man durch Weingeistzusatz von einander trennt. Das Kupferfalz wird nämlich mit dem braunen Farbstoffe zugleich niedergeschlagen, und der rothe Farbstoff bleibt in der weingeistigen Lösung. Er gibt mit der Thonerde schön rothgefärbte Verbindungen, wie die Krappfarben. (Polytechn. Notizblatt, 1847 Nr. 10.)

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