Titel: Gannal, über ein Verfahren Bleiweiß zu fabriciren.
Autor: Gannal, M.
Fundstelle: 1847, Band 106, Nr. LVII. (S. 273–276)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj106/ar106057

LVII. Ueber ein neues Verfahren Bleiweiß zu fabriciren; von Gannal.

Aus dem Journal of the Franklin Institute, Jul. 1847.

Ich habe eine Reihe von Versuchen angestellt, um ein Verfahren zur Bleiweißfabrication auszumitteln, welches einfacher und für die Arbeiter weniger gefährlich als die gebräuchlichen Methoden ist. Dieß ist mir auch gelungen, so daß ich jetzt auf eine einfache Weise, in sehr kurzer Zeit und ohne alle Gefahr, das schönste Product erziele.

Im Jahr 1834 ließ sich Walker Wood in England eine Methode patentiren, welche mehreres Neue enthielt; die Beschreibung derselben ist aber so dunkel und enthält so viele Unrichtigkeiten, daß ich mich dabei nicht verweilen will.53)

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Meine Methode ist folgende.

Man verschafft sich einen sechs- oder achtseitigen bleiernen Cylinder von 2 Meter (6 Fuß) Länge und 30 bis 40 Centimeter (11 bis 15 Zoll) Durchmesser; das Blei desselben soll 5 bis 8 Millimeter (2 1/2 bis 3 1/2 Pariser Linien) dick seyn. Dieser Cylinder wird in ein Gehäuse aus Stangeneisen eingeschlossen, an dessen einem Ende eine Kurbel angebracht ist, damit man ihm auf einem Gestell leicht eine rotirende Bewegung ertheilen kann. Am Centrum des Cylinders befindet sich eine Oeffnung, durch welche man die Materialien hineinbringt, worauf man sie mit einem Spund verschließt. An dem der Kurbel entgegengesetzten Ende des Cylinders und in der Achse desselben ist eine Oeffnung von nur 3 bis 4 Centimeter (1 bis 1 1/2 Zoll) Weite angebracht, in welche ein elastisches Rohr paßt, das mit einem Blasebalg verbunden ist. Dieses Rohr muß bis auf den Boden des Cylinders hinabreichen. Man bringt in den Cylinder 100 Kilogr. granulirtes Blei und verschließt das Spundloch wieder. Läßt man nun den Cylinder bei geschlossener Seitenöffnung fünf Stunden lang drehen, so daß er 45 bis 50 Umgänge in der Minute macht, so werden nach Verlauf dieser Zeit beiläufig zwei Drittel des Bleies in ein unfühlbares Pulver verwandelt seyn, welches noch die Bleifarbe besitzt. Bleibt hingegen die Seitenöffnung offen, so oxydirt sich das zertheilte Blei und man erhält Bleioxyd-Hydrat. Versieht man endlich den Apparat mit einem elastischen Rohr, welches bis auf den Boden des Cylinders reicht und dessen anderes Ende mit einem Blasebalg verbunden ist, welcher mit Luft aus einer geschlossenen Kammer gespeist wird, worin Holzkohle verbrennt, so verwandelt sich das fein zertheilte Blei in Berührung mit der Luft |275| und Kohlensäure, welche der Blasebalg in den Apparat treibt, in Oxyd und endlich in kohlensaures Blei oder Bleiweiß.

Nach diesem Princip habe ich ein beträchtliches Quantum Bleiweiß fabricirt, welches mit dem besten im Handel vorkommenden den Vergleich besteht.

Wenn der Cylinder lange genug umgedreht worden ist, öffnet man den Spund und läßt die Flüssigkeit auslaufen; man bringt dann ebensoviel Wasser hinein wie anfangs, dreht den Cylinder fünf Minuten lang und läßt nun die zweite Portion Flüssigkeit auslaufen, worauf man den Apparat sogleich für eine zweite Operation beschicken kann, wofür man jedoch nur 75 Kilogr. Blei hineinbringt, weil 25 bis 30 Kilogr. nicht fein zertheilt zurückbleiben.

Um die Bleiweißbildung zu beschleunigen, habe ich zweierlei Methoden angewandt; die erste besteht darin, daß ich beim Beschicken des Apparats in das Wasser ein halbes Kilogr. Salpetersäure gieße; bei der zweiten Methode ersetze ich die Säure durch 1 Kilogr. salpetersaures Blei. Während der Operation entwickelt sich ein wenig Salpetergas, nach beendigter Operation bleibt aber kaum eine Spur von salpetriger Säure in der Mischung zurück; die Säure oder das Bleisalz wird also vollständig zersetzt. Wahrscheinlich bildet sich anfangs basisches untersalpetersaures Blei, welches dann durch die Kohlensäure zersetzt wird.

Das aus dem Cylinder abgezogene flüssige Product von bläulicher Nüance schüttet man in ein Gefäß, welches acht- bis zehnmal so viel Wasser enthält als zur Operation angewandt wurde. Durch starkes Umrühren wird die Mischung bedeutend weißer, weil eine Spur zurückgebliebenen metallischen Bleies sich in Bleiweiß verwandelt. Nachdem man das Waschen zwei Tage lang fortgesetzt hat, ist das ganze Product von blendender Weiße. (Ich will jedoch hier bemerken daß, als ich einmal etwas Bleiweiß, welches noch beiläufig den achten Theil seines Gewichts zertheilten und nicht oxydirten Bleies enthielt, unmittelbar trocknete, nach Verlauf von zwei Monaten die ganze Masse eine gleichförmige Nüance hatte.) Da aber bei dieser Operation auch granulirtes und sonst unvollkommen, zertheiltes Blei aus dem Apparat entweicht, so ist es nöthig dasselbe in Gefäßen absetzen zu lassen, welche in verschiedenen Höhen mit Oeffnungen versehen sind. Zuerst wird das klare über dem Niederschlag stehende Wasser abgezogen und dann durch eine etwas niedrigere Oeffnung der teigartige Niederschlag, welcher sich über den unvollkommen zertheilten Bleipartikeln befindet. Die teigartige Masse bringt man auf Filter von dicht gewobenem Zeug, |276| welche vorher auf Rahmen befestigt worden sind; es tropft viel Wasser davon ab und es bleibt eine plastische Masse zurück. Nun nimmt man die Filter ab, faltet die Enden des Zeugs über einander und setzt das Ganze in einer Presse einem starken Druck aus. Nachdem so viel Wasser als möglich ausgepreßt worden ist, nimmt man die Packete heraus, zieht den Zeug ab und zertheilt die Masse in Stücke von der verlangten Form, welche man in einer geheizten Stube trocknet.

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Wood (polytechn. Journal Bd. LIV S. 127) empfahl das Blei in Form von Schroten mit Wasser in einen Trog zu bringen, welcher an einer horizontalen |274| Welle in Bewegung gesetzt wird, damit sich die Bleistückchen durch Reibung an einander in Pulver verwandeln; das Gemenge von Bleipulver und Wasser soll man dann der Luft aussetzen, wodurch sich das Blei oxydirt und mit Kohlensäure verbindet. Dasselbe Verfahren hatte übrigens schon einige Jahre früher Hr. Director Prechtl in seiner technologischen Encyklopädie (Bd. II S. 466) in Vorschlag gebracht und noch folgende Methode zur Beschleunigung des Processes beigefügt: Man granulirt das Blei, indem man es durch einen heißen Löffel gießt, der in Gestalt eines Seihers durchbrochen ist, so daß es von einiger Höhe in kaltes Wasser fällt; dieses Bleischrot wird mit Wasser, worin etwa 1/10 Potasche aufgelöst ist, in ein cylindrisches Bleigefäß gebracht, worin ein Rührkreuz angebracht ist, welches durch einen Mechanismus umgedreht wird. Beim Umrühren wird die Flüssigkeit bald milchig, so daß sie von dem Blei abgegossen werden kann und in der Ruhe ein schönes Bleiweiß absetzt, von dem die Flüssigkeit abgegossen und neuerdings über das granulirte Blei geschüttet wird, mit welchem man dann das Zusammenrühren fortsetzt. In diesem Processe oxydirt sich das Blei auf Kosten der im Wasser enthaltenen Luft und das Oxyd verbindet sich im Augenblick seiner Entstehung mit der Kohlensäure der Potasche, die diese wieder in dem Maaße, als sie sie an das Bleioxyd abgibt, aus der Atmosphäre anzieht.

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