Titel: Brodformen von Eisenblech.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1847, Band 106/Miszelle 6 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj106/mi106mi02_6

Brodformen von Eisenblech.

Für die Gemeindebäckerei glauben wir einen sich als völlig praktisch erweisenden Vorschlag machen zu können, welcher darin besteht, den gekneteten Teig, sobald er gegohren hat, in Formen von Eisenblech einzufüllen, in denselben den Teig nochmals etwas treiben zu lassen und ihn dann mit sammt der Form in den Ofen einzuschießen.

Durch die Anwendung solcher Formen kann selbst bei sehr kleinen Laiben der Ofen mehr Brod fassen, als ohne dieselben, daher der Grund wegfallt, der für Anfertigung größerer Laibe sprechen mag. Es wird ferner möglich, die Brode vollkommen rein aus dem Ofen zu bringen, ohne daß große Sorgfalt auf die Reinigung desselben zu verwenden wäre, was immer einen Verlust an Wärme verursacht, da zum Reinigen die Ofenthür ohne weiteren Nutzen offen bleibt. Die Rinde, welche sich im Innern der Backform bildet, wird auf keine Weise verbrannt und bleibt elastisch und dünn. Ebenso begünstigt diese Form vorzugsweise die Erhaltung einer |156| ganzen Rinde, da die Laibe keine Anschliffe bekommen, so daß das Brod eine hinlängliche Menge von Wasser zurückhält und dasselbe auch beim Aufbewahren weniger verliert, als dieß sonst der Fall ist, ohne deßwegen grau zu werden, da die äußere Luft weniger Zutritt hat.

Ausgezeichnete Dienste würde aber die Einführung blecherner Backformen bei Gemeindebacköfen dann leisten, wenn man dieselben in einer Größe anschaffen würde, die nur so viel Teig aufnimmt, als zu 2 Pfd. nöthig ist. Dadurch würden die Backenden so zu sagen verführt nur kleine Laibe zu backen, und mit dem so eingeführten Brauche würde eine der Hauptbedingungen zur Vervollkommnung der Familienbäckerei erreicht werden.

Die große Bequemlichkeit, das Brod in diesen Formen in den Ofen einzuschießen, das bequeme Ausziehen derselben und besonders der Umstand, daß auch ein schlechter, wenig zäher Teig in eine solche Form gebracht nicht verlaufen kann, was sonst im Ofen sehr häufig geschieht, wird diesen Formen sicher bald die Gunst der Backenden erwerden. Eine solche Form, die wir zur Anstellung von Versuchen haben anfertigen lassen, hatte 3 Zoll Höhe, am Boden 4 Zoll Breite und eben so viel Länge und faßte Teig für 2 Pfd. Brod, welche etwa 6 Zoll hoch wurden. Formen von dieser Größe liefert die Deffner'sche Blechwaarenfabrik in Eßlingen per 100 Stück à 40 fl., und wenn man bedenkt, daß solche Formen sehr lange halten können, ohne einer Reparatur zu bedürfen, so ist die einmalige Ausgabe für solche Formen, die so manche Vortheile versprechen, nicht zu scheuen.

Endlich gewähren solche Formen den Vortheil einer sehr bequemen Controle beim Betriebe der Gemeindebacköfen, indem man jede derselben mit einer eingedrückten Nummer versieht, so daß jedem Backenden eine Anzahl von Nummern in laufender Ordnung übergeben werden, wodurch das von ihm gelieferte Brod sehr leicht wieder erkannt und ihm zugestellt werden kann, ohne daß es dazu besonderer Zeichen und Marken bedürfte. Man kann, ohne die mindeste Verwechselung zu befürchten, für dieselbe Backung Brod von sehr verschiedenen Theilnehmern aufnehmen, und da alle Brode gleich groß sind, werden auch alle in der gleichen Zeit gar und die Entrichtung der Gebühr für das Backen wird so am richtigsten erhoben werden können.

Es wurde im Laufe dieses Sommers auch in Hohenheim längere Zeit mit solchen, nach Angabe des Hrn. Schinz 37) gefertigten Formen Brod gebacken und man hat sich dabei hier von der Zweckmäßigkeit dieser Formen, die auch in England neuerer Zeit vielfach in Gebrauch kommen, vollkommen zu überzeugen Gelegenheit gehabt. Um das Brod, wenn es fertig ist, bequem herausnehmen zu können, werden sie oben etwas weiter gemacht als am Boden, und überdieß vor dem Einfüllen des Teigs innen etwas mit Fett eingeschmiert. (Riecke's Wochenblatt 1847, Nr. 39.)

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Aus der eben erschienenen empfehlenswerthen Schrift von C. Schinz: „Anleitung zur Erbauung und Benützung der Gemeindebacköfen, Obstdarren, Waschanstalten und anderer Feuerungsanstalten für land- und hauswirthschaftliche Zwecke und Erreichung der höchstmöglichen Ersparnis an Brennmaterial. Mit 5 Tafeln Zeichnungen. Ulm, 1847.“

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